Solange man mitten in der Ausbildung ist, hört man zu

Dr. Thomas Goppel: “Solange man in der Ausbildung ist, hört man zu”

HAMCHA: Wie sah ihr Weg in die Politik aus?

© HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 2012
Dr. Thomas Goppel (MdL)

GOPPEL: Sehr geradlinig, aber sehr wohl auf und ab. Geradlinig deshalb, weil ich dank der Informationen, Kenntnisse und Diskussionsbereitschaft, die bei uns zu Hause geherrscht hat, von Anfang an mit der Politik intensiver befasst war, als die Mehrzahl der Akteure in der Politik. Meistens im Zuhören, weil bei uns zu Hause der Grundsatz gegolten hat, solange man mitten in der Ausbildung ist, hört man dem Anderen zu, stellt Fragen. Die Zeit zum Kommentieren kommt erst später. Das hat zu einem anderen Stil beigetragen. Das Zweite war, ich war eigentlich gar nicht entschlossen, in die Politik zu gehen. Ich wollte in die Journalisterei oder in die Theologie. Eine ganze Zeit lang war das die erste Wahl. Immer allerdings ging es um Themen, in denen man mit Meinung und Kommentar eine ganze Menge bewegen kann. Insoweit bin ich auf gerader Strecke gewesen und geblieben. In die Politik bin ich dann gekommen, weil ich den Wahlkampf für Winfried Zehetmeier in München 1972 gemacht habe und weil danach die Stadträte der CSU gesagt haben: „So einer wie Sie könnte eigentlich auch in den Landtag kandidieren.“

HAMCHA: Welche Rolle spielte es, einen Vater wie Alfons Goppel gehabt zu haben, der lange Zeit Ministerpräsident war, politisch eine sehr bestimmende Figur, natürlich in Bayern, war und der aber auch bundespolitisch sehr wirksam war. War das für Sie eher ein Vorteil oder eher auch eine Bürde?

GOPPEL: Ich glaube, die Wegstrecke ist eine anstrengende, liefert von allem etwas. Das kann man so rum wie so rum sehen. Die Söhne von Helmut Kohl sind bei ihren Versuchen in der Politik gescheitert. Die Kinder von Franz-Josef Strauß sind unterschiedlich erfolgreich. Bei uns hat es nur einer von fünf probiert. – Da hat es geklappt. Der Sohn von Edmund Stoiber, der Dominik, ist auch unterwegs in der Politik. Ganz kontinuierlich und ganz im Ernst. Immer habe ich einen guten Teil der Freunde erlebt, der mir unterstellte, „der meint wohl, weil der Alte schon in der Politik ist, muss er auch!“ Gegen die gilt und galt es zu eifern und zu arbeiten. Und es gibt natürlich auch die Minderheit, eine gute, eine qualifizierte, die dagegen hält und ermuntert: „Mhm, das ist ein Talent, das muss man fördern. Wir wollen helfen!“ Insoweit habe ich Beides gespürt; immer wieder, immer wieder neu und anders!

Ein Goppel im Parlament genügt

HAMCHA: Wir hatten vorhin schon kurz darüber gesprochen – ihr Verhältnis zu ihrem Vater war ja nicht immer ganz ungetrübt. Das ist teilweise ja ganz normal, der klassische Vater-Sohn-Konflikt eben. Aber er hat ja auch einen ganz speziellen Verlauf genommen, dann!

GOPPEL: Das Verhältnis zu meinem Vater? Ungetrübt wäre der falsche Ausdruck, das war es fast immer. Es gab Phasen in denen wir gutes Miteinander nicht gepflogen haben. Das liegt ein bisschen in der Mentalität, die ich wohl auch geerbt habe. Bei vorhandenen Konflikten stand nicht unbedingt deren Austragung im Vordergrund. Einer von beiden steckte die Abarbeitung eher zurück bis zu einem Zeitpunkt, zu dem der Konflikt keine Bedeutung mehr hatte. Wir hatten zwei oder drei solche Fälle, in denen das Zurückstellen wichtiger war, oder besser war. In solchen Phasen haben wir dann nicht viel miteinander geredet. Das ist aber kein schlechtes Verhältnis, kein getrübtes, eher zeitweilig keines.

HAMCHA: Dann hat sich das Verhältnis aber verändert und zwar auf ihre Initiative hin.

GOPPEL: Auf meine Initiative hin vielleicht nicht. Ich habe damals – 1974 – in den Landtag kandidiert. Gegen die innere Überzeugung meines Vaters, der gesagt hat: „Ein Goppel im Parlament genügt.“ Kreistag wäre kein Problem gewesen. Mit dem Satz aber: „Du kandidierst in der Oberpfalz, ich in Oberbayern“ habe ich mich durchgesetzt. Und es hat ja geklappt. Vier Jahre später ist der Vater ja schon nicht mehr im Parlament gewesen und Franz-Josef Strauß hat mich ins Kabinett geholt. Das hat meinen Vater sichtlich sehr berührt. Nur scheinbar war er ganz cool mit dieser neuen Gemengelage. Eine ganze Zeit lang hat diese Frage so in ihm gearbeitet, dass er auf jeden Gedankenaustausch mit mir verzichtet hat. Da zum alten Miteinander zu finden, war dringend nötig! Mit Hilfe eines meiner Brüder, wir sind ja zu fünft, gelang das. Er hat den Rat gegeben: „Frag unseren Vater doch, ob ihm gerechtfertigt erscheint, dass da jemand in seiner Position ist, also jetzt in seinem Unternehmen, wenn auch an nachgeordneter Stelle als Staatssekretär arbeitet“? Als ich ihm das direkt gesagt habe, da erfuhr ich ein noch unfreundliches „Ah, geh doch!“, aber von da an nie mehr so etwas! Die Bruderidee war ein Volltreffer.

HAMCHA: Gab es auf Ihrem Weg in die Politik Vorbilder für Sie?

GOPPEL: Den Benannten: Mein Vater war es. Meine Mutter war es dazu, auch wenn sie in der vordersten Front nicht so aufgetreten ist wie das heute eher die Regel ist. Die Art und Weise wie beide mit Menschen in Bayern und ihrer Umgebung umgegangen sind, war der Grund, warum ich überhaupt in die Politik gegangen bin. (Weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier am 13.06.2012 im Bayerischen Landtag

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