Giora Feidman – Ich hasse Auschwitz, ich gehe nicht an diesen Ort!

Giora Feidman

Ich hasse Auschwitz, ich gehe nicht an diesen Ort!

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman und Gitanes Blondes, 2012

FEIDMAN: Man kann nicht nach Auschwitz gehen. Ich hasse Auschwitz, ich gehe nicht an diesen Ort! Er muss ausgenommen sein. Die Deutschen ermordeten dort 600.000, 400.000. – Aber es waren nicht die Deutschen …!

HAMCHA: Es gab sehr viele Deutsche, die Nazis waren.

FEIDMAN: Ich möchte Ihnen eines sagen. Der Vater dieser Dame [Giora Feidmans Begleiterin], genau so wie vielleicht Ihr Vater, musste zur Armee. Dieser Mann verlor seinen Arm. Die Regierung gab ihm 300 DM monatlich, obwohl sie das Geld nicht brauchten, weil sie sehr reiche Leute sind. Aber das spielt keine Rolle, sie bekamen 300 Deutsche Mark von der Regierung, weil er gezwungen war, mit einer Hand auszukommen. Ist er ein Nazi gewesen, weil er zur Armee musste? Ja oder nein! Hat das etwas mit Nazi sein zu tun? Wir müssen vorsichtig sein. Es stimmt, es gab zwei Millionen Deutsche, die den Nazis verrieten, wo die Juden sind. Doch es gab achtzig Millionen Menschen in Deutschland. Und da waren Nazis darunter und da sind Nazis! Ja, wirklich, ich weiß das. Aber es ist ein demokratisches Land. – Ja oder Nein!?

HAMCHA: Ich hoffe es!

FEIDMAN: Ja, ja! Objektiv!

HAMCHA: Ich denke ja.

FEIDMAN: Ja, ja, komplett objektiv! Komplett objektiv! Ich denke nicht, dass es in diesem Land auch nur eine politische Person gibt, die aus politischen Gründen im Gefängnis ist. (weiterlesen)


© 2012 HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier – Impressum

Hinterlasse eine Antwort