Dominik Plangger: Ich kann 50 Leute locker unterhalten

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger bei Songs an einem Sommerabend, 2012

HAMCHA: Macht Applaus süchtig?

Dominik Plangger: Mich nicht, aber ich kenne es bei anderen Musikern, dass die sich sehr gerne darin baden. Mich macht das nicht süchtig. Es ist schön, wenn Leute auf deiner Seite sind, mit der Aussage: “Was Du machst, ist schön!” Ich empfinde es als Dankeschön aber ich brauche das nicht.

HAMCHA: Warum machst Du es?

Dominik Plangger: Weil ich meine Musik spielen und meine Lieder zum Besten geben will. Musik machen sollte nicht

unbedingt mit dem Ego so zusammenhängen, dass man nur aus egoistischen Gründen Musik macht. – Ich mache es, weil ich einfach Spaß dabei habe, weil ich es gerne tue und weil es seit meiner Kindheit mein Lebensinhalt ist.

HAMCHA: Dominik, was war Deine schönste Erfahrung auf der Bühne?

Dominik Plangger: Da gibt es viele. Eine der schönsten Bühnenerfahrungen war, als ich zum ersten Mal in Kloster Banz mit Konstantin Wecker auf der Bühne stand und zwei Lieder mit ihm gesungen habe, weil ich Konstantin Wecker schon mit 15 gehört habe. Das habe ich mir immer im Traum vorgestellt, wie das wohl wäre, mit Konstantin Wecker gemeinsam auf der Bühne zu stehen. – 15 Jahre später, zack bum, stehe ich mit ihm auf der Bühne. Das ist sicherlich eines der schönsten Erlebnisse gewesen.

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Dominik Plangger und Konstantin Wecker auf der Bühne in Kloster Banz

HAMCHA: War das ein Ziel?

Dominik Plangger: Nein, das war kein Ziel! Das hat sich einfach so ergeben.

HAMCHA: Hast Du jetzt ein Ziel?

Dominik Plangger: Nein. Ich weiß ungefähr, wo ich hin will, ich weiß, dass ich gerne mit meiner Musik, mit dem was ich mache, womit ich mich am wohlsten fühle, meinen Lebensunterhalt verdienen.

HAMCHA: Was war Deine schlechteste Bühnenerfahrung?

Dominik Plangger: Auf der Straße habe ich ein paar komische Sachen erlebt. In Wien wurde ich fast einmal verhaftet von der Polizei, weil ich Straßenmusik gemacht habe und ich mich nicht ausweisen konnte, weil ich den Ausweis zuhause bei der Freundin hatte. Die Polizei hat gesagt, „wenn Du Dich nicht ausweisen kannst, müssen wir Dich mit aufs Revier nehmen und Sie werden festgehalten, bis Ihre Identität bewiesen ist“. Da denkt man, ich stehe hier und mache ein bisschen Musik und dann passiert so was. – Bei Konzerten sind schlimme Momente die, wenn irgendetwas mit der Technik nicht klappt, wenn man zum Beispiel auf eine Bühne kommt, wo man durch eine Blechbüchse singen muss, statt durch ein Mikrophon. Das sind sehr schlimme Situationen, weil Du weißt, Du bist gebucht und Du musst 40 Minuten Programm spielen und Du musst jetzt durch diese Blechbüchse singen.

HAMCHA: Wie gehst Du mit einer solchen Situation um?

Dominik Plangger: Entweder, das ist mir in Kempten passiert, sage ich, über diese Anlage spiele ich nicht, das mache ich nicht, das geht sich nicht aus, ich singe ohne Anlage. Der Veranstalter sagte, „ja, wenn Du ohne Technik spielen willst, bekommst Du keine Gage!“. Ich habe auf die Gage verzichtet und ohne Technik gespielt. Es waren 50 Leute im Publikum, die wurden alle still. Ich konnte die 50 Leute locker unterhalten, ohne Mikrofon und ohne Boxen. Das war mir lieber, als durch eine Blechbüchse zu singen, den Leuten Schmerzen zuzufügen und das billigste technische Equipment in Kauf zu nehmen, das da vorhanden war. Man kann musikalisch oder gesanglich noch so gut sein, wenn man ein scheiß Mikrophon vor dem Mund hat, dann tut es halt immer noch enorm weh.

HAMCHA: Du hast gerade die materiellen Schwierigkeiten Deiner Musik angesprochen, das ist zum einen die Technik, zum anderen die monetäre Seite. Da gab es einen Veranstalter, der Dir die Gage verweigerte. Das zeigt, wie problematisch die materiellen Bedingungen Deiner Arbeit sind.

Dominik Plangger: Ich finde es total schlimm, wenn man irgendwo spielt und einfach nicht geschätzt wird. Das ist richtig beschissen. Wenn man irgendwo etwas essen oder trinken geht, muss man, gerade auch in Österreich, sofort Trinkgeld geben, das ist beinahe schon Pflicht, obwohl ich kein Geld habe und ich kein Trinkgeld geben kann. Wenn ich sage, dass ich sparen muss, es ist eh alles schon so teuer, wird man schon schief angeschaut, weil man kein Trinkgeld gibt. Aber wenn ich bedenke, mit welchen Gagen man sich als Liedermacher oder überhaupt als Musiker herumschlagen muss, glaube ich, dass es jedem,hinter dem Tresen steht, auch wenn er kein Trinkgeld bekommt. Ich spiele oft in Wien, da wird mir gesagt „Du kannst gerne hier spielen aber Du musst halt Deine Leute selber bringen“ oder Blabla, keine Gage, gar nichts … und Essen und Trinken selber bezahlen. Da denke ich mir schon, ‚ja super, ich biete etwas sehr wertvolles, Lifemusik, einen Abend lang und dann bekomme ich einfach nix’. Ich glaube, da ist die Kultur sehr verkrüppelt in der Hinsicht.

