Reinhold Alsheimer: ich bin dann ich

HAMCHA: Welche Rolle spielt der Dialekt? Ist der Dialekt nicht ein limitierender Faktor, der Euch sehr stark auf Bayern festnagelt?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Regensburg, Mundartfestival, 09.06.12

Reinhold Alsheimer: Nee, er, er, er … Wir nageln uns nicht auf Bayern fest! Es haben genügend Leute, Jahre vor uns, bewiesen, dass man mit Dialekt sehr wohl sehr weit kommt. Was eher hinderlich ist, ist, dass der Dialekt, der bayerische Dialekt, für viele Leute in Deutschland oder auch im europäischen Ausland und in Übersee, besetzt ist mit einer bestimmten Art von Musik – und die bedienen wir nicht. Das ist eher das Problem. Die Leute kommen und sagen: Yo, bayerischen Blues kenn ich! – Machen wir nicht! La Brass Banda – sind wir ganz anders! Yo, kenn ich, Hubert von Goisern … Das Problem ist nicht der Dialekt, dass der nicht akzeptiert werden würde, oder gehört werden würde! – Wir haben ganz tolle Fans in USA, die verstehen kein Wort! Und sagen wir ganz ehrlich, wenn wir gälisch hören, gefällt uns das auch, aber wir können auch nichts damit anfangen, wir müssen es halt übersetzen lassen! Ja? – Punkt! Lasst es uns halt von irgendjemanden übersetzen, dann passt die Sache! – Passt! – Super! Das eher Hinderliche ist nicht der Dialekt, das Hinderliche ist, dass der Dialekt blockiert worden ist, von verschiedenen Musikrichtungen, die wir nicht bedienen.

HAMCHA: Ich denke gerade an Matthias Brodowy, der sehr intensiv mit Humor arbeitet. Humor ist etwas, was kulturell determiniert wird und an einen kulturellen Kontext gebunden ist, in dem er funktioniert. Humor lässt sich nicht einfach von Niedersachsen nach Bayern übertragen, weil über Witze, die in Hannover funktionieren, in Bayern niemand lacht. Die limitierende Wirkung des kulturelle Kontextes, in den der Humor eingebunden ist, könnte durchaus auch, ich möchte das jetzt mal als These in den Raum stellen, für den Dialekt gelten.

Reinhold Alsheimer: Ich denke aber, es ist sehr viel wichtiger, in einer Sprache zu sprechen, die deine eigene ist, vorhin habe ich es schon einmal gesagt, in der du träumst, in der du liebst, in der du hasst, in der du streitest – weil das von den Leuten gespürt wird. Es wird gespürt, okay, dieses Lied, ich verstehe jetzt gerade nicht jedes einzelne Wort von dem Text... aber es ist so, dass wir mitkriegen, um was es geht und wir spüren sehr viel von diesem Kontext, von diesem Text. Hatten wir auch vorhin schon einmal... 80er Jahre, BAP – kein Mensch bei uns unten hat verstanden, was die singen. Aber es ist der Riesenburner gewesen! Man musste sich erst diese blöden Textblätter organisieren, mit der Übersetzung auf H o c h d e u t s c h, um was es da geht – und jeder hat mitkrakeelt, tausende von Menschen bei den Konzerten! Ich glaube nicht, dass es hindert, einen Dialekt zu haben. Ich glaube, es ist eher hinderlich, den Dialekt nicht zu machen, dafür Standarddeutsch zu singen, aber dieses nicht so ehrlich singen zu können, vom Gefühl her, was in der Stimme liegt.

HAMCHA: Woran arbeitet Ihr momentan?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Pappenheim, TFFA (Mitschnitt durch SWR), 28.05.11

Reinhold Alsheimer: Wir arbeiten momentan an neuen Stücken, wir haben jetzt 'ne längere Zeit damit verbracht, Trixi ist relativ neu bei uns, wir hatten vorher einen anderen Geiger,...

HAMCHA: … wer war das? ...

Reinhold Alsheimer: … das war German Heimrath. Ja, wir hatten einen Wechsel in der Geige, er hat die Geige vorher gespielt und dann beschlossen, dass er andere Wege geht, auch weg von der Musik geht und sich andere Lebensschwerpunkte sucht. Wir hatten das Glück, dass wir relativ schnell mit Trixi jemanden am Start hatten, der technisch mindestens genau so gut war und richtig Lust und Laune hatte. Es ist ja doch durchaus nicht so einfach, was wir machen. Sie hat sich das komplette Programm in drei Monaten draufgeprügelt und jetzt, seit den ersten Konzerten im Frühling diesen Jahres arbeiten wir an neuem Liedmaterial.

