Giora Feidman: Gott gab mir einen Job

Giora Feidman: Gott gab mir einen Job

© HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 2012, Impressum
Giora Feidman und Gitanes Blondes, im Konzert Songs an einem Sommerabend, 2012, Kloster Banz

Es sei ihm nie darum gegangen, wie man Klarinette spiele, sagt Giora Feidman (76). Sein gläsernes Instrument sei lediglich ein Mikrophon, welches die physischen Schwingungen erfasse, die beim Zusammentreffen von Seele und Körper entstünden. Die so erzeugten Klänge seien feminin, sie seien die Stimmen der Höheren Mächte der Menschheit, die Antworten geben.

Das erste Mal erlebte ich ihn Anfang der 80er Jahre, im Konzertsaal der Berliner Philharmoniker. In die Stille und Dunkelheit des Saales trat ein sphärisch anmutender Klang, leise vernehmbar erst, dann anschwellend zum Wettstreit zwischen Lachen und Heulen, Flehen und Verfluchen. In dem Maße, wie die Stimmen den Raum erfüllten, wich die Dunkelheit dem Licht. Dreißig Jahre danach verstehe ich die Symbolik dieser Inszenierung.

Im Kurhotel an der Obermaintherme in Bad Staffelstein gab Giora Feidman tiefe Einblicke in seine Auffassung von Musik und Kunst, sprach über die Rolle des Judentums, religiösen Fundamentalismus und die Beziehungen zwischen Juden, Christen und Muslimen. Mit Blick auf Deutschland sagt er, der Heilungsprozess sei abgeschlossen.

Das Gespräch führt Heinz Michael Vilsmeier im Sommer 2012

Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen.

HAMCHA: Giora Feidman, Sie wurden 1936 in Buenos Aires geboren. Ihre Eltern sind Anfang des letzten Jahrhunderts nach Argentinien emigriert. Pogrome in ihrer osteuropäischen Heimat Bessarabien hatten sie zur Flucht gezwungen.

FEIDMAN: Was ist die Rolle des Judentums in der menschlichen Gesellschaft? Wenn jemand die Tora nicht studiert, wird er das heutige Judentum nicht verstehen. Im Hebräischen sagen wir KI MI ZION TEZE TORAH, von Israel, von den Juden wird die Tora ausgehen. Das ist die Zukunft, denn bisher ist die Tora nicht von den Juden ausgegangen. Das Verständnis der Tora erfordert die Betrachtung des Judentums. Man sagt, es ist eine Religion, weil das ein Bezugspunkt ist, den man braucht um zu verstehen. Man sagt zum Beispiel ‚dies ist ein Baum.’ – Doch wie viele Bäume gibt es da? Sind das alles Bäume oder sind es keine? Dieser Baum ist der Bezugspunkt. Man sagt auch, dies ist eine Blume. Doch wie viele Blumen existieren? Unendlich viele!

Wenn man heute vom Judentum spricht, meint man eine Nation, die die Tora besitzt. Dadurch ist es eine bestimmte Nation, nicht irgendeine. Sie ist nie irgendeine Nation gewesen. – Jetzt haben Sie Tacheles! – Wissen Sie, was Tacheles ist? Sie haben Tacheles. Tacheles ist das schlimmste hebräische Wort, man gebraucht es die ganze Zeit.

Wie kann eine Gesellschaft 2000 Jahre überleben? – Nicht mit dem Internet! Wie konnte diese Gesellschaft 2000 Jahre überleben!? Auf Grundlage der Tora! Wie ist das möglich? Es muss da eine Macht geben. Wir haben kein Telefon, um mit ihr zu kommunizieren. Wir wissen nicht, wann eine Stunde vorbei ist. Wir kennen nur die vergangenen Stunden. Außerhalb Israels machen wir aus dem Heute die Vergangenheit, um sicher zu sein, dass jetzt nicht dass Heute, sondern das Morgen ist. In Israel machen wir nur einen Tag, weil wir wissen, dass er das Heute ist. Unsere Gesellschaft versucht seit zweitausend Jahren nach Hause zu gehen.

Der wahre Grund übrigens, warum man uns aus Israel hinausgeworfen hat, ist der Hass zwischen Brüdern, wie wir im Hebräischen sagen. Die Juden sind sehr gefährlich, wenn sie einander hassen. Und das ist nicht erst einmal geschehen. Es ist mehr als einmal passiert! Als wir, wegen des Hasses zwischen den Brüdern, schwach wurden, hat man uns von dort vertrieben.

