Martina Schwarzmann

Vogelmayer Iatz mias ma uns des amoi oschaun!

Vogelmayer

Iatz mias ma uns des amoi oschaun!

Liada wie Axthiebe – Gespräch mit dem bayerischen Liedermacher Thomas Vogelmayer (Teil 7)

HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier
Vogelmayer: “Des macht a irre vui Spass!”

HAMCHA: Ich habe den Eindruck, hier in der Region gibt es ein sehr aufgeschlossenes Publikum für Liedermacher, siehst Du das auch so?

Vogelmayer: Auf jeden Fall. Allerdings in Straubing gibt’s go koa Publikum, find i. [lacht] In Straubing hob i’s immer sehr schwer ghabt. Oiso…, na, es kimmd scho oh aber i hobs iatz nia gschafft so Kneipen voi zum bringa. I hob hoid in Oberalteich moi wos gmacht und im Kulturforum, des war oamoi mit 250 Leid, des war 2004, oiso scho ewig her, des hod ziemlich guad funktioniert. Aber so is Straubing eigentlich echt so a verschlafenes Nest, wo d’Leid ned sogn i schau ma amoi irgend an Künstler o, den i iatz eigentlich ned kenn oder der ned permanent in de Medien auftaucht. Des macht ma in Straubing eigentlich ned, man geht in Straubing unter der Woch a ned einfach furt. Des duad eigentlich koana. Da is nur am Wochenende wos los. I war iatz heid zufällig in da Stod, da warn scho a paar Leid in den Cafés heraussen gsessen. Aber so, wenn’s iatz ned grod Sommer is, unter der Woch is überhaupt nix los.

HAMCHA: Kulturell ist in Straubing nicht viel los?

Vogelmayer: Na, es gibt eigentlich a koa Kulturszene. Es gibt des Raven, da geht a gewisses Klientel immer eine, aber ansonsten gibt’s eigentlich nix. Es gibt keine Kleinkunstbühnen. Im Bahnhof is amoi a Zeit lang wos gmacht worn, da hob i amoi mit da Martina Schwarzmann an Auftritt ghabt, des war ned schlecht. Aber des hod se a aufghört mit dieser Kleinkunstbühne. Dann gibt’s im Markmiller-Saal einen Veranstalter, der ab und zu was macht. Der hod a bissl was mit EAV gmacht oder mit Konstantin Wecker, Luise Kinseher und wie die hoid alle hoaßen, die ganzen Comedians und Kabarett-Leid. Oder Willy Astor und soichane Gschichtn, des wird dann scho a gmacht aber es lauft scho unter Kleinkunst. Willy Astor und Konstantin Wecker san natürlich scho große und bekannte Sachen und da gängan d’Leid a hie. Aber zu so am niederbayerischen Künstler gängans ned.


HAMCHA: Sind sie sich zu schade?

Vogelmayer: Ja, des is scho schad. I hob des a scho anders erlebt, zum Beispiel in Frankfurt, wo du als niederbayerischer Künstler kommst und da sitzen dann 50 Leid im Publikum und es is a Atmosphäre, wie wenn a Fernsehteam do war, wie wenn’s im Fernseh aufgnomma wird. Da red a koana, da hörn da die zua, da geht oana auf d’Bühne und sogt: „Olle Handys ausschalten, koana derf zum Raucha geh. Dann sitzen de Leid wirklich andächtig oanahoib Stund do und do unterhoid se a koana. De hörn da nur zua und schaun de voi o. Oiso wirklich, ganz toll war des.

HAMCHA: Und das ist in Niederbayern generell anders?