HAMCHA: Seid Ihr alle fulltime mit IRXN beschäftigt oder macht Ihr auch noch andere Dinge?

Reinhold Alsheimer: Nee, es ist so, dass wir von IRXN nicht zu 100 Prozent leben können. Bernie, unser Sänger, der ist noch als Liedermacher unterwegs, der Peter hat noch 'ne Jazz-Combo, Markus lebt eigentlich vom Schlagzeugunterricht geben, Trixi macht klassische Musik, Kirchenmusik, und ich hab so diverse Spaßformationen hier, mit denen ich ab und zu mal rumzieh, u. a. Noch meine alte Punkband, so ein- oder zweimal pro Jahr – damit wir jung bleiben! [lacht]

HAMCHA: Wie geht es Dir mit Punk – wächst man irgendwann raus?

 http://youtu.be/J8fm5n5H_oA 

Reinhold Alsheimer: Ja, schon! Also es gab da schon so ein Schlüsselerlebnis. Wir hatten gerade ein Konzert in Dresden und da kam der andere Gitarrist zu mir rüber und sagt: „Schau mal da runter, das könnten alles unsere Töchter sein!“ Ich hab da runter geschaut und gesagt: Stimmt! Scheiße, was mach ich hier?! Entweder man zieht es durch, es gibt Bands, die das machen, die das können. Bei uns hat sich das dann einfach ein bisschen schwer angelassen, weil sich die Leute a) wegbewegt haben, rein räumlich, unser Bassist und Sänger ist nach Erfurt gezogen, und b) man sucht dann irgendwann mal einfach Arbeit. Ich kann ja nicht immer so rumalbern. Ja, und dann war halt einfach irgendwann die Zeit da, dass wir sagten: Hey, es wird schwierig neues Zeug zu machen, wir kriegen keine Probentermine mehr hin und auf Tour fahren geht sowieso nimmer, weil … da muss ich ja hier und, weißt Du, mit Familie und hier die Arbeit und lalala – Und dann hat sich das einfach verflüchtigt. Ich denke, an diesen Punkt kommen gerade Punk-Bands sehr viel. Es kommen wahnsinnig gute und wahnsinnig progressive junge Band nach und man muss halt irgendwann einfach abtreten und sagen: Hey [pfeift], ich hatte 'ne gute Zeit, jetzt ist es okay, jetzt orientiere ich mich anderweitig, auch musikalisch. Für mich war's so, ich hatte halt diese Punk-Band und ich hatte 'n Hardfolk Projekt (D'Oxnhex). Ich hatte halt beides und es war fulltime, beides fulltime! - Und dann musste ich noch Arbeiten gehen, da war es einfach überhaupt nicht mehr real. Wer leidet darunter? Die Familie! Und das geht einfach überhaupt nicht mehr. Das ist auch nicht mehr okay und es ist nicht mehr fair, der Familie gegenüber. Dann bist halt am überlegen. Dann war halt für mich die Konsequenz, mit der Punkgeschichte aufzuhören, weil das am wenigsten Schmerzen bereitet hat. Wobei es letztes Jahr, oder am Anfang diesen Jahres, da haben wir uns nach sieben Jahren wiedergetroffen und haben ein Konzert gespielt, in Schrobenhausen, das war der Burner! Das war soviel Spaß! [lacht] Es hat noch alles wunderbar geklappt und wir hatten riesen Spaß und die Hütte war rappelvoll, die Leute kannten alle Texte auswendig. Das war ein Erlebnis – sowas hatte ich selten, vorher!

 http://youtu.be/pZXN3c-SlU4 

HAMCHA: Schrobenhausen ist ja so'ne Hopfenstadt...?

Reinhold Alsheimer: Spargel! - Wolnzach, wo ich jetzt wohne, ist 'ne Hopfenstadt.

HAMCHA: Machst Du da auch Musik?

Reinhold Alsheimer: Wo?

HAMCHA: In Wolnzach...

Reinhold Alsheimer: … ja, ja, klar! Ich spiele einmal im Jahr hier im Stilwirt, das ist praktisch mein Wohnzimmerkonzert. Ich bin jetzt eben auch mit lokalen Musikern immer wieder am rumziehen.

