weitersroda

Dominik Plangger: Buonanotte Fiorellino

 

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Liedermacher Dominik Plangger, 2012

HAMCHA: Dominik Plangger, nicht weit von hier ist Kloster Banz, wo in diesem Sommer zum 25sten mal das Liedermacherfest „Songs an einem Sommerabend“ stattfinden wird.

Dominik Plangger: Ich glaube, das genaue Datum ist der 6. und 7. Juli, zwei Tage dieselben Künstler mit dem gleichen Programm.

HAMCHA: Du warst 2009 als Preisträger bei „Songs an einem Sommerabend“?

Dominik Plangger: Genau. Es gibt eine Jury, die aus über 200 Einsendungen die Gewinner eines Förderpreises auswählt, die dann im Vorabendprogramm spielen können. Ich war 2009 dabei und wurde die letzten drei Jahre von Ado Schlier, dem Veranstalter, für das Hauptprogramm gebucht.

HAMCHA: Welchen Stellenwert hat die Auftrittsmöglichkeit im Hauptprogramm von „Songs an einem Sommerabend“ für Dich?


Dominik Plangger: Für mich ist das schon ein ganz großer Schritt. Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey sind die Headliner, die sich dort jedes Jahr abwechseln, dieses Jahr ist Konstantin Wecker das Zugpferd. Wenn Konstantin Wecker in Kloster Banz auftritt, ist dort eine ganz andere Atmosphäre, als wenn Reinhard Mey dort singt. Man merkt, dass die Stimmung etwas geladener ist, wenn Konstantin Wecker spielt, es liegt dann etwas in der Luft, man spürt eine wahnsinnige Kraft.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, Konstantin Wecker, 2012

HAMCHA: Was zeichnet Konstantin Weckers Präsenz aus, womit schafft er es, diese Atmosphäre, diese Dichte bei einer Veranstaltung herzustellen?

Dominik Plangger: Es ist einfach seine eigene Energie, die er auf die Bühne mitbringt. Wenn der auf die Bühne geht, ist er eine Lokomotive. Er ist ja immerhin schon 65 Jahre. Bei ihm gibt es nur 100 %, keinen Kompromiss, keinen Versuch mal zu sagen, ich mache es heute mal etwas gemütlicher. Er geht auf die Bühne und gibt alles. Bei Konstantin sind sehr viele Emotionen dabei, es ist total authentisch, was da passiert.

HAMCHA: Ist Konstantin Wecker ein Musiker, der Dich in Deiner eigenen künstlerischen Entwicklung beeinflusst hat?

Dominik Plangger: Beeinflusst? – Ja, schon, könnte man so sagen. Ich habe als 14, 15-jähriger schon Konstantin Wecker gehört und ich kann mich gut erinnern, wie seine Musik mich durch meine erste Liebeskrise begleitet hat. Er hat mich schon beeinflusst. Als junger Liedermacher kommt man ja an den großen Namen, Konstantin Wecker, Reinhard Mey und Hannes Wader nicht vorbei, das sind halt schon die Väter, genau so Degenhardt.

HAMCHA: Wärst Du auch ohne sie Liedermacher geworden?

Dominik Plangger: Das ist eigentlich aus mir selbst gekommen, weil ich in meiner Jugendzeit nicht so viele Liedermacher gehört habe. Ich bin eigentlich viel mehr beeinflusst vom American Folk, von Country, Bluegrass und den Singer-Songwritern, die in der Szene unterwegs sind, viel mehr als von den deutschsprachigen Liedermachern. Aber irgendwann habe ich mich mal hingesetzt um eigene Lieder zu schreiben, da wurde mir klar, dass ich das nur in Deutsch auf den Punkt bringen kann, weil mein Englisch zu schlecht ist. Ich kann schon Englisch sprechen aber es ist nicht meine Sprache, da kann ich mich nicht so ausdrücken, wie ich es will. Deswegen war mir klar, dass ich die Lieder in deutscher Sprache schreiben muss.

HAMCHA: Dominik, Du bist Südtiroler, aus welcher Gegend in Südtirol kommst Du?

Dominik Plangger: Aus dem Vinschgau, im Westen Südtirols, genauer aus Stilfs.

HAMCHA: Deutsch ist Deine Muttersprache, wie wichtig ist für Dich Italienisch?

Dominik Plangger: Deutsch ist eindeutig die Muttersprache, Italienisch ist für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol eine Fremdsprache. Sowohl mein Vater, wie auch meine Mutter sind deutschsprachig, da wäscht man halt deutschsprachig auf. Aber Italienisch ist Alltag in Südtirol. Bürogänge und offizielle Sachen sind hauptsächlich in Italienisch, man muss, oder sollte, die italienische Sprache schon beherrschen.

HAMCHA: Du trägst einige Lieder in Italienisch vor, schreibst Du trotzdem ausschließlich in Deutsch?

Dominik Plangger: Meine eigenen Lieder schreibe ich in Deutsch, weil die italienische Sprache für mich als Südtiroler eine Fremdsprache ist. Das hängt auch damit zusammen, dass ich ganz im Westen, im Vinschgau aufgewachsen bin, wo sehr wenige italienisch sprechende Menschen wohnen. Natürlich, wenn man in Bozen, in der Hauptstadt aufwächst, dann wird man schon als Kind viel mehr mit beiden Sprachen konfrontiert. Ich singe gerne italienische Lieder von Francesco De Gregori oder Fabrizio De Andrè, aber selber schreibe ich nichts auf Italienisch. – Im Dialekt schon!

