CSU

Thomas Müller: Wenn es so wäre, würde das zur Rubrik „erbärmlich“ gehören.

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Thomas Müller, schwarzer Grüner und Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein

HAMCHA: Was halten Sie von den Korruptionsvorwürfen gegen den ehemaligen Landrat Wölfl?

Thomas Müller: Da ist es so, Herr Vilsmeier, da bin ich auch ein bisschen kritisiert worden, vom CSU-Lager, weil ich ganz klar gesagt habe, ohne wenn und aber: Das muss von neutraler Stelle überprüft werden. Ohne wenn und aber! Nicht intern, sondern extern, mit allem was dazu gehört. Auch zum Selbstschutz der Mitarbeiter in der Verwaltung. Aber auch, um vielleicht ein bisschen die Person Heinz Wölfl zu rehabilitieren oder eben, einfach schlicht und ergreifend, die Wahrheit zu ergründen. Aber das was ich jetzt lese und beobachte und höre, interpretiere ich so, dass genau das nicht der Fall war. Sondern er war genau an der Grenze. Er hat gewusst, jetzt habe ich schon so viel Geld angenommen, dass mich irgendjemand, wer auch immer, unter Druck setzen kann und mich abserviert.

HAMCHA: Meinen Sie, dass er Leistungen für das Geld, das er angenommen hat, in seiner Amtszeit als Landrat erbracht hat?

Thomas Müller: Nein. Nachdem was ich gelesen habe, nein. Und man muss jetzt dazu sagen…

HAMCHA: …das ist jetzt eine Formulierung, die unverfänglich ist.

Thomas Müller: Ich würde so sagen, Herr Vilsmeier. Ich glaube, dass nach heutigem Erkenntnisstand oder nach dem was ich lese, endgültig weiß man es noch nicht, es diesen Fall nicht gegeben hat.

HAMCHA: Ich war kürzlich im Landratsamt in Regen und habe ein Interview mit Herrn Adam gemacht. Er sagte, es werde ermittelt, die Staatsanwaltschaft Deggendorf ermittelt ja. Er wisse ja um welche Personen es gehe, weil ihm bekannt sei, welche Akten beschlagnahmt wurden, abgesehen von den Unterlagen, die geschreddert worden seien, noch bevor er das Amt antrat. Es wird auch von einem Bauunternehmer gesprochen, der wohl in die Korruption involviert war. Man sagt, es sei um erhebliche Beträge gegangen.

Thomas Müller: Aha, mhm.

HAMCHA: Sagt einem nicht der gesunde Menschenverstand, dass solche Beträge nicht als Freundschaftsdienst fließen.

Thomas Müller: Ja. Ja, ich würde sagen… Also, wie gesagt, vielleicht ist es so. Das kann ich nicht… Aber ehrlich gesagt, wenn es so wäre, dann müssten große Beträge auch zu eindeutigen Erkenntnissen führen, dass man sofort sagt: „Liegt auf der Hand, da haben wir es!“ – Genau das kann ich bis heute nicht erkennen. Und jetzt sage ich Ihnen noch etwas, Herr Vilsmeier. Das ist mein Amtszimmer – das da! Wenn ich aufhöre, räume ich das alles aus. Da ist nichts. Da sind

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Thomas Müller: Das ist mein Amtszimmer

meine Visionen drin, da sind Kopien von verschiedenen Dingen drin. Aber da ist kein einziger Akt drin, der in die Verwaltung gehört. Das wird so hoch gekocht. Das ist doch bei jedem Menschen so… Es ist eigentlich ein sehr, sehr trauriges Ritual, was er da gemacht hat…

HAMCHA: … wer?

Thomas Müller: Der Landrat Wölfl. Ein Ritual, das einen total traurig machen kann.

HAMCHA: Welches Ritual?

Thomas Müller: Das Ausräumen und das Schreddern seiner Unterlagen war das langsame Abschließen seines Lebens.

HAMCHA: Oder es war das Verwischen von Spuren.

