Josefa Schmid: Jetzt werde ich seine Gegenspielerin.

HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier
Wahlplakat der Landtagskandidatin der FDP, Frau Josefa Schmid

Wir weisen nochmals darauf hin, dass das Gespräch im Juni 2012 geführt wurde und einzelne Ausführungen inzwischen überholt sein mögen.

HAMCHA: In Ihrer Politiker-Generation gibt es ja im bayerischen Wald nicht all zu viele, die nicht nur den politischen Stil verändern wollen, sondern die sich auch ganz klar von ihren Parteien abheben, die offensichtlich damit aber auf erstaunliche Weise im bayerischen Wald einen gewissen Erfolg haben. Also sie haben in der Bevölkerung starken Rückhalt, Michael Adam hat diesen Rückhalt auch gefunden und Thomas Müller in Bayerisch Eisenstein hat den auch gefunden. Tauschen Sie sich mit diesen Kollegen aus?

JOSEFA SCHMID: Ja, menschlich sowieso. Also, es ist da etwas im Umbruch, das muss man wirklich sagen. Ich wünsche mir auch…

HAMCHA: … gibt es noch Andere, mit denen Sie eng zusammenarbeiten, einfach weil Ihnen das näher ist?

JOSEFA SCHMID: Leider gibt es noch viel zu wenige von dieser Generation. Das wird alles erst noch kommen. Ich wünsche mir wirklich noch viele junge Kollegen, wobei es auch ältere Kollegen gibt, mit denen man gut zusammen arbeiten kann. Aber viele befinden sich auch schon im Austrag und haben dann nicht mehr diesen Elan. Ansonsten ist es schon beeindruckend, wie man sich gegenseitig anstecken kann, mit wie viel Esprit und Power man die Arbeit angehen kann.

HAMCHA: Wenn Sie sagen „nicht mehr diesen Elan“, dann heißt das, dass da eine Resignation stattgefunden hat.

JOSEFA SCHMID: Ja, das ist ja das, was ich vorhin meinte. Man ist irgendwann in seinen Denkmustern drin und ist nicht mehr so innovativ oder man hat nicht mehr den Horizont. Ich merke ja zum Teil schon, dass es, je frischer man im Amt ist, umso besser für die Bürger ist. Es schadet der ganzen Demokratie, je länger man im Amt ist.

HAMCHA: Was sind da die Mühlsteine, die einen zermahlen?

JOSEFA SCHMID: Ja, der Alltag, die Alltagsstrukturen, die nehmen einen zu sehr in Beschlag.

HAMCHA: Ist es die Administration oder…

JOSEFA SCHMID: Ja, man ist mit wahnsinnig viel Bürokratie beschäftigt und ja, man ..

HAMCHA: Sie sind ja auch Behörden-Chefin.

JOSEFA SCHMID: Ja und die Amtsleiterin. Das nimmt wahnsinnig überhand. Das ist erschreckend. Immer wieder neue Aufgaben, die vom Bund-Land den Gemeinden als letzten aufgebürdet werden, wie jetzt diese Kinderkrippen-Plätze, die wir ja schaffen müssen und der 3-jährige Rechtsanspruch ab 2013. Im Endeffekt bleibt am Schluss immer alles bei den Kommunen hängen.

HAMCHA: Das ist ja eines Ihrer großen familienpolitischen Projekte in der Gemeinde, eine große Tagespflegestelle nennen Sie das…

JOSEFA SCHMID: Und jetzt bauen wir noch eine Krippe. Also man wird vom Alltag so stark in Beschlag genommen und da muss man schauen, dass einem die frischen Ideen nicht abhanden kommen.

HAMCHA: Was machen Sie dafür, also wo holen Sie sich die frischen Ideen?

JOSEFA SCHMID: Ich hole mir die aus der Natur und aus der Stille im Wald. Der bayerische Wald ist ja wirklich geeignet, sich da seine Ruheoasen zu suchen. Wenn ich alleine in der Natur bin, hole ich mir meine Kraft, auch viel durch Überlegen und Spekulieren und dann höre ich wieder auf meine Intuition.

