Edmund Stoiber: Wir brauchen einen, der beide Ämter stemmt.

Dr. Thomas Goppel: “Stoiber sagte: Wir brauchen einen, der beide Ämter stemmt.”

© HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 2012
Dr. Thomas Goppel (MdL)

HAMCHA: Sie waren Herrn Seehofers Gegenkandidat, der ja dann zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, haben aber Ihre Kandidatur zu seinen Gunsten zurückgezogen. Was war für Sie der ausschlaggebende Grund für diesen Schritt?

GOPPEL: Der Anlass war Edmund Stoiber, der ja davor lange Jahre mein Chef war, und dabei Maßstäbe gesetzt hat, die mir nicht gleichgültig sind. Edmund Stoiber hat in der Debatte um die Frage, wer kandidiert, die Parole ausgegeben: Wir brauchen einen, der beide Ämter stemmt. Sein Grund für diese Forderung war ersichtlich: Weil sich im Vorfeld die Teilung des Amtes des Vorsitzenden plus Ministerpräsidenten nach seiner Meinung nicht bewährt hat, wollte er die erneute Konzentration. Dabei ist die Teilung des Amtes nicht wirklich ein Problem. Als Problem erweisen sich, wenn überhaupt, die Personen, um die der Streit geht.

Dass wir das ein für alle mal festhalten! Der Grundsatz gilt für beide Lösungsvarianten! Anders gesagt: Wer ein Amt nicht unabhängig von den Personen sieht, sondern vorweg festlegt, ‚ich will’s so haben’, weil ich einen Kopf durchsetzen will, der macht einen Fehler. Edmund Stoiber hat anhand von Personen, von Beckstein und Huber geurteilt. Das war die halbe Miete. Stoiber forderte in der Conclusio einen Kopf und nicht wieder zwei. Joachim Herrmann und ich hatten beide gesagt, wenn die Ämter getrennt werden, treten wir an. Denn das Vorsitzendenamt hatte Seehofer ja schon. Nachdem die Partei insgesamt in ihren Untergliederungen in mehreren Voten erkennbar gemacht hatte, dass sie die neuerliche Zusammenführung der beiden Ämter erwartet, fiel eine Kampfkandidatur ins Wasser.

HAMCHA: Ist Ihnen dieser Schritt schwer gefallen ist?

GOPPEL: Nein, der ist mir deswegen nicht schwer gefallen, weil es die mitgliederschaftliche Vorkondition gab. Mir ist viel schwerer gefallen zu sagen: „Ich will kandidieren.“ Und kandidiert habe ich nicht deswegen, um Horst Seehofer zu verhindern. Dazu gab es da gar keinen Grund. Das finde ich, darf auch jetzt noch festgehalten werden. Ich habe kandidiert, weil ich die mögliche Kandidatur eines Dritten verhindern wollte. Das ist mir zu dem Zeitpunkt auch gelungen.

Es gab den Anderen, der unbedingt Ministerpräsident werden wollte.

HAMCHA: Was wäre die andere Kandidatur gewesen?

GOPPEL: Es gab ihn, den Anderen, der unbedingt Ministerpräsident zu dem Zeitpunkt werden wollte. Dagegen habe ich mich gestellt.

HAMCHA: Können Sie einen Namen nennen?

GOPPEL: Nö. [lacht] – Weil ich die Diskussion um die Zukunft in der CSU nicht unnötig erschweren will. Das ist der Grund. Die wichtigen Leute wissen, wie das war und das ist im Moment jedenfalls nicht veröffentlichungsfähig oder nicht publikationsfähig. Auch weil ich glaube, dass wir zuerst noch aufgebaute Hürden und Fronten abbauen müssen, um uns wirklich neu aufzustellen, schweige ich da. Nur das bringt etwas. Die Union muss sich wieder finden und die CSU muss ihre Wortführerrolle in diesem Prozess wieder klar beschreiben, darf keine billigen Ablenkungskampagnen zulassen.

HAMCHA: Im nächsten Jahr werden Landtagswahlen sein, was sind die wichtigsten Themen, die die CSU auf die Tagesordnung setzen sollte.

GOPPEL: Europa, Familie, Energie, Bildung.

HAMCHA: Sollen wir mal diese Themen durchgehen? – Stichwort: Europa. Als ich die Frage zur Fußball EM stellte sagten Sie, wir hätten momentan eine Situation, in der Deutschland sehr erfolgreich ist in der Welt, auch innerhalb Europas. Und deswegen gäbe es bestimmte Animositäten! Ist das ein Punkt, den die Europapolitik der CSU thematisieren muss? (Weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier am 13.06.2012 im Bayerischen Landtag

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