HAMCHA im Gespräch mit dem Klarinettisten Giora Feidman

© 2012 HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman, 2012

Die Begegnung mit Giora Feidman entfaltete eine ganz eigene ästhetische Dynamik, die ausschließlich von meinem Gesprächspartner ausging. Verabredet war ein 10-minütiges Interview, für dessen Zustandekommen ich die Zusage Giora Feidmans schon als Glücksfall empfand. Es sollte gegen 15 Uhr in einem Hotel in Staffelstein stattfinden, demselben Hotel, in dem Konstantin Wecker zur gleichen Zeit wohnte. Mit ihm war ich für 11 Uhr zu einem kurzen Interview verabredet. Ich traf Konstantin Wecker zum Frühstück, wir waren nicht allein. Anschließend zogen wir uns auf die Terrasse des Hotels zurück. Das „kurze Interview“ dauerte zweieinhalb Stunden. Ich sagte, ich müsse jetzt Schluss machen, weil ich mit Giora Feidman verabredet sei. Konstantin Wecker war’s recht so, er wollte noch einen Ausflug mit Freunden unternehmen, sie warteten schon.

Giora Feidman hatte inzwischen am Nachbartisch zum Mittagessen Platz genommen. Er war in Begleitung einer Dame. Weder das Speisen noch die Anwesenheit der Dame hielten ihn davon ab, sofort mit dem Gespräch zu beginnen. Das „Interview“ mit Giora Feidman entwickelte sich zu einer platonischen Angelegenheit. Ich fühlte mich wie Elenchos im Dialog mit Sokrates. Der Vergleich hinkt, da Feidman mich nicht instrumentalisierte Statements abzugeben, die er ohne Weiteres hätte widerlegen können. Nach wenigen Minuten beschloss er Gedanken zu äußern, die zu erfragen mir nicht in den Sinn gekommen wäre. Ich ließ ihn gewähren.

Ich kannte Giora Feidman nicht persönlich. Anfang der 80er Jahre hatte ich ihn in der Berliner Philharmonie bei einem Konzert erlebt, seither war mir der Klang seiner Klarinette nicht mehr aus dem Kopf gegangen, wobei die Formulierung „aus dem Kopf gegangen“ nicht umfassend genug ist. Wer Giora Feidmans Klarinette einmal vernommen hat, wird vollständig davon erfasst, macht einen auf Lebenszeit resistent gegen, wie Feidman es nennt, „performte Musik”. Für diese Immunisierung war ich Giora Feidman dankbar.

Nun, mehr als 30 Jahre nach jenem Konzert in Berlin, saß mir Giora Feidman gegenüber und erklärte nicht nur den Ursprung jenes Klangs, sondern auch sich selbst. Die Schönheit dieses Gespräches liegt in dessen Transparenz. Es legt nicht nur die Quellen seiner Inspiration offen, sondern auch die Farben seiner Seele.

Nach eineinhalb Stunden gingen wir auseinander und waren erschöpft. Beide. Die Wirkung des Gespräches, war noch nach Wochen akut. Eine Begegnung dieser Intensität hatte ich vorher nur einmal erlebt. Es war die mit Willy Brandt, Ende der 70er Jahre.

Teil 1: Gott gab mir einen Job

Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen / Die Juden hier sagen: ‚Zuerst bin ich Deutscher und danach bin ich Jude!’ / Die Rolle des Judentums ist es, Licht in das Universum zu bringen. / Wenn Musik Religion ist, bin ich religiös! / Wir müssen vorsichtig sein mit der Tradition! / Ich habe eine gute Beziehung zu meinem Gehirn! / Das Konzept der Religion ist falsch. / Die Klarinette ist das Mikrophon meiner Seele. / Ich spreche von den Higher Forces / Das Baby kommt von einem Ort, wo die Sprache Musik ist, wo man tanzt und spielt. / Was ist so schwer daran zu verstehen, dass wir eine Familie sind?



Teil 2: Die Dissonanz ist Harmonie!
http://youtu.be/jOKnUKIZ_Kc
Sie wissen, ich bin ein Jude – der Arzt konnte keinen Unterschied hören! / Der Papst ist nicht Jesus – er ist weit weg davon! / Ein Lied ist ein Gebet / Jemand sagte der Seele, sie solle eine Botschaft überbringen / Warum will die Seele singen? / Was sagt die Musik, was sagt die Farbe, was der Tänzer? – “I love you!” / Hitlers Seele ist zurück gekommen – opernhaft! / Gott bestraft nicht, er sagt: “Ich sende dich zu einem bestimmten Zweck.” / Du bist verantwortlich für die geistige Nahrung! / Jedes menschliche Wesen muss ein Musikinstrument spielen! / Wenn ich jüdische Musik spiele, mache ich das Auditorium jüdisch / Die einzigen Sprachen, die Gott akzeptiert, sind singen und tanzen! / Musik kann vergiftet sein. / Applaus ist Gift, ich flüchte davor! / Das sind die Höheren Mächte der Menschheit! / Ruhe war der Stoff im Fruchtwasser, das ist es, was wir unser ganzes Leben lang suchen. / Ich akzeptiere nicht, dass man sagt, ich hätte zwei Persönlichkeiten

Teil 3: Das ist Deutschland – der Heilungsprozess ist abgeschlossen!

http://youtu.be/eKwoeNt86W0

Keines dieser Völker möchte, dass Bomben geschickt werden. /  Es gibt eine Menge Deutscher, die nicht wissen, aus welchem Land die Namen stammen.Ich hasse Auschwitz, ich gehe nicht an diesen Ort!An die Musiker: Don’t performe, serve society!Wenn Gott anonym bleiben möchte! / Ich unterrichte nicht, weil man das nicht unterrichten kann.





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