Die Juden hier sagen: ‚Zuerst bin ich Deutscher und danach bin ich Jude!’

Copyright 2012, HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman und die Musiker Gitanes Blondes, 2012

Unsere Gesellschaft überlebte zweitausend Jahre auf Grundlage der Tora. Da muss es etwas geben, etwas innerhalb der Tora. Ist die Tora für die Juden? – Nein, die Tora ist für die Menschen! Ist das, was in der Tora geschrieben ist geheim? – Es ist nicht geheim, weil es geschrieben ist! Ich muss schreiben. In der Zwischenzeit, weiß ich nicht mehr, ob es ein Geheimnis ist. – Ich sage, dass es ein Wunder ist! Doch was ist ein Wunder? Was bedeutet es? Ich meine, wenn jemandem etwas passiert, sagt man, es sei ein Wunder. Dass meine ich nicht, denn es steht geschrieben. Wenn wir die Tora nicht studieren, können wir der menschlichen Gesellschaft nicht dienen.

Heute besitzt jeder besondere Stärken. Es gibt fabelhafte Anwälte, fabelhafte Wissenschaftler in diesem Land. Deutschland stand einmal für das Ende des jüdischen Volkes. Aber die Juden hier sagen ‚zuerst bin ich Deutscher und danach bin ich Jude’. In der Synagoge, überall, sieht man den Einfluss der Gesellschaft.

Die Rolle des Judentums ist es, Licht in das Universum zu bringen.

Giora Feidman und Gitanes Blondes, 2012
Giora Feidman, 2012

Die Kraft, die das jüdische Volk hat, liegt nicht darin, die besten Rechtsanwälte oder die besten Wissenschaftler zu stellen. Sie liegt darin, die Tora zu studieren und sie zu teilen. Dabei geht es nicht um einen Juden als einem menschlichen Wesen, es geht um die Schöpfung. Die Schöpfung! Das steht da geschrieben. Es ist geschrieben! Es ist sehr kompliziert, die Tora zu studieren, denn ohne Studium der Kabbala kann man sie nicht verstehen. – Wissen Sie, was die Kabbala ist? – Dagegen ist die Tora ein Buch für Kinder. Alles ist ein Akkord. Um diesen Akkord zu verstehen, muss man die Kabbala studieren. Ich habe die Kabbala studiert, aber die Kabbala ist etwas Genetisches. Wenn man aus einer Familie stammt, die die Kabbala studiert, ist man vielleicht auch in der Lage dazu, … I don’t know! Studieren Sie die Kabbala – vielleicht, vielleicht verstehen sie etwas! Ich bin darin involviert! Ich bin darin involviert! Ich bin darin involviert! Man sagt, Jude sein oder kein Jude sein! Ja, ich habe verstanden. Ich bin 76 Jahre alt, ich habe im Laufe meines Lebens verstanden, was meine Rolle ist. Was ist meine Rolle? Wissen Sie, was im Heiligen Buch geschrieben ist? – „Light to the Universe!“ Die Rolle des Judentums auf diesem Planeten ist es, Licht in das Universum zu bringen. Das Judentum wurde dem jüdischen Volk nicht für das jüdische Volk gegeben! Dem jüdischen Volk wurde die besondere Kraft gegeben, dieses Geheimnis mit der ganzen Menschheit zu teilen.

Copyright 2012, HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman und Gitanes Blondes, 2012 im Konzert “Songs an einem Sommerabend” in Kloster Banz

Wenn Musik Religion ist, bin ich religiös!

HAMCHA: Ist das in der Tora geschrieben?

FEIDMAN: Ja! – Und hier beginnt der Antisemitismus! – Wieso? – Bewusst oder unbewusst. Die ganze Menschheit! Bewusst oder unbewusst, weil dies Teil der Schöpfung ist. Gott sagt zu uns allen: “Ich gebe die Tora, dort ist alles geschrieben!” – Da ist nichts in der Tora, da steht nicht, was heute existiert! – Sie sprechen nicht mit einem Typen mit Kippa! Sie haben mich nach meiner Religion gefragt – oder auch nicht. Wenn Musik Religion ist, bin ich religiös! Wenn Musik Religion ist, dann bin ich sehr gläubig!