Vogelmayer: In Niederbayern is des scho a bissl anders. – Aber i hob in Niederbayern a scho wirklich geile, guade Auftritte ghabt, wo s’Publikum wirklich toll dabei war. In den Stadthallen ist es so, dass die Städte immer einen Veranstalter verlangen. Man muss komplett alles übernehmen, die ganze Verantwortung, die ganze Planung, alles. Du zoist a gewisse Saalmiete und des war’s. Und des is ma hoid ehrlich no a bissl zu wagemutig, des zu macha, dass i sog: Okay, i geh iatz do mit Werbung, Saalmiete und dem ganzen Trara mit ein paar tausend Euro in Vorleistung. Wenn dann aus irgend einem Grund koana kommt, dann is natürlich bled. Oder wenn dann nur 50 Leid keman und i muas obsogn, dann verlangan de de Saalmiete trotzdem. Und egal wie kloa a Stadthalle is, du muast eigentlich immer zwoa, dreihundert Leid habn, damit des funktioniert. Da tast i mi liaba langsam heran, man muas da scho unterwegs sei, man muas spui, spuin und no amoi spuin. Des muas stetig sei, es muas immer wieder was in den Zeitungen sei. Wenn do Plakate vo mia in da Stod hängan, ja dann keman d’Leid sche langsam. Aber des sogt de Erfahrung, wenn ma dann scho zwoa, drei moi irgendwie in Erscheinung getreten ist, dann is ma in de Köpfe vo de Leid und dann is ma weider, dann san de motiviert und sogn: „Iatz mias ma uns des amoi oschaun!“

HAMCHA: Es ist halt eine völlig andere Sache, ob man als Veranstalter auftritt oder eben der auftretende Künstler …

Vogelmayer: … ganz klar, des is natürlich auch a Versicherungsgeschichte. – I hob mir ja des scho amoi überlegt und hob a scho Veranstaltungen gmacht, in diesem Stil. Aber da muas i hoid, ehrlich gsagt, sogn, da is mia da Aufwand z’groß. Zum Glück bin i bei de Veranstaltungen, de i selbst gmacht hab, immer guad aussa kumma.

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Da Vogelmayer – sieht die Dinge anders…

HAMCHA: Anders als der Veranstalter hast Du als Künstler zumindest ein geringeres Kostenrisiko.

Vogelmayer: I deng scho, dass ma als Künstler ab und zu als Veranstalter auftreten muas. Weil wenn i iatz sog, i spui mit anderen Liedermacherkollegen irgendwo… Ich wollte amoi scho in Deggendorf so etwas machen, im Schloss Egg, i bin ja scho imma am überlegen, ob i des ned amoi macha soid, mit zwoa, oder drei andare Liedermacher. Do miasad i a ois Veranstalter selber auftreten. Es is hoid de Frage, soi ma sowas macha. Es bereichert de eigene Vielfalt dann scho wieder, von dem, wos ma so an Spektrum bringt, dass ma ned nur in irgendwelche Kneipen spuid, sondern das ma sowas eben amoi macht und das ma de Erfahrung gewinnt. Deswegen bin schon an solche Gigs a interessiert. Des is a da Grund, dass mei Liedermacherkollege, der Roman Hofbauer, dieses Festival macht, weil er a amoi seng mecht, wia’s is, wenn ma selber amoi a Festival veranstaltet und de ganzen Künstler einladen kann. Des is für den iatz a a ganz neue Erfahrung.

HAMCHA: Das lässt mich an das Paradiesvogelfest des Prinz Chaos II. denken, der auf seinem Schloss in Weitersroda alljährlich ein Liedermachertreffen veranstaltet.

Vogelmayer: Das ma sogt, okay, i mach iatz a bissl mehr als nur hinzufahrn, zu spuin und wieder hoam z’fahrn.

HAMCHA: Die Liedermacher, die in Weitersroda beim Paradiesvogelfest waren, haben nicht darauf geachtet, wie lange sie dort vor Ort bleiben und wie viele Stücke sie spielen. Die haben einfach aus Spaß an der Freud mitgemacht, weil sie Lust dazu hatten. In den Nächten gibt es dann Jam-Sessions, die haben einfach nicht aufgehört Musik zu machen. Da entsteht natürlich auch für das Publikum eine ganz tolle Stimmung.  Gut, so etwas sollte man auch einmal haben, auch wenn dabei nichts verdient wird.