HAMCHA: Arrangierst Du Lieder neu, die Du von anderen aufgreifst?

Dominik Plangger: Ich verändere sie soweit, dass ich mich da noch legal bewegen kann. Ich versuche, sie nicht eins zu eins zu covern. Meine Version von „Buonanotte Fiorellino“ ist dem Original nicht sehr nahe.

HAMCHA: Du singst dieses Lied auch gemeinsam mit Konstantin Wecker?

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Konstantin Wecker und Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Dieses Lied habe ich in Bad Staffelstein, bei „Songs an einem Sommerabend“ am Abend backstage gesungen. Das hat dem Konstantin so gut gefallen, dass ich es ihm bis 6 Uhr in der Früh gut 20 Mal vorsingen musste. Dann hat er sich entschieden, es auf der neuen Platte, „Wut und Zärtlichkeit“, aufzunehmen. Er hat praktisch eine deutsche Umdichtung gemacht und seinen deutschen Text auf die Melodie gelegt. Er singt aber auch die italienischsprachigen Originalstrophen von Francesco De Gregori. Mittlerweile haben wir das Lied auch schon zwei, drei mal auf Konzerten von Konstantin Wecker zusammen gesungen. Ich habe den italienischen Part gesungen und er den deutschen. Er hat „Buonanotte Fiorellino“ von mir kennen gelernt. Viele meinen mittlerweile, das ist mir schon ein paar Mal passiert, dass das Lied von mir stammt, gerade Weckerfans, die zu den Wecker-Konzerten kommen. Wenn Konstantin Wecker die Geschichte erzählt, dass er das Lied über mich kennengelernt hat, sind viele Leute der Meinung, dass ich das Lied geschrieben habe. Wenn ich die Möglichkeit habe, ein Interview zu geben, betone ich immer extra, dass das Lied nicht von mir ist.


HAMCHA: Konstantin Wecker stellt Dich als Erben des Liedermachergenres vor und ihr tretet zusammen auf. – Welche Bedeutung hat er für Dich, er scheint Dich jedenfalls sehr zu akzeptieren und zu fördern?

Dominik Plangger: Ja, auf alle Fälle. Er fördert da schon irgendwie … – nicht so direkt „fördern“, mehr indirekt… Da bilden sich Netzwerke, das war für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meiner, in Anführungszeichen „Karriere“, dieses Netzwerk von Konstantin. In Österreich habe ich jetzt auch eine Agentur, das ist die Agentur, die Konstantin vertritt, in Österreich. Es hat sich alles so verwoben, das ist für mich sehr wichtig. Wenn ich den Konstantin nicht kennen gelernt hätte, würde ich jetzt nicht da stehen, wo ich jetzt stehe. Er hat mir indirekt schon ziemlich auf die Sprünge geholfen.

HAMCHA: Wir kommen gerade vom „Paradiesvogelfest“, einem Liedermachertreffen in Weitersroda, das von Florian Kirner, alias Prinz Chaos II. und Kalter Kaffee veranstaltet wurde. Es war die zweite Auflage, warst Du im letzten Jahr schon dabei?

Dominik Plangger: Letztes Jahr war ich noch nicht dabei, da kannte ich den Prinzen noch nicht. Den Prinzen habe ich letztes Jahr in Kloster Banz kennen gelernt, das war Freundschaft auf den ersten Blick.

HAMCHA: Ist Florian auch in Kloster Banz aufgetreten?

Dominik Plangger: Nein, er war als Gast dort.

HAMCHA: Konstantin Wecker hatte auf Facebook dazu aufgerufen, sich mit Prinz Chaos II. und seinem Paradiesvogelfestival zu solidarisieren. Es hatte Übergriffe von Neonazis gegeben und das Auto eines Musikers wurde angezündet. Auf facebook gab es Aufrufe, das Paradiesvogelfest zu verhindern. Was haben

diese Drohungen bei Dir ausgelöst?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Konstantin Wecker und Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Es gibt einen Grund mehr, dort aufzutreten. Wie man gesehen hat, waren von den Neonazis nicht viele da. Auf der anderen Straßenseite saßen ein paar herum, man kennt sie ja, große Klappe und nix dahinter.

HAMCHA: Das Paradiesvogelfest wurde durch die Polizei sehr stark abgeschirmt, es gab Kontrollen der anreisenden Besucher und Künstler. Das Festival fand praktisch unter Polizeischutz statt.

Dominik Plangger: Das ist sicher mit ein Grund, dass da nichts passiert ist. Die Drohungen, die man in Facebook lesen konnte, waren teilweise schon Morddrohungen. „Alles Niederbrennen“, zum Beispiel, oder „Alle in den Kopf schießen“ – es klang schon sehr gefährlich, was die Leute da geschrieben haben.

HAMCHA: Von irgendetwas scheinen sie sich sehr provoziert gefühlt zu haben, wie wäre sonst deren heftige Reaktion erklärbar? (zur Übersicht /  bitte weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

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