Haben Sie gestern gesehen, was passiert ist? – Ich bewege mich auf der ganzen Welt. Niemand sagt zu mir ‚Du bist ein Jude!’ Der Grund ist, dass ich mich nicht als Jude in der Bibel fühle und ich fühle mich nicht als Jude hier. – Die mächtigste Energie, die den Antisemitismus schafft, ist, dass wir die Geheimnisse haben und nicht mit ihnen teilen wollen! Aber warum teilen wir nicht mit ihnen? Nicht weil ich nicht will, sondern weil ich die Tora nicht verstanden habe.

Sehr einfach! – Das bedeutet nicht, dass die Typen mit dem blauen Ding, sarkastisch gesagt, die schwarzen Orthodoxen, etwas wissen! Sie machen den ganzen Tag so! [kippelt rhythmisch nach vorne] Sie machen das aus Tradition. – Sie beten an Jom Kippur und sie suchen einen Schuldigen! Demnächst fangen sie wieder damit an! Das ist kein Judentum!

Wir müssen vorsichtig sein mit der Tradition!

HAMCHA: Ich verstehe …

FEIDMAN: … nein, sagen Sie dass nicht! – Wir müssen vorsichtig sein mit der Tradition! – Tradition ist stark! … Fragen Sie einen Orthodoxen, warum Juden eine KIPPA tragen sollen. – Sie wissen, was eine Kippa ist? – Fragen Sie den Typen, fragen Sie ihn! – Wissen Sie, warum die Juden, und nicht nur die Juden, die Kippa haben? – Es ist dieser Teil des Körpers [legt die Hand auf die Schädeldecke], wo die größte Menge an Energie ein- und aus tritt. Wenn man das macht [bedeckt die Schädeldecke], hat man eine Begrenzung der Energie.

Stellen Sie sich eine Glühbirne mit 120 Volt vor, Okay? Weil sie eine Begrenzung hat, werden die 120 Volt elektrischer Spannung wirksam. Wenn aber die Begrenzung wegfällt, verglüht der Glühfaden in einer Sekunde. Die Begrenzung ist kaputt. – Da ist nichts Religiöses, wenn man eine Kippa aufsetzen soll. Unser Verständnis ist, dass man hier eine Begrenzung haben soll [legt die Hand auf die Schädeldecke]!

HAMCHA: Man soll damit Energie festhalten?

FEIDMAN: Nein, sagen Sie Elektrizität, sagen Sie Elektrizität! … Meinetwegen sagen Sie amerikanische Elektrizität. … Nehmen Sie an, die Elektrizität sei ein Volt. Hier, dort, überall ist Elektrizität. Nun, die Elektrizität weiß nicht, ob sie für einen Kühlschrank, zum Kochen oder für ein Auto benutzt wird. Alles was sie weiß ist, dass wenn du sie benutzen willst, sie nur arbeitet, wenn sie isoliert wird. Wenn nicht, verbrennt sie dich! – Ist es wahr oder nicht!? Wenn man Elektrizität ohne Begrenzung nutzen will, wird sie einen verbrennen! … Die Isolierung verhindert das und schützt vor dem Unglück. Was ist Gott? – Wollen Sie Gott verstehen? Er ist Energie! – Wenn Sie keine Begrenzung haben, verbrennt er Sie.

Ich habe eine gute Beziehung zu meinem Gehirn!

Copyright 2012 HAMCHA art inegration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman und die Musiker Gitanes Blondes, 2012

Was haben die Drogenabhängigen damit zu tun? Die Droge bringt sie an einen Ort, wo man nicht sein soll. Die Droge ist okay, sie bringt einen irgendwo hin. Aber man soll nicht dort sein! Dieser Ort ist so stark, dass man die Orientierung verliert. Man soll nicht dort sein! Man ist nicht darauf vorbereitet. Man wird irgendwann ohnehin dort ankommen. – Ich war mit Menschen zusammen, die Drogen nehmen. Ich hatte das Geld, selbst welche zu kaufen. Wissen Sie, in diesem Beruf trifft man Theatermenschen, Musiker, Künstler. Ich war damals noch jünger. Nachdem ich eine Aufführung beendet hatte, luden Sie mich zu einer Party ein. Ich sagte nein, ich will nicht. Und sie sagten, ‚Du bist einer von uns, Du kannst doch nicht spielen ohne Drogen!’ – Ich brauche sie nicht!

HAMCHA: Sie haben selbst niemals Drogen genommen?