Thomas Müller: Glaube ich nicht. Das glaube ich nicht! – So schaut das Zimmer aus. Der Mann, da sind wir uns ähnlich, nebenbei gesagt, war ein Stapelmensch. Er hat immer das Gleiche getan: Karierter Block, Kugelschreiber, Idee und dann hat er geschrieben. – Beträge, Zahlen, er war ein Zahlenmensch. Ja und dann war’s erledigt und dann war das der Vorgang [reißt ein soeben beschriebenes Blatt Papier aus einem Block und legt es auf einen Papierstapel] Und da geht es wieder los. Wenn der Akten… – Kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, wenn es mein Amtszimmer wäre: Jawohl, das räume ich aus. Ich würde alles mitnehmen. Weil das ist alles mein Stil und das, was ich gemacht habe. Wenn er Akten besorgt hätte, sich hätte geben lassen, die tatsächlich Akten sind, aus der Verwaltung heraus und wenn die geschreddert worden wären, wenn das bewiesen ist, nachgewiesen ist, dann würde ich auch sagen: Jawohl, da wollte er etwas verwischen. Aber selbst das habe ich bis heute nicht gehört, im Gegenteil, es wird… Da habe ich keinen Einblick dazu. Aber ich habe gehört, dass er kein Aktenführender war. Ein Landrat ist keine Akten führende Abteilung. Die Akten, die verwahrt werden müssen, sind da. Aber wenn eine abgehen würde, dann ist das berechtigt.

HAMCHA: Es gibt eine Organisation namens Transparency International, die ein Problem thematisiert, dessen Ausmaß in unserer Gesellschaft noch immer unterschätzt wird. Unser demokratisches System kann nur funktionieren, wenn die Regeln des Rechtssystems eingehalten werden. Es gibt jetzt Anhaltspunkte, dass wir hier im Bayerischen Wald Strukturen vorfinden, die die Regeln des Rechtssystems aushebeln.

Thomas Müller: Das Problem haben wir nicht nur im Bayerischen Wald, sondern in ganz Deutschland. Das haben wir in ganz Europa und auf der ganzen Welt. Sie haben Recht, es geht im Kleinen los. Wenn ich eine Gemeinderatssitzung habe, dann kann ich in allen Bereichen und in allem, was ich bis heute entschieden habe und was ich noch entscheiden oder mitentscheiden werde, immer meine freie Meinung äußern. Manchmal ist es vielleicht nicht beliebt, manchmal schon. Ich bin frei. Ein Politiker, ein guter, eich echter Politiker muss in seinem Handeln frei sein. Es ist die Bankrotterklärung eines Politikers, er macht damit seine Ideale kaputt, die er vielleicht irgendwann mal gehabt hat…

HAMCHA: …er macht damit auch die Werte in der Gesellschaft kaputt!

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Ein Spaziergang durch Bayerisch Eisenstein

Thomas Müller: Komplett! Es ist eine ganz klare Bankrotterklärung eines Politikers, wenn er das tut. Deshalb muss man immer gut in sich hineinhören, ob das was man annimmt okay ist. Immer! Es gibt nämlich Freundschaftsdienste oder was auch immer, eigentlich alles, was im normalen Leben bei jedem Menschen normal ist, darf auch der Politiker. Alles darüber hinaus…

HAMCHA: In dem Moment, in dem an einen Mandatsträger Geld fließt, geht es doch nicht mehr um Freundschaftsdienste sondern um den Kauf von Gegenleistungen.

 

 

 

Thomas Müller: Das kommt darauf an. Wenn Geld fließt, mit einer ganz klaren Bedingung, dann ist es definitiv so, dass es untragbar ist. Wenn Geld fließt, das quasi … jetzt sagen wir mal so … das ist jetzt die Frage. Da bin ich vielleicht auch ein bisschen entspannter. – Also, ich hab Freunde und bin bei denen bei der Grillfeier eingeladen, nebenbei gesagt, achte ich immer darauf, dass ich mehr bringe, als was ich dann bei der Grillfeier esse und trinke. Ich gehöre zu der Sorte von Mensch, der immer mehr mitbringt, als ich brauche. Ich mag kein Schmarotzer sein. Und meines ist alles auf der normalen bürgerlichen Ebene. Ich habe keine riesigen Millionärsfreunde. Je weiter man in der Politik rauf kommt, umso mehr kann es Freunde geben, die mehr haben… Herrschaft, der Dirk Nowitzki heiratet in Kenia. Und jetzt hat er einen Freund, der ist Landtagsabgeordneter von XY. Dann sagt der Nowitzki: „Komm auf meine Hochzeit!“ und lädt auch noch seinen Basketball-Freund von der Jugendzeit ein. Und er sagt zu ihm: „Ich weiß, Du bist Handwerker, Du hast nur 2000 Euro, ich will, dass Du, mein Freund, dabei bist. Dir zahl ich es…“

HAMCHA: Das ist kein Mandatsträger und kein Amtsträger.