Vogelmayer: Naja klar, freilich, des is es ja …

HAMCHA: … es bleibt zu hoffen, dass solche Events so eine Anziehungskraft entwickeln, dass irgendwann wirklich tausende von Leuten kommen. Aber da wird der organisatorische Aufwand schon erheblich und man muss die Einnahmen auf sehr viel mehr Künstler umlegen. Wirtschaftlich gesehen bringt das unmittelbar sicherlich nicht so viel. Man hat hohe Kosten, man muss die Veranstaltung versichern, man muss einen Ordnungsdienst engagieren, etc. etc. – So eine Veranstaltung dient halt hauptsächlich der Ehre und dem Bekanntheitsgrad.

Vogelmayer: Deswegen sog i ja, wenn ma davon leben wui, is des ja rechnerisch kaum zu machen. I hob me ja scho mit Leid unterhoiten, die des machan, die sagen: I hob koa Auto ned, i fahr ned in Urlaub, i leb nur vegetarisch, geh sowieso ned zum essen, weil i mi dahoam a Brod mach, i brauch nix, mir is des ois wurscht, i hob a oide Hosen, die ziag i zehn Jahr an, des is mir egal und i kauf ma mei Hemad oder mei Jackn aufm Flohmarkt. Sechane Typen hob i a scho droffa, aber des bin i hoid einfach ned, an gewissen Konsum und an gewissen Luxus brauch i scho! Und i brauch a a Auto. Des ghört für mi einfach dazua, um am Leben teilzunehma. I kon a ned sogn: Okay, i hör iatz zum Orbatn auf, damit i mi der Kunst hingeben kon, weil i hoid a de Befürchtung hob, dass wenn i iatzad des macha dad, dass eventuell genau des passiert, was vielen Künstlerkollegen passiert ist. Auf oamoi sogt ma, i bin iatz da Künstler, sitz nur no dahoam und spui. Dass ma dann auf oamoi de Kreativität ausgeht, weil i nur no Kunst mach, hob i a scho erlebt vo Leid, die nix gscheids mehr zambringan, weils grod no des machan. Und dadurch, dass i mein Ausgleich hob, dass i in Arbeit geh, dass i a amoi an stressigen Tag hob, dass i amoi des macha muas oder des macha muas, hob i aber a wieda de Energie, amoi a neies Liad zu schreiben, amoi wieder a Idee zu haben. Die Ideen keman ja ned immer daher. I hob me mit oam unterhoiden, der zwoa Jahr auf Tournee war. Der hod gsogt, eam is go nix mehr eigfoin. Weilst du ja vollkommen weg bist, aus dem normala Leben. Du bist ja nur no den ganzen Tog unterwegs und dann auf d’Nacht auf einer Bühne. Aber des, was du erlebst, wenn s’du daraus deine Liada ziagst, mit dem kennan se de Leid im Publikum überhaupt nimma identifizieren, weil des san ja ganz normale Menschen, de no in d’Arbeit gengan. I glaub der hod des ziemlich guad droffa.

Wenn man no in d’Arbeit geht und a ganz normales Leben führt, dann kimmt ma mit seinen Texten dem nahe, womit se des ganz normale Publikum identifizieren kann. So lang des ned so guad lauft, dass i wirklich guad davo lebn kon und dass des a wirklich oisse flutscht, 1 A, werd i immer nebenbei no was arbeiten. Des muas ja ned grod der Beruf sei, den i jetzt ausüb, des kon ja irgendwann amoi a wos anders sei. I mog scho a a gewisse Beschäftigung ham und a a gewisse Herausforderung im Leben. So in etwa dad i des amoi sogn.

HAMCHA: Ich kann mir vorstellen, dass die Lebensumstände, die Du Dir geschaffen hast, Deine Kreativität sehr beflügeln.