FEIDMAN: Niemals! Ich habe kein Bedürfnis. Ich trinke auch keinen Alkohol! Wissen Sie, warum nicht? Weil … Alkohol ist gut, Wein ist gut … weil Alkohol, ein Beer, dieses hier ist alkoholfrei, ist fantastisch! Bier, ein Glass davon, berührt das Gehirn! Man denkt es macht einen frei, die Frage ist nur, frei von was? – Frei, nicht mit seiner Energie verbunden zu sein! Ich brauche das nicht. Ich habe eine gute Beziehung zu meinem Gehirn! Ich habe sogar eine sehr gute Beziehung zu meinem Gehirn!

Copyright 2012, HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman und Gitanes Blondes, 2012 im Konzert “Songs an einem Sommerabend” in Kloster Banz

Das Konzept der Religion ist falsch.

Sehen Sie, das Konzept der Religion ist falsch! Religion wird auf diesem Planeten nur in diesem Moment gebraucht, nicht wie es die Muslime wollen. – Wissen Sie, ich habe Freunde unter ihnen und ich lebe mit ihnen in Israel, fragen Sie sie! Religion ist falsch! Der Terrorismus, der Fanatismus ist nicht geschrieben im Koran, das Gegenteil ist der Fall! Es gibt sehr viel Liebe im Koran. Das ist sehr interessant, die Konzeption der Liebe, der Muslime, im Koran ist Freundschaft! Wissen Sie, ich lebe mit ihnen. Es ist fantastisch, es ist so … kolossal! Freunde, einer besucht den anderen, ob Muslim, ob Jude, ob Christ!

HAMCHA: Akzeptiert die israelische Gesellschaft, dass Sie mit Arabern freundschaftlich zusammenleben?

FEIDMAN: Wir leben alle mit Arabern! – Sie fragen das, weil Sie von den Medien beeinflusst sind! Warum sollten wir die Art und Weise unseres Umgangs auch nur ein bisschen ändern? Es wird zwei Länder geben, es sind schon zwei Länder. Aber kein Araber wird von Israel nach Palästina gehen, nicht Einer! Nicht Einer, weil sie ein Liebesleben in Israel führen, wie in einem westlichen Land. Und es geht gut im Bett. Der Grund, warum sie uns dort nicht wollen ist der, dass wir so überheblich sind. Die Hamas in Gaza will, dass die Mädchen mit ihnen gehen und die Mädchen sagen, „kämpft darum!“ Und deswegen wollen sie wie die israelischen Soldaten sein. Sie sagen, „ich bin ein Muslim und ich möchte mit Jeans herumlaufen!“

Die Klarinette ist das Mikrophon meiner Seele.

Copyright 2012, HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman:
Die Klarinette ist das Mikrophon der Seele

HAMCHA: Giora Feidman, was bedeutet Klezmer für Sie?

FEIDMAN: Nein, für Sie! Sie brauchen Information darüber, was die Goika ist. Sie brauchen Information über die Herkunft. Die Bedeutung des Wortes Kli Zemer liegt in zwei hebräischen Wörtern, deren Übersetzung „Instrument des Liedes“ ist. Der Körper ist ein Instrument des Liedes mit einer Stimme, mit der er eine Sprache zum Ausdruck bringen kann, die man Musik nennt. Die jüdischen Folkloresänger in Osteuropa nannten es Klezmer, „instrument of song“. Wenn Sie ein Musikinstrument benutzten, war es in Europa stets die Klarinette. Die Klarinette ist das Mikrophon meiner Seele. Ich lasse die Seele erklingen. Der Ausdruck der Seele durch den Atem ist erstaunlich. Man nimmt Luft, … H … H … doch die Luft ist kalt, aber im selben Moment ist sie heiß! Ich muss ein Feuer in mir haben! Wie kann das sein? Gibt es eine Maschine, die das macht? Ich nehme jetzt Luft … H … sie ist kalt! Die Luft außen ist kalt! Ich schicke Ihnen die Luft, sie ist warm! Und der Atem ist die Botschaft! Der Atem ist die Botschaft! Wenn wir sprechen, ist es das Gleiche. Der Atem ist die Botschaft, die Luft ist der Treibstoff, der den Atem hinaus presst. Es gibt zwei Dinge, eines ist die Luft und eines ist der Atem. Erklären Sie, wie es sein kann, dass mein Körper und ihr Körper warm sind, obwohl 75 Prozent der Luft in den Körper fließen!? Es muss etwas geben, was die Luft warm macht. Wir haben darüber gesprochen, wer an Gott glaubt. – Es muss etwas geben, was diese Luft warm macht, im selben Moment, in dem ich sie einsauge. Ich gieße Wasser in einen Boiler und muss fünf Minuten warten, bis es warm wird. Aber wenn ich … H … H … mache, ist die Luft warm!