Thomas Müller: Ja! – Aber was ist da der Unterschied? – Sagen wir mal so, es ist eine Grauzone. Da kann wahrscheinlich nur das eigene Gewissen eine Antwort liefern. Wenn es so ist wie Sie glauben, Bankrotterklärung, ohne wenn und aber. Wenn es aber aus Freundschaft ist und weil es eine Ebene ist, die man sich definitiv nicht leisten kann, aber so eine Freundschaft pflegt, dann sage ich, da hab ich überhaupt kein Problem damit. Aber wenn es in Kombination geschieht… und beim Wulff, da deutet alles darauf hin. Das Traurigste war jetzt auch noch von dieser jüdischen Preisverleihung, wo er 10.000 Euro, die ja üblicherweise für irgendwelche gemeinnützigen Sachen hergenommen werden, selbst eingesackt hat. – Also da gibt es keine Entschuldigung, keine Debatte. Das ist eine Bankrotterklärung hoch 24.

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Michael Adam, Landrat des Landkreises Regen und ehemaliger Bürgermeister von Bodenmais

HAMCHA: Möglicherweise ist in der Causa Wulff die Spitze eines Eisbergs sichtbar geworden. Es wird gesagt, es sei Sache der Justiz, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Aber ist es nicht auch Sache der Politik, hier für Aufklärung zu sorgen. Als der neue Landrat sein Amt angetreten hat, hat er angekündigt, er werde mehrere öffentliche Veranstaltungen machen, in denen diese Dinge öffentlich diskutiert werden. Bis dato ist noch nichts passiert. – Sie sind auch Politiker in diesem Land. Herr Wölfl hatte zumindest die Dienstaufsicht über Sie geführt. Steht für Sie nicht auf der Agenda zu sagen, ich muss hier im Landkreis für klare Verhältnisse sorgen.

Thomas Müller: Wissen Sie Herr Vilsmeier, das steht zwar auf der Agenda aber aus meiner Sicht wird das alles immer wieder viel zu dramatisch hoch gekocht. – Ich kann eigentlich nur meine persönliche Sicht der Dinge sagen: Erstens, keine Frage, es muss aufgeklärt werden und man muss sich der Wahrheit so weit wie möglich annähern. Ich persönlich glaube sogar, dass beispielsweise einer dieser großen Geldgeber den Landrat in letzter Konsequenz in den Tod getrieben hat. Deshalb muss man auch das aufdecken, weil sich da andere auch eine Schuld aufgeladen haben. – Vielleicht nur moralisch, ethisch. Man muss auch dazu sagen, Herr Vilsmeier: Es hat Menschen gegeben, dazu gehöre ich auch, die gewusst haben, dass er ein Spieler ist. Und als es für mich klar war, habe ich jemanden informiert, der ihm auch sehr nahe steht und habe gesagt: Ich bin da ein kleines Licht, das war noch zu einer Zeit, wo man es nicht geahnt hätte… Ich habe es jemandem gesagt, der einen sehr nahen Zugang zu ihm hat und auch zu seiner Frau. Es hätte ja auch entstehen können, so nach dem Motto, da will jetzt der kleine Bürgermeister den Landrat schlecht machen. Das wollte ich nicht. Ich wollte eigentlich, dass man ihm hilft und ich habe das dann weitergegeben. Das ist, glaube ich, auch das Thema, dass seine Familie, seine Frau von niemandem darüber informiert worden ist, dass der Mann krank ist. Das ist jetzt noch einmal etwas Tragischeres. – Ich sehe es ja in Tschechien drüben, bzw. in all diesen Oststaaten – das ist eine Katastrophe! Da ist man Ministerpräsident, ja der Präsident selber, und schiebt irgendwo einen Stift, einen Montblancstift ein. Da drüben ist man Ministerpräsident, da ist man Minister, da ist man Staatssekretär, zwei Jahre und dann hat man wieder die Geldtasche verräumt und man hat das ganze Leben ausgesorgt. Das ist korrupt und das schnelle Geld und keine Ideale, was weiß ich, man will nur Wohlstand haben.

HAMCHA: Damit solche Verhältnisse in Deutschland nicht Selbstverständlichkei werden, vielleicht sind sie ja schon Standard, muss die Politik aktiv werden.