Vogelmayer: Ja, des macht ja irre vui Spaß…

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Vogelmayer zeigt die Faust

HAMCHA: Wobei Deine Liedermacherei sehr viel mehr zu sein scheint, als ein Hobby. Eigentlich scheint es Gegenstand Deines ganzen Sehnens und Trachtens zu sein…

Vogelmayer: … es is halt ein Fulltime Hobby, wia a zwoata Job, es is wia a Kind. I bin dreißg Jahr aber i hob koa Kinda ned, oiso noch ned oder vielleicht go nia, keine Ahnung, i hob zumindest koa. Es is einfach wia mei Kind. Es is einfach des, worum i me voll kümmad. Des is des, wos me interessiert, des is des wos i wui, des is des wos i durchziag, für des i arbeit und da wo me einfach jeder Erfolg gfreid, wenn’s wieder a Stückl voro geaht oder wenn sich wieder irgendwas rührt oder wenn was passiert. Des is einfach toll und des erfüllt mi a. Das ist genau mein Ding!

HAMCHA: Du machst es mit einer großen Ernsthaftigkeit, vielleicht sogar einer größeren Ernsthaftigkeit, als Deinen Job. Deinem Job gehst Du ja im Prinzip nach, um das Geld für die Liedermacherei zu verdienen …

Vogelmayer: Ja, des derfst koam sogn, aber es is genau so, wia s’Du gsogt host.

HAMCHA: Okay.

Vogelmayer: Die Liedermacherei ist des Ollerwichtigste. Dann kimmd eigentlich erst da Job, des is klar. Des woas aber mei Chef scho a, irgendwo, weil des … I muas dem natürlich a vermitteln, wenn i sog: Chef, in zwoa Wochan brauch i am Donnerstag ab zwoa Nachmittag frei und am Montag kon i dann erst, wos woas i, Mittag kemma, weil i am Sonntag a no spui. Des muas hoid dann flexibel gnua geh, do schaud a zwar a oft dann bled, aber des lasst se bis jetzt no immer durchführen.

HAMCHA: Super, dass Du so einen Chef hast, der das mitmacht.

Vogelmayer: Naja, scho, scho. Naja, er muas es ja ned macha. I hob earm ja scho gsogt, wenn ma des ned macha kennan, muas i aufhörn! Es ist ja so. I bau hoid irgendwann a paar Überstunden auf und die feiere i dann aso wieder ob. Meine Kollegen, do hoasts dann, jetzt miasts de Überstunden obbaun, do und do und i genieße hoid des Privileg, dass i sog i muas dann obfeiern, wenn i an Auftritt hob.

[Lachen]

HAMCHA: Da könnten die Kollegen schon ein bisschen neidisch werden, oder nicht?

Vogelmayer: Ja, ja; des scho, aber na, da is ma eigentlich ned neidisch. I woas ned.

HAMCHA: Finden Deine Kollegen es gut, was Du da machst?

Vogelmayer: Die finden des guad. Ja de frogn a immer wieder noch und san a eigentlich ganz begeistert. …

HAMCHA: … und kaufen Deine CDs?

Vogelmayer: Ja, ja, scho a. Des is eigentlich so, dass jeder vo meine Arbeitskollegen scho amoi auf am Auftritt von mir war. Die meisten habn dann a a CD kauft. [lacht]

HAMCHA: Des is doch guad! – Thomas, soiln ma moi Schluss macha?

Vogelmayer: Mach ma des.


HAMCHA: Ja, machen wir mal Schluss, morgen Früh muss ich wieder raus.

Vogelmayer: Wann muast’n aufsteh?

HAMCHA: Ich habe morgen vormittag keinen Termin, aber ich muss schreiben. Meine Lebensgefährtin schläft jetzt schon eine ganze Weile, nach der Fußmassage, die sie vorhin bekommen hat.

[Lachen]

Thomas, vielen Dank für das Gespräch.

Vogelmayer: I sog a Danke!

HAMCHA: Hod Spaß gmacht, Servus!

Vogelmayer: Hod ma a gfoin, Servus!

(Zur Übersicht)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

Heinz Michael Vilsmeier
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