HAMCHA: Hat das mit der Energie zu tun, die Sie als Gott beschrieben haben?

FEIDMAN: Ja. Wissen Sie, wenn Sie von Leben sprechen, wenn Sie ChajIm sagen, ist es nicht damit verbunden, sondern mit der Seele, nEffesch. Die Seele gibt dem Menschen Leben. Wenn man nachweist, dass die Seele herausgegangen ist, nennt man das Tod. Der Moment, in dem die Seele herausgeht, macht uns zunichte, verbrennt uns, weil dann überhaupt kein Wert mehr vorhanden ist.

HAMCHA: Haben wir unterschiedliche Leben, mehrere Seelen oder partizipieren wir alle an einem Leben, einer Seele?

FEIDMAN: Diese Frage ist total, total vergiftet. – Dazu habe ich keine Information! Etwas ist darin enthalten. Ist es eine Seele oder sind es unterschiedliche Seelen? – Ich bin da noch nicht eingestiegen. – Ja, es sind wohl unterschiedliche Seelen. Es sind unterschiedliche Seelen aber ich habe keine Informationen, ich fühle es nicht. Aber in der Gesellschaft wird das Leben genetisch erklärt.


HAMCHA: Denken Sie, dass die Seele ein Teil Gottes ist?

FEIDMAN: Ja, der Schöpfung. – Ich könnte immer weiter machen aber sie sagen ‚Hey, stop it now!’

HAMCHA: Nein, ich meine die Seelen. Sind sie Emanationen Gottes?

FEIDMAN: Ja, ja, sicherlich! Jemand ist der Eigentümer, jemand muss sie führen, irgendjemand hat den Computer, die Information, das Programm für das Projekt eingegeben! Jemand hat das gemacht oder nicht? – Irgend Jemand hat das Programm gemacht!

Wissen Sie, ich habe Freunde in … es spielt keine Rolle von wo sie sind. Ich habe Freunde, Doktoren! Während der NATO-Kriege habe ich in Krankenhäusern der Armee gespielt. Einer der Guys sagte: „Du bewegst deine Finger auf der Klarinette, weißt Du eigentlich, was für ein Mechanismus das ist?“ Er ist Orthopäde und weiß Bescheid, was Gott mir alles gegeben hat. Ich weiß nicht, was da drin vor sich geht, aber er sah es ganz genau. „Weißt Du“, sagte er, „hast Du eine Vorstellung, was Du da machst, welcher Mechanismus das ermöglicht!?“ …

HAMCHA: … wenn Sie die Klarinette spielen?

FEIDMAN: Ja! – Er sagte: „Du bewegst dies, du bewegst das – weißt Du, welcher Mechanismus das ist!?“

HAMCHA: Klarinette spielen ist …

FEIDMAN: … sehr einfach! …

HAMCHA: … Sie sagen es ist sehr einfach!?

FEIDMAN: Puh!

HAMCHA: Sie machen es jeden Tag?

FEIDMAN: Ja, ich kann es Stunden lang machen, Stunden! – Manchmal machen wir Aufnahmen. Diese jungen Leute und ich machen Aufnahmen, seis, six, sieben, eight hours. Ich könnte immer weiter machen aber sie sagen ‚Hey, stop it now!’ – Wissen Sie, wir haben die Dinge umgedreht!

Ich spreche von den Higher Forces

HAMCHA: Für Sie ist es so als würden Sie atmen?

FEIDMAN: Ja, wie sprechen!

HAMCHA: Ich meinte eigentlich Atmen …

FEIDMAN: Ja, das ist das Gleiche wie sprechen!

HAMCHA: Also ist die Klarinette Ihre Stimme?