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Josefa Schmid, Wahlplakat der Landtagskandidatin der FDP

HAMCHA: Gibt es auch Kontakt zu Menschen, aus dem Sie diese Kraft oder Impulse schöpfen können?

JOSEFA SCHMID: Es sind sehr viele und aus unterschiedlichsten Bereichen: aus dem kirchlichen Bereich, aus der Presse und aus den Medien habe ich Berater, dann natürlich Professoren von meinem Studium her. Es sind wirkliche graue Eminenzen im Hintergrund, die mir Ratschläge erteilen. Manchmal sind es auch Schläge. Ob ich sie befolge, das entscheide ich dann selber. Ich habe auf Facebook erst kürzlich diesen Spruch gepostet, der 100 Leuten gefallen hat und 25 mal geteilt wurde, und zwar, dass man auf sein Herz hören soll und nicht auf seinen Kopf, denn das Herz hat zu schlagen begonnen, bevor der Kopf denken konnte. Das ist in der Tat eine tolle Begründung, warum man auf sein Herz hören soll. Es wird ja so viel im zwischenmenschlichen Bereich und im emotionalen Bereich entschieden.

HAMCHA: Welche Bedeutung hat das Internet für Sie? Wir sehen ja momentan dieses furiose Auftauchen der Piraten-Partei, und die CSU ist sehr nervös geworden. Auch die anderen Parteien werden nervös, weil sie merken, dass sich da etwas abspielt, dass da Menschen auf virtuose Weise mit dem Internet umgehen. Sie nutzen diese Technologien, haben politisch teilweise gar nicht viel im Kopf und trotzdem sind sie, eben weil sie dieses Medium so virtuos nutzen, sehr erfolgreich.

JOSEFA SCHMID: Also das Internet hat eine immense Bedeutung, die mir vor dem Landratswahlkampf überhaupt nicht bewusst war. Ich war nicht im Web 2.0 vertreten. Ich kam durch Michael Adam in Zugzwang, der damals schon 5000 Facebook-Freunde hatte. Und ich hab innerhalb kürzester Zeit, innerhalb eines halben Jahres,  jetzt auch annähernd 5000 Facebook-Freunde. Das ist wirklich enorm, und  ich muss sagen, dass es auch eine gewisse Herausforderung ist, wenn man mehr Facebook-Freunde hat, als Gemeindebürger. 3000 Gemeindebürger und fast 5000 in der virtuellen Welt und das geht ja vom kleinsten Anliegen, das mir ein Schulkind berichtet, dass etwa an der Bushaltestelle irgend eine Latte locker ist, bis zum Minister. Da ist alles vertreten, ein Portfolio könnte gestreuter nicht sein, und das ist wahnsinnig interessant. Für mich ist es eine neue, eine spannende Welt, die ich aufgebaut habe. Natürlich ergeben sich auch viele neue Kontakt, die wiederum in die reale Welt stark hinein spielen. Zu Trauungen haben sich schon Leute bei mir gemeldet. Also es verzahnt sich unwahrscheinlich, unser Kontakt ist wahrscheinlich auch durch Facebook entstanden. Im touristischen Bereich, Konzerte und Künstler habe ich durch Facebook akquiriert. Wer das verschläft, also gute Nacht. Das ist enorm wichtig. Man darf es jetzt nicht überbewerten, aber es nimmt zeitlich und es nimmt stark…

HAMCHA: … Okay, es nimmt stark an Bedeutung zu. Aber was denken Sie, was jetzt das Besondere daran ist oder das Neue?