HAMCHA: Reinhold, auf Deiner Facebook-Seite hast Du gerade ein Posting gemacht, in dem Du Dich wahnsinnig gefreut hast über unseren Innenminister Friedrich, ...

Reinhold Alsheimer: … [lacht] ...

HAMCHA: … der es den Amis mal richtig gezeigt hat, als er da hingefahren ist und gefragt hat, was sie denn da machen.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Munich, spectaculum mundi, 28.01.12

Reinhold Alsheimer: Ja geht’s noch!? Ich war sowas von... Sowas erzürnt mich einfach. Das ist... Ich finde das … Ja, Politik ist die eine Geschichte, Parteipolitik 'ne ganz andere Kiste. Aber ich finde es halt 'ne absolute Frechheit, das, was da passiert, als Folge des eigenen Bedürfnisses zu verkaufen. Das geht gar ned, ja! Ein Grundbedürfnis nach Sicherheit, ein Grundrecht auf Sicherheit definieren, das geht gar nicht. Ich meine, der Herr ist Innenminister, der soll sich mal, verdammt noch mal, unsere Verfassung und unser Grundgesetz ankucken, vielleicht kann er was damit anfangen, weil gelesen hat er's nicht!

HAMCHA: Ich vermute, dass er es mal gelesen hat, dass es ihm aber eigentlich egal zu sein scheint.

Reinhold Alsheimer: Ja, ja nee, und das ärgert mich einfach an der ganzen Parteipolitik und ich finds auch relativ hanebüchen, wie jetzt die sogenannte Opposition, jetzt da Boaho...! Ich meine, wie der ganze Mist losging, war eine SPD an der Mitregierung, da brauchen wir nicht reden. - Hallo Leute! Ihr hättet es auch wissen können, müssen, tun und wolltet nicht. Diese ganzen Schaukämpfe, die sie sich jetzt mal liefern, wieder mal, das ist alles so billig und … Mich ärgert das jeden Tag aufs neue. Ich krieg da einen ganz dicken Hals!

HAMCHA: Da geht es Dir ähnlich wie mir! Ihr habt ja die Möglichkeit, in Eurer Musik dagegen anzustinken. Greift ihr solche Dinge auf und baut es ein in Eure Stücke?

Reinhold Alsheimer: Ja, jetzt, jetzt, jetzt nicht so wie Kabarett , dass man es zeitnah machen könnte. Wir bereiten das auf und das dauert bei uns meist länger. Wir machen nicht so Musikkabarettgeschichten wie, was weiß ich, die Biermösl Blosn früher, die die Tagespolitik in ihr Zeug mit reinbringen, das machen wir dann, wenn, in Ansagen und beziehen dann eindeutig Stücke mit ihrem Inhalt auf Situationen die wir vorfinden, das schon. Wir schreiben aber auch Stücke über politische Zusammenhänge. Wir haben auf der letzten Platte ein Stück drauf, das heißt „Spinn“. Das ist angelehnt an das Kinderlied „Auf der Mauer auf der Lauer“, da geht es aber nicht um die Wanze, sondern es geht um die Hedgefonds Manager. Das machen wir schon – ja. Das ist nach der Bankenkrise ein Stück gewesen, wo wir das Bedürfnis hatten, es halt auch auf 'ne Platte zu pressen.

HAMCHA: Das heißt, Eure Musik hat durchaus, und das ist wahrscheinlich ein Anspruch, den Ihr versucht einzulösen, einen Bezug zur aktuellen Politik, zu gesellschaftlichen Ereignissen...

Reinhold Alsheimer: … Ja, ja, ja, ja...

HAMCHA: … wie würdest Du diesen Bezug definieren?

