Giora Feidman: Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen

Giora Feidman:

Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Gitanes Blondes et Giora Feidman, 2012

HAMCHA: Giora Feidman, Sie wurden 1936 in Buenos Aires geboren. Ihre Eltern sind Anfang des letzten Jahrhunderts nach Argentinien emigriert. Pogrome in ihrer osteuropäischen Heimat Bessarabien hatten sie zur Flucht gezwungen.

FEIDMAN: Was ist die Rolle des Judentums in der menschlichen Gesellschaft? Wenn jemand die Tora nicht studiert, wird er das heutige Judentum nicht verstehen. Im Hebräischen sagen wir KI MI ZION TEZE TORAH, von Israel, von den Juden wird die Tora ausgehen. Das ist die Zukunft, denn bisher ist die Tora nicht von den Juden ausgegangen. Das Verständnis der Tora erfordert die Betrachtung des Judentums. Man sagt, es ist eine Religion, weil das ein Bezugspunkt ist, den man braucht um zu verstehen. Man sagt zum Beispiel ‚dies ist ein Baum.’ – Doch wie viele Bäume gibt es da? Sind das alles Bäume oder sind es keine? Dieser Baum ist der Bezugspunkt. Man sagt auch, dies ist eine Blume. Doch wie viele Blumen existieren? Unendlich viele!

Wenn man heute vom Judentum spricht, meint man eine Nation, die die Tora besitzt. Dadurch ist es eine bestimmte Nation, nicht irgendeine. Sie ist nie irgendeine Nation gewesen. – Jetzt haben Sie Tacheles! – Wissen Sie, was Tacheles ist? Sie haben Tacheles. Tacheles ist das schlimmste hebräische Wort, man gebraucht es die ganze Zeit.


Wie kann eine Gesellschaft 2000 Jahre überleben? – Nicht mit dem Internet! Wie konnte diese Gesellschaft 2000 Jahre überleben!? Auf Grundlage der Tora! Wie ist das möglich? Es muss da eine Macht geben. Wir haben kein Telefon, um mit ihr zu kommunizieren. Wir wissen nicht, wann eine Stunde vorbei ist. Wir kennen nur die vergangenen Stunden. Außerhalb Israels machen wir aus dem Heute die Vergangenheit, um sicher zu sein, dass jetzt nicht dass Heute, sondern das Morgen ist. In Israel machen wir nur einen Tag, weil wir wissen, dass er das Heute ist. Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen.
http://youtu.be/srGGBY__LXA
Der wahre Grund übrigens, warum man uns aus Israel hinausgeworfen hat, ist der Hass zwischen Brüdern, wie wir im Hebräischen sagen. Die Juden sind sehr gefährlich, wenn sie einander hassen. Und das ist nicht erst einmal geschehen. Es ist mehr als einmal passiert! Als wir, wegen des Hasses zwischen den Brüdern, schwach wurden, hat man uns von dort vertrieben. (weiterlesen)

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