JOSEFA SCHMID: Es nimmt Einfluss auf die Politik, es ist eine neue Macht. Die Macht des Internets, bei der zu den klassischen drei gewollten Teilungen auch die Medien schon als vierte Gewalt dabei sind. Es kommt neu hinzu. Guttenberg ist dadurch zu Fall gekommen. Man weiß ja nicht, was in der Zukunft noch alles passiert. Es wird einem alles oder jeder Fehler da drinnen einholen. Das ist eigentlich noch einmal ein Filter oder gut für die pluralistische Gesellschaft oder für unsere Bürokratie. Es ist eigentlich gut. Man muss nur schauen, dass es kein Fluch wird, es darf halt auch nicht missbraucht werden.

HAMCHA: Sie haben sich die Transparenz in der Politik auf die Fahne geschrieben und insofern kommt Ihnen das Internet wahrscheinlich da ganz entgegen.

JOSEFA SCHMID: Ja, ich betreibe es ja mit vielen Postings jeden Tag sehr intensiv und bin auch auf Twitter. Die Leute wissen eigentlich immer, was ich gerade mache. Meine Bürger haben ja auch den „heißen Draht zur Bürgermeisterin“, also im Virtuellen, per Email. Die Anfragen landen direkt bei mir, wobei meine Bürger auch alle meine Handy-Nummer haben. Das ist bei mir schon sehr extrem ausgeprägt. Also mich ruft dann auch schon einmal jemand um 5 Uhr in der Früh  an, weil der Winterdienst nicht funktioniert. Also meine Bürger sind da in der Hinsicht, was die Transparenz und die Erreichbarkeit anbelangt, sehr verwöhnt. Das kann man als Landrat wahrscheinlich nicht mehr so praktizieren. Aber jetzt, in dieser Einheit Gemeinde Kollnburg, funktioniert es. Und im Internet teilt man das natürlich mit der ganzen Welt, wobei ich schon aufpasse, dass ich persönlich von mir nicht zu viel preisgebe. Ist Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen.

HAMCHA: Ja ist mir auch aufgefallen. Andererseits, zum Beispiel diese Reise nach Island, was war das für eine Reise…?

JOSEFA SCHMID: …von der Gemeinde…

HAMCHA: Gemeinde-Reise. Mit anderen Personen aus der Gemeinde …

JOSEFA SCHMID: Mit 30 Leuten aus der Gemeinde.

HAMCHA: Wie kam es dazu?

JOSEFA SCHMID: Ja, das ist so eine Besonderheit, die Oberbürgermeisterin Eder hat das auch schon mal gemacht, die war auch schon in Island. Die sind mal geflogen, die Stadt Deggendorf. Es gibt da das Konzept „Eine Gemeinde geht auf Reisen“ oder ein Landkreis. Es ist einfach so eine Kombination aus Kulturreise und politischer Bildungsreise. Mir geht es immer drum, dass ich politische Bildung betreibe. Als wir in Rom waren, hatten wir eine Audienz beim Heiligen Vater und ein Gespräch mit Georg Gänswein. Er hat uns über den Vatikan, über die Strukturen berichtet. Oder wir waren in Berlin, eine klassische Bundestagsfahrt oder in Straßburg im Parlament, oder in Brüssel, oder in Budapest, im Goethe-Institut, in der Deutschen Botschaft und im ungarischen Parlament. Und jetzt haben wir uns mit Island beschäftigt und mit der Finanzkrise, die dort ausgelöst wurde, mit dem Bürgermeister von Reykjavik, der ja mit Korruption super offen umgeht und waren auch im isländischen Parlament.

HAMCHA: Weil des dort auch ein Problem ist?

JOSEFA SCHMID: Ja. Und das gefällt den Bürgern. Es würde mir kein Mensch mitfahren, wenn ich eine klassische politische Bildungsreise machen würde. Es ist dann immer Kulturprogramm dabei, aber es kommt bei den Leuten sehr gut an.

HAMCHA: Kultur. Welche Rolle spielt für Sie Kultur?

JOSEFA SCHMID: Ganz stark. Also ich wurde gestern vom Gemeinderat gerüffelt, dass wir so viel Kultur machen, mehr angeblich als die Stadt Viechtach. Es ist bei uns wahnsinnig viel geboten.

HAMCHA: Was machen Sie?

