Studiengebühren: „Unsere Studenten sind jetzt einfach besser dran.“

Dr. Thomas Goppel: “Unsere Studenten sind jetzt einfach besser dran.“

© HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 2012
Dr. Thomas Goppel (MdL)

HAMCHA: Thema Bildungspolitik. – Sie kamen gerade aus dem bildungspolitischen Ausschuss …

GOPPEL: … hochschulpolitischen Ausschuss!

HAMCHA: … hochschulpolitischen Ausschuss. Wie wird es da weiter gehen? Sie sind ja für ihre Position zur Einführung der Studiengebühren sehr heftig kritisiert, auch beschimpft worden …?

GOPPEL: Das war logisch. – Wer anderen Leuten heute in die Tasche greift, tut das nicht ungestraft! Das ist klar und gilt für jeden von uns. Und ich habe so agiert, ganz bewusst, aus drei Gründen. Erstens: Wenn Handwerksmeister für ihren Meisterbrief 10000 Euro hinlegen müssen (das ist der doppelte Betrag einer Studiengebühr von 5000 Euro bei 10 Semestern, á 500 Euro)… Wenn Handwerksmeister das in einem Jahr aufbringen müssen und kein Mensch auf die Idee kommt, ihnen das Geld zu ersetzen, bzw. zu belassen, wird das für die 5 Jahre länger Beschulten in der Gesellschaft ganz sicherlich ganz genau so, wenn auch in der abgespeckten Form, erwartet werden dürfen, auch, weil es heutzutage so viele sind, rund 40 % eines Jahrganges. Zweitens: Jemand, der nichts bezahlt für seinen Leistungsempfang, kümmert sich auch nicht um die Organisation und die Vorgaben wenigstens seines Studienplatzes, nimmt alles selbstverständlich. Schon heute wissen wir, dass sich die finanzielle Mitverantwortlichkeit der Studierenden vor Ort in Einsatzbereitschaft auszahlt. Die Gebührenzahler sehen nach dem Rechten und ihren Rechten auch, überlassen das nicht den Berufsmeckerern. Sie kümmern sich ganz anders um ihre Sachen. Und noch wichtiger fast: Auch Professoren kümmern sich anders um die Studenten. Ich kann mich gut erinnern, an meine eigene Studienzeit. Da gab es noch Studienbeiträge in der Form von Hörgeld. Wir haben, anteilig, ungefähr so viel bezahlt, wie heute. Die Professoren kamen an und fragten, „Herr Goppel, kommen sie zu mir in die Vorlesung? Ich gebe mir auch Mühe, dass Sie richtig vorankommen. Und wenn sie die 5 Freunde mitbringen, die mit Ihnen studieren, dann sollten wir problemlos eine maßgeschneiderte Übung hinkriegen.“ So war das, und im Ergebnis für alle Beteiligten hilfreich.

HAMCHA: Nur Studiengebühren sind ja anders organisiert…

GOPPEL: Nein, der Vergleich zielte zu kurz. Aber sie sind genau dasselbe wie das Hörgeld. Im Prinzip sind sie der Beitrag des Studierenden zu seiner eigenen Ausstaffierung an der Hochschule. Nur dafür sind die Gelder da! Sie sind nicht mehr, als das Hörgeld für den Professor. Aber es werden Räumlichkeiten geschaffen und Konditionen hergerichtet, die ein besseres Studium möglich machen, kleinere Gruppenräume werden bereitgestellt und eine bessere Personalkonstellation wird vorgehalten. Das alles wird aus den rund 150 Millionen von allen bezahlt. Und in keinem der Länder in unserer Umgebung, die Studienbeiträge wieder gestrichen haben, kommt das Geld über den Haushalt, also von Staatsseite oben drauf. Es fehlt dann einfach. Kurzum. Unsere Studenten sind jetzt einfach besser dran.