Reinhold Alsheimer: Das ist jetzt ein bisschen schwierig zu sagen, aber es ist so. – Ich habe ja vorhin schon mal gesagt, es ist alles so... Wenn ich lebe, und wenn ich aktiv lebe, wenn ich bestimmte Sachen treibe, bestimmte Sachen lasse, bestimmte Sachen forciere oder bestimmte Sache einschlafen lasse, dann ist das ein politisches Verhalten. Selbst wenn ich nicht wählen gehe, weil ich keine Alternativen der Wahl finde in unserer Demokratie, dann bin ich ein politisch denkender Mensch und wähle in diesem Augenblick. Ich wähle, dass ich eben nicht aktiv unterstützend eingreife. In diesem Sinne sehen wir das. Alles was man lebt, wie man lebt und wie man seine Träume und seine Ziele verfolgt, wie man sich einrichtet in seinem Leben, all das hat immer einen politischen Bezug. Und wenn ich über das Leben singe, singe ich immer rein politisch. Es ist halt nicht plakatives, parteipolitisches Gedöns, was wir da produzieren, sondern es ist eher die Stufe darunter. Wenn ich von Freiheit singe, dann ist das durchaus ein politischer Inhalt. Wenn ich das Stück „Schatten hinter dir“ nehme und singe: Schau in die Sonne, dann bleiben die Schatten hinter dir und versuche dein Leben so aufzubauen, dass du möglichst in die Sonne schauen kannst, und wenn du ein Tal siehst, dann schau oben drüber, weil auf der anderen Seite der Berggipfel glänzt, auch dann ist es ein politischer Text. Vielleicht nicht so plakativ wie in 80ern die Texte von Cochise waren. Explizit politisch ist er definitiv nicht, er ist mehr latent politisch. Aber das ist mir auch lieb so. Wir haben aber auch durchaus ganz, ganz – transparent durchschauende politische Ansagen drin, das haben wir auf früheren Platten auch schon immer gehabt.

HAMCHA: Aber Ihr wollt sie nicht so plakativ vorbringen...?

Reinhold Alsheimer: Ja, doch, das ergibt sich halt einfach. Ich finde es sehr schön, wenn man politische Meinungen nicht so mit dem Holzhammer reinklopft, sondern erst bei zweiten Nachdenken so ... Hö, Hallo!? – Alles klar! Darum geht es, das finde ich sehr schön, das finde ich immer sehr gelungen.

HAMCHA: Was bedeutet es für Dich, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen?

Reinhold Alsheimer: Das ist das, das hab ich vorhin schon mal gesagt, was ich machen will und das, was ich auch kann, als Arbeit. Das ist für mich ein ganz elementares Erleben von Arbeit und Ergebnis gleichzeitig. Und das ist wunder, wunder, wunderbar! Das bedeutet mir wahnsinnig viel und dafür gebe ich auch wahnsinnig viel auf. Da verlange ich auch jetzt von meinem unmittelbaren Umfeld ganz, ganz viel ab.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Munich, spectaculum mundi, 28.01.12

HAMCHA: Hast Du das Gefühl, dass Du dabei authentisch bist?

Reinhold Alsheimer: Authentisch ist so eine Vokabel, so 'ne oft, oft, oft strapazierte Vokabel. Ich würd eher sagen: ich bin dann ich.

HAMCHA: – Okay – Reinhold, was würdest Du den Lesern dieses Interviews gerne mit auf den Weg geben?

Reinhold Alsheimer: Also den Schlusssatz, jetzt? - Doch, ja: Schau in die Sonne, dann sind die Schatten hinter Dir. – Das ist mein Lebensmotto.

HAMCHA: Okay – Reinhold, ich danke Dir für das Gespräch!

Reinhold Alsheimer: Alles klar, kein Thema! Ich bedanke mich! … Jetzt hab ich noch eine private Frage Michael – oder Heinz. Was ist jetzt eigentlich Dein Vorname?

HAMCHA: Das ist so, ich habe zwei Vornamen, der eine ist Heinz, den hat meine Mutter mir gegeben. Es ist der Name ihres Bruders, den sie sehr geliebt hat, der aber bei der SS war und sehr jung „gefallen“ ist. Wegen der Rolle dieses Onkels bei der SS habe ich ein Problem, mich mit diesem Namen zu identifizieren. Da ich noch einen anderen Vornamen habe, eben Michael, so hieß auch mein Vater, kann ich mich dagegen sehr gut identifizieren...

Reinhold Alsheimer: … alles klar! … Nee, weil ich bin da jetzt leicht verblüfft, weil ich lese nämlich hier Heinz Michael und vorgestellt hast Du Dich als Michael. Da kam ich ein bisschen in schleudern ...

HAMCHA: … naja, ich bin vor einigen Jahren dazu übergegangen, den Vornamen zu verwenden, mit dem ich mich mehr identifizieren kann.

Reinhold Alsheimer: … alles klar, kein Thema. Dann hab ich das verstanden. Mal ganz ehrlich jetzt, wie bist Du auf mich gekommen?

HAMCHA: Über Berni Maisberger bin ich auf Deine Spur gekommen. Ich hab mir mal Eure Musik angehört und ein Bild von Dir gesehen, da war mir klar, dass ich mit dem Typen gerne mal reden würde. – Einfach so. Und unsere Kontaktaufnahme hat ja sofort zum erhofften Ergebnis geführt.