JOSEFA SCHMID: Ja, es sind da klassische Konzerte, Liedermacher, Kabarett, klassische Volksmusik, quer durch den Gemüsegarten. Bei „Eine ganz heiße Nummer“ waren wir natürlich auch stark dabei, da wurden ja die Kirchenaufnahmen bei uns gemacht. Ich selber habe auch, wissen Sie selber, mitgespielt. Das ist jetzt in meiner Zeit. Mit diesem europäischen Festival für geistliche Musik haben wir jetzt heuer zwei Konzerte gehabt, das ist auch so ein Projekt. Dann sind wir letztes Jahr bei Bayern 1 Bayerns beste Niederbayern geworden. Also ich ziehe immer irgendwas an Land, wenn es irgendwo etwas gibt, wo man mitmachen kann. Bei den europäischen Wochen sind wir heuer auch wieder Festspiel-Ort mit Peter Baumgart, mit dem ich auch sehr gut zusammenarbeite. Mittlerweile ist es der Andy Scheuer. Da haben wir auch eine Auszeichnung gekriegt. Das ist auch wieder eine mitteleuropäische Begegnung der Musik. Also mit sehr vielen Künstlern aus Tschechien arbeite ich auch zusammen. Die  Lissy Aumeier, die hat auch ein volles Haus gehabt.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Josefa Schmid, Wahlplakat der Landtagskandidatin der FDP

HAMCHA: Aus der Bevölkerung oder vielleicht von anderen Parteien kommt Kritik, dass Sie zu viel Kultur machen …

JOSEFA SCHMID: … es ist wirtschaftlich…

HAMCHA: … das ist ja erstaunlich…

JOSEFA SCHMID: … Ja. Ich finde, dass man an der Kultur nicht sparen darf, denn das sind die ersten Anzeichen, dass es mit der Gesellschaft bergab geht. Für mich ist Kultur sehr wichtig. Aber es war natürlich so ein bisschen der Aspekt dabei, dass sich die Verwaltung zu wenig auf das Kerngeschäft konzentrieren könnte. Ich hoffe aber, dass ich das entkräftet habe. In der Tourist-Information ist ja nur eine Dame damit beschäftigt, das muss halt dann so mitlaufen.

HAMCHA: Der Tourismus ist ein ganz wichtiger Punkt für Ihre Gemeinde. Was unternehmen Sie denn? Ich bekomme im Internet die Diskussion im bunten Landkreis Regen mit. Also da gibt es ja viele solcher Diskussionen, was man in Bodenmais machen kann, in der Arber-Region, um Touristen anzulocken. – Wie sehen Sie das hier für die Gemeinde Kollnburg?

JOSEFA SCHMID: Also ich würde mir sehr eine verzahnte, übergreifende Zusammenarbeit wünschen. Es ist immer noch im Tourismus viel zu sehr… Politik ?

Die Gemeinde Kollnburg ist in der glücklichen Lage, dass sie zwischen den Tourismusmagneten Sankt Englmar und Bodenmais liegt und wir wahnsinnig davon profitieren könnten, wenn die beiden, Bodenmais und Englmar, miteinander arbeiten würden. Aber es kooperiert ja nicht einmal der Landkreis Regen mit dem Landkreis Straubing-Bogen, oder speziell mit Sankt Englmar, das habe ich ja im Landratswahlkampf gesagt. Michael Adam, glaube ich, ist da schon auf dem richtigen Weg, wie er das mit Bodenmais angefangen hat. Er ist nämlich nicht so, wie ihm oft vorgeworfen wird und auch nicht bei Herrn Lambeck, die achten schon auch auf Qualität. Ich glaube, dass das ein Vorurteil ist, dem man sich oft einmal zu Unrecht ausgesetzt gefühlt hat. Aber es ist wirklich die Kombination zwischen Qualität und starken Vertriebsstrukturen, Marketing-Strukturen fehlen uns halt. Also wir sind eben nicht so wie Kärnten oder Südtirol, wir arbeiten einfach noch zu wenig zusammen.