Thomas Müller: Ja, aber – ich sage Ihnen eines, Herr Vilsmeier. Das ist fast…, das ist fast… – fast katholisch, muss man sagen. Man muss eigentlich sagen, das ist katholisch. – Keine Frage, das ist das Ideal. Und ich habe überhaupt kein Problem damit, mit Transparenz. Ich frage mich allerdings, in der Praxis, wie weit kann und darf Transparenz gehen. Als da gibt es Grenzen. Ich sage jetzt mal so, Persönlichkeitsrechte – und ich weiß nicht was. Aber da geht es schon los, wo zieht man die Grenze und was schiebt man da rein. Aber ich habe kein Problem mit der Transparenz, im Gegenteil. Transparenz, transparentes Rathaus und Transparenz über die Vorkommnisse, über mein Gehalt… kein Problem!


HAMCHA: Vor ca. 20 Jahren wurden in Italien zwei Ermittlungsrichter durch Bombenanschläge der Mafia aus dem Weg geräumt, ermordet. Heute hat der jetzige Regierungschef Italiens an diese Anschläge erinnert. Das ist eine Entwicklung, die wir in Deutschland so nicht wollen. Wir wollen nicht, dass so etwas passieren kann.

Thomas Müller: Haben wir ja nicht.

HAMCHA: Glauben Sie nicht, dass die Mafiaorganisationen aus Russland, aus Italien etc. in Deutschland aktiv sind? Glauben Sie nicht, dass es auch deutsche Mafiastrukturen gibt?

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Železná Ruda-Alžbětín

Thomas Müller: Gibt es. Aber in der Politik, das mag jetzt vielleicht naiv sein, ich glaube es nicht. Ich glaube daran… man muss immer alles so sehen, das ist wie bei allem: selten gibt es Dinge, die zu 100% erfüllt sind. Selbst Gold ist zu einem bestimmten Prozentsatz verunreinigt. Ich würde es mir von ganzem Herzen wünschen, dass es in der Politik auch 100% Ehrlichkeit gibt und es eben diese Anfälligkeit nicht gibt. Aber die Realität ist eine andere, auf der ganzen Welt, auch in Deutschland. Ich bleibe dabei, dass unser Prozentsatz, der vorhanden ist und der sehr traurig ist, immer noch bei einem Prozentsatz liegt, der dem Staat und all dem was dazu gehört, nicht schaden kann.

HAMCHA: Besteht nicht die Gefahr, dass durch diesen Vertrauensvorschuss, durch diese Gutgläubigkeit in sachgerechte Entscheidungen von Kommunalpolitikern und von Landkreispolitikern diese Gefahr verkannt wird und die Entwicklungen nicht wahrgenommen werden?

Thomas Müller:

HAMCHA: Haben Sie in der Zeit, in der Sie bisher politisch aktiv waren und in der Sie Ämter ausgefüllt haben, beispielsweise im Landkreis Regen Entscheidungen beobachten können, die für Sie sachlich nicht nachvollziehbar waren?

Thomas Müller: Nein. – Man kriegt…, man hat das mit dieser Mühle, der Böbrach Mühle… das hat man in der Zeitung gelesen, da hat man sich gewundert, warum geht das nicht? Oder diese Schenke, die dann leider Gottes eh nichts geworden ist, weil die Frau krebskrank geworden ist… Das hat man verfolgt aber das sind Einzelfälle, wo man gedacht hat, mein Gott, vielleicht Kleinlichkeit oder sonstiges. Das sind aber auch Dinge, von denen selbst der Landrat jetzt sagt: Sie waren okay, die waren sachlich richtig entschieden.

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Konrad Müller steht nach 6 Jahren laufender Antragsverfahren mit lehren Händen im Hof der Böbrach Mühle

HAMCHA: Der Herr Müller hat, nachdem er zum ersten Mal einen Bauantrag für den Bau eines Kraftwerkes gestellt hatte, um aus den Einnahmen die Kosten für den Erhalt der Mühle zu finanzieren, jetzt einen Stand erreicht, den er vor sechs Jahren auch schon hatte. Es hat ihn aber tausende von Euros gekostet.

Thomas Müller: Wissen Sie Herr Vilsmeier, das ist alles… ach. – Ich kenne den Herrn Müller nicht. Aber mein Gefühl sagt mir, es liegt auch an ihm, schon als Mensch. Das ist, wenn man, das ist auch wieder so ein Thema, bestimmte Spitzen anschaut und die dann interviewt, warum es nicht geht, dann sagen Sie: Ja, jetzt hab ich ihn kennengelernt, da geht es nicht nur um das, da geht es um etwas anderes auch.