Reinhold Alsheimer: Naja, ich bin gerne für all so'n Zeug bereit, ich mag sowas.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Henne Strand (DK), 2011

HAMCHA: Weißt Du, HAMCHA ist so 'ne Art Experiment für mich. Ich hab bis in die zweite Hälfte der 80er Jahre sehr viel journalistisch gearbeitet. Dann entstanden, ähnlich wie bei Dir, daran musste ich vorhin, als Du davon sprachst, auch denken, wirtschaftliche und familiäre Umstände, die zu einer „sinnvollen“ berufliche Ausrichtung zwangen, wobei mit „sinnvoll“ Geld verdienen gemeint war. Was übrig blieb, war der Wunsch, wieder journalistisch zu arbeiten. Ich habe mich letztes Jahr dazu entschlossen, das wieder aufzugreifen...

Reinhold Alsheimer: … schön! ...

HAMCHA: … und hab damit begonnen, Interviews zu machen. Das hat bisher ganz gut funktioniert, ich habe mittlerweile um die 50 Gespräche geführt, die noch längst nicht alle transkribiert sind. Das ist natürlich ein ziemlich großer Aufwand. Aber es macht Spaß und es geht mir möglicherweise ähnlich wie Dir, wenn Du Musik machst...

Reinhold Alsheimer: … cool! ...

HAMCHA: Das ist es, wo mein Herzblut fließt!

Reinhold Alsheimer: Das ist genau der Punkt, da leb ich!

HAMCHA: Ja!

Reinhold Alsheimer: Kann ich nachvollziehen!

HAMCHA: Ich möchte nicht einfach nur ein Online-Magazin betreiben, in dem man journalistisch schön aufbereitete Interviews lesen kann. Ich hab mich inspirieren lassen von Andy Warhol, der Ende der 60er Jahre sein interview magazine gestartet hatte und in dem er versuchte, Gespräche möglichst buchstabengetreu zu veröffentlichen. Das ist damals von allen möglichen Seiten kritisiert worden, vor allem von Journalisten, weil das aus redaktioneller Sicht nichts mit Journalismus zu tun habe. Im Endeffekt gab der Erfolg Andy Warhol recht, da sein interview magazine zum Prototyp für spätere Lifestyle-Magazine wurde. Er war extrem wirkungsvoll mit diesem Projekt. Mir gefällt dieser Ansatz und da es weder in Deutschland, noch vermutlich europaweit ein Interviewmagazin gibt, das mit dem Konzept arbeitet, Gespräch so zu bringen, wie sie geführt wurden, habe ich mich entschlossen, diesen Ansatz weiterzuverfolgen. Das bedeutet, dass man immer wieder auf Hindernisse stößt. – Es gibt ja Leute, die lesen wollen, was sie gesagt haben, bevor es veröffentlicht wird und dann aber Angst bekommen, behaupten, es so nicht gesagt oder gemeint zu haben oder aber meine Arbeitsweise als journalistisch unprofessionell beschimpfen. Die möchten dann das, was sie ins Mikrophon oder in die Kamera gesagt haben, gar nicht gesagt haben. Manchmal wollen sie Änderungen, das finde ich dann gerade noch nachvollziehbar, trotzdem mache ich das in diesen Fällen für meine Leser erkennbar. Aber es gibt auch Interviewpartner, die das komplette Interview zurückziehen. Beispielsweise gibt es eine Politikerin, die in der letzten Legislaturperiode noch im Bayerischen Landtag saß und mit der ich ein sehr ausführliches Gespräch geführt habe, viele, viele Stunden … später untersagte sie mir die Veröffentlichung, nachdem es bereits getippt war. So etwas ist natürlich ärgerlich ...

Reinhold Alsheimer: … das ist super ärgerlich!

HAMCHA: Ich hatte vor ca. einem Jahr ein Gespräch mit einem Unternehmer, der sich selbst gerne als Heuschrecke bezeichnet, der auch gerne mal über Leichen geht und im Interview geäußert hat, er habe einem Landrat 50.000 Euro gegeben – der wollte das anschließend auch nicht gedruckt sehen. Solche Dinge passieren halt...

Reinhold Alsheimer: … da hab ich jetzt aber keinen Stress! [lacht] ...