HAMCHA: Was halten Sie von der Idee Michael Adams einen Vergnügungspark in den Landkreis zu holen?

JOSEFA SCHMID: Ja ich weiß jetzt gar nicht. In seinem Interview hatte er dann ein Jahr so was wie Centerpark, glaube ich, auch mit dabei. So was würde ihm natürlich gefallen. Ich habe schon auch viele kritische Stimmen auf das Ganze gehört. Ob wir das wirklich brauchen? Ich glaube, die Idee, die da in ihm keimt, ist einfach noch einmal ein Alleinstellungsmerkmal für den bayerischen Wald zu haben, das uns von den anderen Regionen abhebt. Ob das jetzt ein Freizeitpark sein muss, ich weiß es nicht.

HAMCHA: Also Sie sehen es auch eher ein bisschen skeptisch?

JOSEFA SCHMID: Ich sehe es ein bisschen skeptisch, weil ich den ganz starken Widerstand von den Leuten vor Ort mit dem Centerpark in Frauenau mitbekommen hab. Es müssen schon die Bürger mitspielen, also man muss das Projekt sehr gut vermitteln.

– Herr Vilsmeier, Sie sind wahrscheinlich auch Fotograf, oder?

HAMCHA:  Ach, ich mache halt so Fotos, schauns, die sind doch gar nicht so schlecht…

JOSEFA SCHMID: Ich hab jetzt halt die Brille an und ich sitz irgendwie auch ganz…

HAMCHA: Nee, Sie sehen super aus.

JOSEFA SCHMID: Ah, da schau ich aber sehr ernst. –  Da schauns, sehen Sie diese Berge da hinten? Nein, ich hätte da eigentlich schon gern ein Kostüm angezogen.

HAMCHA: Wieso? Sie sehen Klasse aus.

JOSEFA SCHMID: Sie haben jetzt schon Material…

HAMCHA: Schauen Sie sich doch mal das Bild an, es ist doch gut.

JOSEFA SCHMID: Meinen Sie? Es ist eigentlich ziemlich ungeschminkt und… Das hat mir irgendwie überhaupt nicht gefallen, wie ich da das Tuch gehabt hab, das ist ja total schief.

HAMCHA: Das sieht sehr locker aus und das zeigt Sie. Sie müssen ja nicht so konservativ ausschauen…

JOSEFA SCHMID: Na, um Gottes willen, ich kann…

HAMCHA: …weil Sie es eigentlich gar nicht sind.

JOSEFA SCHMID: …mich ja flippig anziehen.

HAMCHA: Nein. Ich meine, Sie sind es ja gar nicht. Sie gehen neue Wege.  Das ist ja auch etwas, was ich hier irgendwo gelesen habe. Sie sind ein Mensch, der neue Wege gehen möchte.

JOSEFA SCHMID: Ja, weil ich wahnsinnig kreativ bin. Ich hab so viele Ideen und ich hab eine Liste mit… eine Ideen-Sammlung, da sind schon über 300 Punkte darauf. Da komme ich gar nicht nach, weil mich das Alltagsgeschäft auch so stark in Beschlag nimmt. Das ist das Störende, dass ich gar nicht so kreativ sein kann, wie ich will. Ich bin da so beschnitten, es ist traurig aber da muss man jetzt einfach intelligent genug sein….

HAMCHA: Mein Eindruck war, also ich hab mir ja auch vorher Gedanken über Sie gemacht, mein Eindruck war, dass sie da in dieser Situation ganz schön einsam sind und das auf die Dauer nicht funktionieren kann, weil … also Sie brauchen eigentlich einen Kontext von Menschen, denen Sie vertrauen können, die Sie begleiten, die mit Ihnen an einem Strang ziehen. Alles andere führt dazu, dass Sie sich irgendwann auslaugen. Dann kommt so ein Burnout, das kann nicht funktionieren.