FEIDMAN: Nein, sie ist das Mikrophon! Die Stimme ist die ‚inner still voice’! Man hat eine innere Stimme, das Lied ist dort! Die Yogis, die Hindu sagen, die innere Stimme ist die physische Kommunikation zwischen Seele und Körper. Das geschieht physisch! Unsere innere Stimme denkt vierundzwanzig Stunden. Sie weint nicht und sie lacht nicht. Wenn der Klang, die Farbe, warm ist, schreit sie nicht. Nimm deine Stimme, nimm deine Klarinette, wenn du es fühlst. Aber ich muss es tun, um meine innere Stimme mit dir zu teilen. Denn dort ist der Ort, an den „sie“ mir die Nachrichten schicken. Von dort [deutet nach oben] kommen sie und ich sende sie an dich! – Irgendwie muss ich da wohl ein Guthaben besitzen … – Nein, kann eigentlich nicht sein!

HAMCHA: Wenn Sie sagen, „sie“ senden Ihnen die Nachrichten von dort, meinen Sie damit Gott?

FEIDMAN: Ja, die Higher Forces. Ich nenne sie Higher Force. Damit kommen wir zu der Frage, ob es einen Gott oder mehrere gibt. Ich weiß es nicht, aus diesem Grund spreche ich von den Higher Forces.

Das Baby kommt von einem Ort, wo die Sprache Musik ist, wo man tanzt und spielt.

HAMCHA: Also sprechen Sie nicht von einem Gott?

Copyright 2012: HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Giora Feidman bei dem Konzert “Songs an einem Sommerabend”, 2012 in Kloster Banz

FEIDMAN: Da habe ich nicht genug Information. – ‚I hob nicht gelernt!’ Ich kann da nichts sagen, weil ich in dieser Angelegenheit nichts weiß. Ich bin eine Person die das, was die Gesellschaft Meditation nennt, lebt. Aber es ist ein bisschen dumm so zu sein und zu meditieren, weil jeder mit dieser Energie oder was auch immer, geboren ist. Was gibt es da noch zu meditieren!? – Das Baby kommt von einem Ort, wo es nur Meditation gab. – ‘There was only meditation’. Der Wunsch des Körpers, etwas zu bekommen, beginnt, sobald er im Mutterleib gelandet ist. Die Mutter gibt ihm Meditation. ‘Ah, das Bay schläft!’ Warum singt die Mutter zu dem Baby? Why? Weil es von einem Ort kommt, an dem die Sprache Musik ist, wo man tanzt und spielt. – Jetzt mal Tacheles, haben Sie das gewusst?

Da ist das Baby, das zu seiner Mutter sagt: „Möchtest du mit mir kommunizieren? – Dann sing zu mir!“ Das Baby tanzt. Schauen Sie in sein Bettchen! Es bewegt die Beine! Das Baby macht einen Aufstand, es schreit! Sie nehmen das Baby in den Arm und machen so [macht eine wiegende Bewegung], und es ist Ruhe! Natürlich wird es auch schreien wenn es hungrig ist. Aber eigentlich möchte es tanzen! – Was ist dieses Links, Rechts, Mitte? Verstehen Sie, das ist ein und dasselbe, es ist einfach nur Tanzen, so lange es lebt! Menuett und viele andere Tänze kommen dazu. Aber was ist bei einer Hochzeit? Es wird die Verwandlung tanzen, die Heiterkeit und die Trauer. Dies sind natürliche Kräfte, mit denen wir auf die Welt kamen.

Was ist so schwer daran zu verstehen, dass wir eine Familie sind?

Es gibt noch einen anderen Aspekt. … Nehmen Sie unterschiedliche Babys von unterschiedlichen Müttern mit unterschiedlichen Religionen und unterschiedlichen Hautfarben. Oder nehmen Sie einen Jungen und ein Mädchen. Gehen Sie an einen Ort, wo ganz viele Babys sind. Wenn sie zu schreien anfangen, dann ist es nur ein Klang. Es ist nur ein Klang. Nur ein Klang! – Sie werden nicht sagen können ‘dieses Baby ist von einem jüdischen Menschen’ oder ‚dieses ist von einem schwarzen Menschen’. Dieses ist ein Mädchen und das da ist ein Junge. Es ist ein Klang! Der Schrei eines Babys – was ist so schwer zu verstehen, dass wir eine Familie sind? – Was ist daran so schwierig, sagen Sie es mir!

HAMCHA: Ich kann nicht!

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier.

Weiterlesen: Die Dissonanz ist Harmonie oder zur Übersicht

Der dritte Teil des Gespräches erscheint am 07.02.2013

© 2012 HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier – Impressum

One thought on “Giora Feidman: Gott gab mir einen Job

Hinterlasse eine Antwort