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Dominik Plangger, 2012

HAMCHA: Hast Du Anlass zur Hoffnung, dass sich Deine monetäre Situation verbessern wird?

Dominik Plangger: Ich denke schon. Auch jetzt, mit der Agentur wird sich ein bisschen was ändern, alleine dadurch, dass ich endlich einen professionellen Weg gefunden habe, mich anzubieten.

HAMCHA: Seit wann vertritt Dich diese Agentur?

Dominik Plangger: Seit etwa einem Monat. Das ist jetzt noch alles im Aufbau. Es ist natürlich sehr wichtig, dass man professionelle Leute hinter sich stehen hat, die einem beispielsweise die ganze Pressearbeit machen. Ich bekomme ab und zu Interviewanfragen von Zeitungen, jetzt kann ich das alles mit der Pressesprecherin in der Agentur machen. Das machen die dann alles und auch die Abwicklung der Gagen, das ist schon sehr, sehr fein, weil diese Profis auch auf den Veranstalter einwirken können.

HAMCHA: Die Agentur nimmt Dir den Kampf mit den Veranstaltern ab.


Dominik Plangger: Genau und das ist sehr fein.

HAMCHA: Es ist sicherlich sehr demütigend, eine Leistung auf der Bühne zu erbringen und anschließend betteln muss, …

Dominik Plangger: Ja, ja, genau!

HAMCHA: … die verabredete Gage zu bekommen.

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Prinz Chaos und Dominik Plangger, Paradiesvogelfest, 2012

Dominik PlanggerBei Prinz Chaos habe ich jetzt eine sehr gute Gage bekommen, die bekommt man nicht überall. Er ist ein sehr guter Freund und er weiß sehr gut, dass jeder sein Geld haben will. Natürlich unterstütze ich ihn auch sehr gerne. Weißt Du, so eine Gage bekommt man teilweise nicht in Kneipen, wo es die ganze Woche gerammelt voll ist, wo man spielt und wo man noch mehr Leute rein bringt, die dann vier Stunden und noch länger dort feiern. Letztes Mal hab ich in Wien mit dem Prinzen zusammen gespielt, da haben wir zu zweit 70 Euro Gage bekommen, 35 pro Kopf! Ich hab da auch nichts zum Veranstalter, dem Besitzer dieser Kneipe gesagt, weil ich mir dachte, wenn du das selber nicht verstehst, dann habe ich jetzt das letzte mal hier gespielt.

HAMCHA: Liegt das an einem Mangel an Auftrittsorten, wo man als Liedermacher gefragt ist?

Dominik Plangger: In Österreich sowieso nicht. In Österreich existiert fast keine Liedermacherszene, sagen wir mal so, sie existiert überhaupt nicht und es gibt sehr wenige Auftrittsmöglichkeiten, auch nicht in Wien. Wien hat die ganzen Musikstudenten, aus denen sich hunderttausende Bands herauskristallisieren. Die guten Clubs sind alle komplett in der Hand von Musikstudenten. Wenn du in Wien nicht irgendeinen Kontakt hast oder über eine connection mit der Musikuniversität verlinkt bist, hast du wenige Chancen.

HAMCHA: Beschreibt das Deine Situation?

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Dominik Plangger, Paradiesvogelfest, 2012

Dominik Plangger: Ja, ja, ich bin als Nichtstudent in Wien angekommen und habe den Kontakt zu den Leuten nicht, die auf der Universität Musik studieren und von denen ich genau weiß, dass sie die guten Lokale in Wien besetzen. Wenn man mit diesen Leuten nicht vernetzt ist, hat man keine Chance.

HAMCHA: Wann bist Du nach Wien gegangen?

Dominik Plangger: Im Herbst 2009. Ich hab das damals schon gewusst, aber das man dann so ignoriert wird, selbst von den Musikstudenten, dass ist richtig krass. Wenn man nicht zu dieser Clique, zu diesem Musikerkreis gehört, wird nicht beachtet. Das ist in Deutschland anders, dort braucht man nicht den Stempel einer Musikuniversität, wenn man etwas machen will. In Wien sehe ich das und es regt mich mittlerweile ehrlich auf, dass, sobald man nicht den Stempel von der Musikuniversität auf dem Hirn pappen hat, einem kein Mensch Achtung schenkt.

HAMCHA: Demnach siehst Du Deine musikalische Zukunft nicht in Österreich?

Dominik Plangger: In Österreich schon aber nicht in Wien.

HAMCHA: Gibt es in dieser Hinsicht einen Unterschied, zwischen Wien und dem Rest von Österreich?

Dominik Plangger: Deswegen, weil in Wien so viele Musikstudenten sind und alles in deren Hand ist. Ich glaube Österreich wäre schon bespielbar durch Liedermacher aber die Österreicher sind einfach nicht so weit.

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Dominik Plangger und Prinz Chaos, Paradiesvogelfest, 2012

So ein Festival wie das Paradiesvogelfest, könnte man in Österreich nicht auf die Beine stellen, weder von den Besuchern noch von den Künstlern her. In Weitersroda waren jetzt ja nur wenige von den Liedermachern der neueren Generation, die es in Deutschland gibt.

HAMCHA: Bist Du für Österreich ein Unikat? (zur Übersicht / weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

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