JOSEFA SCHMID: Also ich kann Ihnen sagen, dass die Freien Wähler voll hinter mir stehen. Die würden mich sofort wieder aufstellen. Sie haben zu mir auch gesagt, dass sie mich auch als SPD-Bürgermeisterin unterstützen werden.

Ich meine, das ist ja von denen auch damals schon ein wahnsinnig interessanter Zug gewesen, dass sie sich mit dem Kreisverband angelegt haben, indem sie eine CSUlerin aufgestellt haben. Und das, obwohl ich sie eigentlich nach außen hin mies behandelt hab, weil ich sie nur als Steigbügelhalter benutzt habe. Ich hab gesagt „darf ich bei euch mal kandidieren, ich benutz euch ja nur“. Das wussten die, aber die haben gesagt „nein, das ist uns egal, wir wollen diesen frischen Schwung“. Und das muss man denen ganz hoch anrechnen, dass die das ganz uneigennützig gemacht haben.

HAMCHA: Meinen Sie nicht, dass da ein bisschen taktisches Kalkül mitgespielt hat?

JOSEFA SCHMID: Um der CSU eins auszuwischen? Ja, das mag schon sein.

HAMCHA: Also der Spaltpilz ist ja doch irgendwie kürzer.

JOSEFA SCHMID: Ja, das mag schon sein. Das hat denen natürlich auch nicht gefallen. Vor allem meine Mitbewerber hatten bei ihnen auch schon angeklopft, auch mein Vorgänger, nehme ich an, als er angekündigt hat, weitermachen zu wollen. Also das sieht man ja, dass das eigentlich lächerlich ist. Die haben halt erkannt, was da läuft. Und von denen hab ich Rückhalt. Also wenn ich gleich gesagt hätte, und das wäre vielleicht das Gescheiteste gewesen, was will ich denn in der CSU noch, ich trete gleich aus, dann hätte ich mir diesen ganzen Rummel sparen können. Nee, jetzt habe ich natürlich durch diesen ganzen Ärger mit der CSU einen wahnsinnigen Bekanntheitsgrad gekriegt. Aber es schadet der CSU nicht, und ich glaube, dass es wichtig ist, dass man den Finger in die Wunde legt.

HAMCHA: Es kommt eben darauf an, wie sich die CSU in dem Konflikt weiterhin verhalten wird. Also wenn sie sich als Betonköpfe erweisen, die alles, was ein bisserl von der Norm abweicht, ausschließt und mies behandelt, dann wird es der CSU  nicht gut tun.

JOSEFA SCHMID: Deshalb bin ich mit 56% hier Bürgermeisterin geworden und hab diesen Rückhalt gehabt, weil die Leute gesagt haben, dass man so nicht miteinander umgeht. Ich  hab gnadenlos alles aufgedeckt, was die mit mir getrieben haben, damit ich von meinen Plänen ablasse, Bürgermeisterin werden zu wollen. Und die Leute haben gesagt, dass sie das abstrafen. Helmut Brunner hätte ja die Wahl gehabt. Jetzt werde ich dann nächstes Jahr seine Gegenspielerin. Ich bin dann seine Gegenkandidatin von der SPD.

HAMCHA: Die Erfolgsbilanz, die Sie jetzt nach vier Jahren im Amt vorweisen können, ist ja eigentlich beträchtlich. Sie haben sozusagen mit dem Industriegebiet eine alte Sünde geheilt, das vor 20 Jahren an die Stadt Viechtach mehr oder weniger verschachert wurde. Und Sie haben jetzt die Möglichkeit, aufgrund einer relativ geschickten, vertraglichen Situation, die Sie da gestaltet haben, wieder Gewerbe anzusiedeln, und zwar ungefähr dort, wo es eigentlich hätte schon damals stattfinden können. Meinen Sie, dass die Menschen in der Gemeinde Ihnen das honorieren, wird das richtig wahrgenommen?

HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier
Josefa Schmid, Landtagskandidatin der FDP

JOSEFA SCHMID: Also ich achte, nachdem ich ja journalistisch geschult bin, schon auch darauf, dass das kommuniziert wird. Klappern gehört zum Handwerk. Man muss da schon ein bisschen wuchern damit. Das mache ich, ohne mich jetzt hoffentlich anzubiedern. Das gehört zum Geschäft dazu, sonst würde es ja…

HAMCHA: … nicht wahrgenommen.

JOSEFA SCHMID: Ja, und ich hab auch nicht die CSU, die mir das abnehmen würde und mich da loben würde. Im Prinzip muss ich selber dafür sorgen, dass das kommuniziert wird, wobei die Freien Wähler schon auch dahinter stehen. Ich muss mir da selber helfen und es wird sich natürlich am Wahltermin erweisen, ob das honoriert wird oder nicht. Also ich hoffe es, wobei ich glaube, dass die Bürger schon merken, dass ihnen eigentlich nichts besseres passieren kann, als eine junge Frau als Bürgermeisterin zu haben, die das Bürgermeisteramt mit Leib und Seele lebt.

HAMCHA: Darf ich ganz ehrlich sein? Also ich hab ein bisschen Bedenken, ob das nicht vielleicht ein Bärendienst ist, den Ihnen da die SPD erweist, indem sie sagt, sie nimmt Sie auf, Sie werden von der SPD als Kandidatin aufgestellt, deswegen…

JOSEFA SCHMID: Sie wussten das nicht, oder? Das war jetzt neu für Sie.

HAMCHA: Nein, Sie haben mir das jetzt ja gesagt und jetzt weiß ich das…

JOSEFA SCHMID: Ich würde Sie aber bitten, das noch vertraulich zu behandeln, bis ich es offiziell mache, weil ich eben offiziell das Bezirksschiedsgericht bemühe. Es läuft diese Klage von mir.

HAMCHA: Ja, klar, aber das ist etwas, das von außen so wahrgenommen werden kann, als „sie macht dies sozusagen mit jeder Partei, wo sie politisch eine Karriere-Chance sieht“. Das kann im Prinzip langfristig auch nach hinten losgehen.

JOSEFA SCHMID: Naja, wenn man es so ungeschickt macht wie die Gabriele Pauli, dann schon, aber es gibt da auch positive Beispiele wie Wolfgang Clement. Das ist nicht das erste Mal das jemand seine Partei wechselt. Ich habe einfach erst sehr spät erkannt, dass das in der CSU nicht funktioniert. Es wäre vielleicht richtiger gewesen, es mir damals bei der Bürgermeisterwahl nicht zu kompliziert zu machen, indem ich CSU-Kreistagskandidatin und Freie Wähler Bürgermeisterin bin. Ich hätte gleich reinen Tisch machen sollen.

Dadurch, dass ich dann gewählt worden bin, hätte ich gehofft, dass die CSU… dass es geheilt wäre und sie mich aufnehmen würden. Aber das Gegenteil ist eingetreten. Dass ich jetzt da irgendwie nach Gutdünken die Partei aussuche, wo ich etwas werden könnte, das sehe ich nicht so, weil die Leute werden mich weiterhin als konservative Kommunalpolitikerin wahrnehmen. Also…

HAMCHA: Was ist an Ihnen konservativ?

JOSEFA SCHMID: Naja, diese Werte und diese Bodenständigkeit, diese Heimatverbundenheit, auch dass Leistung und Erfolg bei mir etwas zählt, klassische Werte also, die man langläufig dem konservativ-bürgerlichen Lager zurechnet.

HAMCHA: Aber Sie gehen jetzt, und das ist Ihre Entscheidung, in absehbarer Zeit in eine Partei, die ja nicht als konservativ gilt.

JOSEFA SCHMID: Das stimmt, aber ich vergleiche meine Arbeit hier mit Michael Adam und die ist absolut deckungsgleich. Ich erkenne da keine Unterschiede und ich, wir werden das auch so kommunizieren…

(Zur Übersicht)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

©HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, Impressum

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