HAMCHA: Hat nicht der Bürger ein Recht darauf, dass seine Anliegen in einer bestimmten Zeit behandelt werden und er dann weiß, wie er rechtlich gestellt ist?

Thomas Müller: [lacht] Ja, der Normalbürger ja. Nur wissen Sie was, das ist auch wieder so ein Thema, Herr Vilsmeier. – Ich könnte es jetzt derb ausdrücken aber… wie drückt man das aus? Jeder Bürger hat das Recht. Aber es gibt Bürger, die wollen das Recht dann ausbeuten. Ganz klar, da habe ich, da gibt’s, und das ist das Entscheidende: Man muss frei entscheiden können und man muss immer im Blick haben, oder im Gefühl haben, wie weit ist das im Sinne aller Bürger vertretbar? Und das ist immer eine Gratwanderung und da wird niemand 100 Prozent erreichen. Aber es muss immer so sein, dass man sagt aus mir heraus, aus freien Stücken, aus einer intensiven Diskussion, ich weiß nicht aus was, komme ich zu der Entscheidung. Und das ist dann das Schlimme, dass man dann durch so etwas so was unterstellt. – Zurecht! Ja, kann sein, kann sein. Aber mein Gefühl sagt mir: Ich hab den Mann einmal kennengelernt – liegt vielleicht auch an dem Jeweiligen selbst. Und wenn man sich die Problemfälle anschaut, da ist es nämlich auch so, dass man sagt: „Ja, dann tauchen wir einmal hinein, bis zur Wurzel.“ Dann werden selbst Sie sagen, objektiv: „Na ja, das ist mir klar, dass geht gar nicht anders.“ – Manchmal kann man sagen: „Oh, das kommt mir komisch vor.“ Aber ich hab das Gefühl, ich persönlich kann nichts anderes sagen, man muss abwarten, was die Staatsanwaltschaft raus bringt. Ich wünsche es mir von ganzem Herzen, dass im Grunde alle Fälle ihren richtigen Gang gegangen sind. Aber wenn es solche Fälle gibt, wäre es sehr traurig, selbst wenn es nur einer wäre. Aber ich muss wieder sagen, das mit den Bildern usw., zu teuer eingekauft, das ist für mich alles Pippifax. Kunst ist unterschiedlich bewertet und wer ihn kennt hat gewusst, dass er ein Gefühl für Kunst gehabt hat. Er hat auch da ein offenes Ohr gehabt und gerade im Kunstbereich hat er im Landkreis Regen viel, viel geschaffen, viel, viel realisiert. Da lässt sich in so vielen Dingen sagen: „Der Brunnen, ist der das wert?“ Das ist momentan das einzige Thema für mich, das mit den Kunstwerken. Das ist das Einzige, wo ich jetzt als Zeitungsleser mitbekommen habe, da scheint es irgendetwas… – Aber im minimalen Bereich. Wenn es echt so wäre, aber das werden wir nicht mehr ergründen können, dass man sich da um 1000 oder 2000 Euro bereichert hat, würde das zur Rubrik „erbärmlich“ gehören.

HAMCHA: Wie ist Ihr Verhältnis zu Landrat Michael Adam, dem Nachfolger von Herrn Wölfl?

Thomas Müller: Ich würde sagen: ein gutes. Genau so gut, wie mit dem Vorgänger. Der Kontakt vielleicht… lockerer, schneller. – Aber wie gesagt, er muss noch hineinfinden und ich kann noch nicht erkennen, wo seine Richtung hinführt, wo er auch schon Schwerpunkte setzt, wo er vielleicht auch eine Vision umsetzt, wo er etwas unterstützt. Also ich kann noch nicht erkennen, wie er den Landkreis Regen denkt. Wie gesagt, ich muss es immer wieder sagen: Der Landrat Wölfl hat den Landkreis Regen gedacht und er hat gewusst, wo er hin muss.

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Thomas Müller: “Er [Landrat Michael Adam, d. Red.] muss noch hineinfinden…”
HAMCHA: Wenn man Landrat Adam fragt, was seine Schwerpunkte sind, dann sagt er: Infrastrukturausbau, Straßenbau, er spricht von einem Vergnügungspark im Landkreis, um Fremdenverkehr in die Region zu ziehen. Das sind alles Dinge, die recht konkret sind. Wenn ich Sie höre, dann sind das ja genau die Punkte, von denen Sie eine ganz andere Vorstellung haben.