Die Gegner reden sich ihre Hochschulen schlechter als sie schon sind

HAMCHA: Die Wirtschaft klagt darüber, dass ein Fachkräftemangel bestehe und dass dieser Fachkräftemangel auch noch zunehmen wird …

GOPPEL:  … aber nicht aufgrund der bayerischen Studiengebühren !

HAMCHA: … na gut. – Also ich meine, wenn ein Student aus einer Hartz IV Empfänger-Familie studieren möchte, dann kann ich mir vorstellen, dass 500 Euro, plus Verwaltungsgebühren, 580 Euro …

GOPPEL: … Verwaltungsgebühren sind längst abgeschafft …

HAMCHA: … also nur noch 500 Euro. – Aber auch 500 Euro sind in diesem Fall eine ganze Menge Geld.

GOPPEL: Das ist schon klar. Die 500 Euro sind aber nicht des Studenten Problem! Er kriegt die 500 Euro sofort, bei einem späteren Kreditzins bei 2 %. Er hat fast endlos lange Anspruch darauf, ihn zurück zu zahlen. Wenn er oder sie nach dem Studium ohne Arbeit und Bezüge bleiben, wird die Schuld gestundet und womöglich auch erlassen. Dort, wo aber Geld verdient wird, sollen die vorherigen Nutznießer gefälligst zurückzahlen! Es ist niemand verpflichtet, auch nur einen Cent fürs Studium bei der Bank zu horrendem Zinssatz aufzunehmen. Nirgends muss ein Student offenbaren, dass er Hartz IV Empfänger ist oder wie sonst benachteiligt. Alles, was da an Schauermärchen existiert, ist nicht wahr! 4 von 10 Studenten sind übrigens zwischenzeitlich grundsätzlich beitragsfrei.

HAMCHA: Okay –

GOPPEL: Die Befreiungstatbestände verdanken wir der Umsicht und Genauigkeit unseres amtierenden Ministerpräsidenten! Wir, Stoiber und ich, gingen noch von nur 20% Befreiung aus. Heute sind 4 von 10 freigestellt! Der Rest zahlt für bessere Studienbedingungen für alle, die auch überall anerkannt werden. Ich weiß gar nicht, was das soll? Im Ergebnis reden sich die Gegner nur ihre Hochschulen schlecht, schlechter als sie heute sind.

HAMCHA: … Kann denn wirklich jede(r) sein/ihr Studium finanzieren?

GOPPEL: Mit den 2 Prozent späterer Zinsgrenze wohl doch!? – Und die werden ja erst fällig, wenn das Studium zu Ende ist. Dann muss zurückgezahlt werden. Noch einmal: Ohne Einkommen keine Rückzahlungspflicht, sondern Stundung der Schuld und im Ernstfall sogar Erlass! Bis jetzt gab es diesen Fall noch gar nicht, der steht erst in rund 10 Jahren an. Aber man darf ja doch jetzt schon darauf aufmerksam machen? Ob das alle so ehrlich und offen tun? – Noch mal auch das: Solange unsere Handwerksmeister und andere in einer Ausbildung, die 5 Jahre bis 7 Jahre kürzer ist, 10.000 Euro hinlegen müssen, für Ihren Ausbildungsabschlussbescheid, sehe ich nicht ein, dass ich für 5 Jahre später ansetzende Studienjahre nicht die 500 Euro im Semester bezahlen soll? (Hochgerechnet die halbe Summe!)

HAMCHA: Ist es nicht eine politische Argumentation?

GOPPEL: Natürlich, zweifellos ist das so. Ich argumentiere überhaupt nur politisch. Wenn ich rechtlich argumentieren würde, …

HAMCHA: … nein, ich meine gerechtigkeitsmäßig…

GOPPEL: … Das ist aber rechtlich. Denn Gerechtigkeit gibt es, weil ein Gesetz da ist. So wird sie definiert und angewandt, ggf. auch gerichtlich überprüft. (Weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier am 13.06.2012 im Bayerischen Landtag

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