HAMCHA: … das finde ich gut! Ich glaube, dass das ein Gespräch ist, was gerne gelesen wird, was einige Leser auf neue Gedanken bringen könnte und das ist eigentlich das, was ich mir von meinen Interviews wünsche.

Reinhold Alsheimer: Das hoffe ich doch! Das ist doch sehr schön!

HAMCHA: Reinhold, ich danke dir nochmals für das Gespräch...

Reinhold Alsheimer: … und ich danke Dir für Dein Interesse!

HAMCHA: Ich hoffe, ich habe Deine Frage jetzt am Schluss verständlich beantwortet...

Reinhold Alsheimer: … doch, durchaus! Sagst Du mir Bescheid, wann das Ganze dann …

HAMCHA: … ja, natürlich! Und ich hab auch noch eine Bitte. Ich möchte Dich um Material bitten, Fotos, vielleicht auch eine MP3-Datei, die ich zur Illustration einbinden könnte.

Reinhold Alsheimer: Ja, kein Thema. Sag mir einfach, wenn Du anfängst zu transkribieren, für welchen Zusammenhang Du was brauchst. Dann könnte ich anfangen, ein bisschen zu sondieren. Wenn ich jetzt blind irgendetwas schicke, dann macht das, glaube ich, wenig Sinn.

HAMCHA: Ich schicke Dir auf jeden Fall das transkribierte Interview vorab zu. Vielleicht kann man ja noch Ergänzungen anbringen …

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Venedig (IT), 2012

Reinhold Alsheimer:  … mir geht es eigentlich eher darum, wenn Du sagst, da würde ich mir ein Bild oder ein Lied wünschen was das illustriert, dann wüsste ich, worum es geht, dann könnte ich das gezielter bedienen.

HAMCHA: Gerne, ja, super! - Es wird nicht morgen sein und auch nicht in zwei Wochen, es kann durchaus ein, zwei, drei Monate dauern, bis ich Dir das Transkript schicke.

Reinhold Alsheimer: Ab morgen bin ich eh in der Pfalz... [lacht]

HAMCHA: Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß und viel Erfolg mit Deiner Entscheidung...

Reinhold Alsheimer: … und Dir mit Deinem Interview-Blog. Das ist nämlich eine ziemlich interessante Geschichte! In die Wecker-Geschichte hab ich reingelesen und in die Kunze-Geschichte hab ich reingelesen, das hat mich dann doch interessiert...

HAMCHA: … ja, das ist ganz interessant, der Kunze hat praktisch überhaupt nichts geändert, der Konstantin, zu meiner Überraschung, hat fast ein Drittel rausgekürzt, …

Reinhold Alsheimer: … aha …

HAMCHA: … wobei ich glaube, dass er es nicht selbst gemacht hat, sondern sein Presseberater.

Reinhold Alsheimer: Das kann sein. – Ich hab keinen, da brauchen wir keine Angst zu haben...!

[Lachen]

HAMCHA: Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, Tschüs!

Reinhold Alsheimer: Auch so, Servus!

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Aufstieg zur Burg Prunn, 2011

(zur Übersicht)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

©HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 

5 thoughts on “Reinhold Alsheimer: ich bin dann ich

  1. Hola, das ist mal ein Interview…da ist so ne Menge drin, was verarbeitet werden muß! Reinhold hat mir in vielen Dingen aus dem Mund gesprochen. Gerade das vermeintliche Sprachproblem innerhalb von Deutschland. Ich muß zugeben, das ich trotz Duisburger, bei BAB nur die Hälfte verstanden hatte, obwohl Kölle nur 80 km weg ist.Bayrisch is so ne Sache, sehr eigenständige Sprache. Man muß da einfach nur zuhören und sehen und schon versteht man es. Außerden muß man nicht unbedingt immer Alles verstehn müssen. Wer konnte denn schon english als Beatles und Stones kamen. Ich verstand damals so gut wie nix. Es gibt eben noch andere Übertragungsmöglichkeiten! Stark finde ich die Aussage: Wenn mal zu viel unterwegs ist und nur auf sein Ding schaut, leidet die Familie. War bei mir dasselbe Problem. 2-3 Wochen auf tour unmöglich. Zuhause jammern dann Frau und Kinder, es sei denn man nimmt die mit. Ganz toll wie Reinhold das denkt. In seinem Rock is er ja verdammt sexy, hahaha
    Dankeschön Michael für dieses coole Gespräch und fette Grüsse an den Alsheimer Freak
    Reinhold

    Es grüsst Reini

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