Thomas Müller: Da nehmen wir jetzt einen SPD-Bleistift [erhebt sich und holt einen Bleistift] – So! Der Vergnügungspark steht irgendwo in XY. Dann haben wir 30 Kilometer, dann haben wir 100 Kilometer und dann haben wir 200 Kilometer. Wo sind die Bürger, wo sind die Menschen die da wohnen, die so einen Vergnügungspark aufsuchen? Wir haben in Loifling so was, wir haben da hinten, da bei Dingolfing so einen Bayernpark, die einen riesen Werbeaufwand betreiben, ich kenne die zweite Ebene davon, wo kommen da die Leute her? Wir haben dreieinhalb Millionen Übernachtungen, ja das stimmt. Das sind eine Million Urlaubsgäste, da liege ich aber schon… sind es ja nicht einmal. Ich persönlich glaube an so etwas nicht! Und wenn er kommt… Das ist eben Politik, so was zu fordern, so was zu glauben, aber die Wirtschaft, die Fachleute werden sagen: Die Region ist von der Einwohnerzahl her zu schwach. Ein Vergnügungspark wird sich nicht halten durch die Urlaubsgäste die da sind, sondern von den Ballungszentren, die in der Region liegen. Sämtliche Projekte, ob es Bäder sind, ob es Wellnessbäder sind usw., leben nicht vom Urlaubsgast, der kommt nur dazu. Sondern sie leben von den Speckgürteln der Ballungszentren, die irgendwo umliegend sind. Das Erfolgsprojekt Nummer eins, Therme Erding – ja, ja, jetzt bauen sie Hotels hin. Jetzt kommt der Urlaubsgast, jetzt kommt der Tourismus. Aber der Anfang war der Speckgürtel – München, Landshut! Das war ein Magnet, das war nur grandios. Und wenn man überlegt, ich muss dazu sagen, ich habe einen Zweitwohnsitz in Erding, ich weiß noch genau, wie auf der Wiese so ein Teil dort war. Man hat ja nach Öl gebohrt und ist auf warmes Wasser gestoßen und dann ist das Teil rostig da drin gestanden. Und irgendwann hat jemand gesagt: Da bauen wir eine Therme hin, nachdem er gecheckt hat: „Leck mich am Arsch, ich habe da 1,3 Millionen Münchner plus Speckgürtel und ich hab da Landshut mit drum herum vielleicht noch einmal 200.000.“ – Ja… das war genau goldrichtig. Aber bei uns? Was ist denn auf der tschechischen Seite? Der Böhmerwald, da ist Sušice, da ist Klattau. Da muss ich ja ewig weit fahren, bis ich einmal Hunderttausende hab. Also darum wäre Vergnügungspark niemals meine Richtung…

HAMCHA: Was ist Ihre Richtung für Bayerisch Eisenstein, für den Landkreis Regen?


Thomas Müller: Also für den Landkreis Regen ist meine Richtung die, keine Frage, Tourismus, nachhaltiger, echter Tourismus, Stärkung der Hotellerie, der Hotel- und Gastronomiebetriebe, trotz aller Niederlagen: Qualifizierungsoffensive noch und noch. Mittelständische Betriebe stützen. – Erster Baustein, das geht aber schon rüber in den zweiten! Tourismus, mittelständische Betriebe stärken, schützen, überhaupt fördern. Ich glaube nicht daran, dass irgendein Großbetrieb sich im Bayerischen Wald ansiedelt. Das ist für mich ein reines Märchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass BMW oder Audi oder sonstiges auf den Gedanken kommen könnte, bei uns, trotz Topp-Infrastruktur, etwas zu machen. Im Gegenteil! Das kapiere ich eigentlich nie, warum man immer nach draußen schaut. – Von draußen kommt jemand? – Ich sehe es ganz anders! Von drinnen nach draußen! Überlegen, was haben wir? – Jawohl,

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Thomas Müller: Von drinnen nach draußen! Überlegen, was haben wir?

Tourismus mit allen Schattierungen stärken! Wir haben einen guten Mittelstand, der eben nach München fährt und dort die Treppe einbaut, weil bei uns die Lohnkosten günstig sind. Wenn man dann die Studie der IHK liest: Wir haben mit die höchste Lebensqualität im Bayerischen Wald! Finden alle super! – Ja warum? Weil wir die Natur, weil wir das tolle Drumherum haben. Und dann würden wir mit so etwas… – das beeinträchtigt alles die Lebensqualität!

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

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