Vogelmayer

Vogelmayer vui spuin, überoi spuin

Vogelmayer

vui spuin, überoi spuin

Liada wie Axthiebe – Gespräch mit dem bayerischen Liedermacher Thomas Vogelmayer (Teil 6)

HAMCHA: Andere Künstler lassen sich von einer Agentur managen.

Vogelmayer: Ja, die verdient dann hoid a an gehörigen Anteil mit.

HAMCHA: Okay, aber dann sitzt man auch nicht 20 Stunden in der Woche am PC und versucht, das selbst zu organisieren. – Das Problem ist ja, dass man sich als Künstler selbst vermarkten muss …

HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier
Vogelmayer – der Niederbayer mit der Gitarre

Vogelmayer: … Genau! …

HAMCHA: … und das Du sagen musst, ich bin so und soviel wert und der Veranstalter will oder kann das nicht als Gage bezahlen. Also stellt sich Dir die Frage, ob Du bereit bis, von Deiner Gagenvorstellung runter zu gehen.

Vogelmayer: Ja, i sog hoid i bin … Ned amoi von der Gage runter zugehen. Es is ja immer so, es gibt oan, der a Lokalität hat, der das Wirtshaus hod oder die Kneipe. Dann gibt’s dazwischen die Agentur und auf der anderen Seitn den Künstler. I kon natürlich, wenn i an den Wirt selber herantrete, wesentlich günstiger sei. Wenn der sogt, er hod im Monat drei Events und wenn er drei mal mit der Agentur was macht, zoid er wesentlich mehr oder verdient selber wesentlich weniger, weil die Agentur ja des Geld irgendwoher nehma muas. Entweder nimmt se’s von der Künstlergage oder er nimmt’s vo dem, was am Wirt übrig bleibt, wenn de Besucher kemman. Und do hob i iatz scho gmerkt, deswegen bin i eigentlich a auf diesem Trichter, dass i sog, ohne Agentur funktioniert’s eben a, es funktioniert sogar teilweise sehr guad, weil vui Wirte oder Kneipenbesitzer eigentlich sogn: „Okay, da muas i ja gar koane 500 Euro ned zoin, da glangan ja 300 Euro a. Und die Bude is genau so voi und es wird genau so vui drunga und es san genau so vui Leid da.


HAMCHA: Deiner Meinung ist es also kein Zeichen von Professionalität, wenn man sich als Künstler von einer Agentur vertreten lässt?

Vogelmayer: Ja, ja, natürlich, ab einem gewissen Level geht des nimmer, des is ja klar.

HAMCHA: Wenn Du in einer Lokalität spielst, wo es dem Wirt egal ist, ob er einen sehr bekannten Künstler auftreten lässt oder einen, der noch ziemlich am Anfang einer Karriere steht, dem es eigentlich nur darum geht, dass die Gastronomie läuft, dann wird er gerne den Kostenvorteil in Kauf nehmen.

Vogelmayer: Es gibt ja Künstler, zum Beispiel der Fredl Fesl, die nie mit einer Agentur gearbeitet haben. Der Fredl Fesl hod immer oisse selber gmacht, is immer mit seiner Frau umeinander gfahrn, hod sogar die Bühne selber aufbaut und hod ebn ois selber gmacht, sei ganz Leben lang.

HAMCHA: Vielleicht ist er da auch eine Ausnahme oder seine Frau hat ihm sehr viel abgenommen. Ich vermute, dass sich in der Art und Weise, wie Du Dich selbst vermarktest, eben auch widerspiegelt, was Du in dem Brotjob als Kaufmann machst. Ich schließe daraus, dass es Dir nicht schwer fällt, vielfältige Geschäftskontakte zu pflegen. Liege ich da richtig?

Vogelmayer: I mach in meinem Beruf eigentlich so ziemlich oisse, des is a ständig rotierende Geschichte. Wir bauen gerade einen neuen Betrieb auf, und haben gerade eine neue Niederlassung aufgemacht. Da fällt alles an. Das ist seit zwei Jahren mein täglich Brot.

HAMCHA: Bist Du jemand, der es versteht Geschäfte zu machen?

Vogelmayer: So dad I des ned sogn, i glaub, da gibt’s wesentlich Bessere. Es ist mir nicht fremd aber da gibt es Bessere! Aber i woas scho, wie ma a Geschäft zustande kema lasst, des is ja klar, des ghört natürlich dazua. Für des was i oisse mach, da muas ma scho a bissl EDV-Kenntnisse haben. – I hob a mei Homepage selber gmacht. Des hob i mir ois selber beibracht, des muast hoid ois a bissl kenna.

HAMCHA: Es gibt eben viele Liedermacher, die das nicht können.

Vogelmayer: Ja, klar. Die miasn hoid dann selber Geld investieren und i sog amoi, für a guade Homepage bist scho mit zwoa, dreitausend Euro dabei, damitsd a wos Anständigs host. Des muast hoid erst amoi hobn, für dei Hobby. Man kannt’s ja scho anders a ausgebn. Weil es geht ja ned nur um des, man muas ja zum Beispiel a Plakate und Flyer macha oder amoi a CD produzieren. Wenn ma a anständige CD produzieren wui, dann muas ma natürlich scho sogn, man muas des gscheid aufnehma, man muas de gscheid produziern lassen, des san natürlich scho Investitionen, die sich erst nach der fünfhundertsten verkauften CD irgendwo wieder amortisieren. I mach iatz momentan a grod a Promotionvideo, also so ein Werbevideo für YouTube, mit dem i mi dann praktisch bei de Veranstalter bewerben kann, so a Drei-/Vier-Minuten-Clip, des wird oberprofessionell aufgnumma, i kenn da, Gott sei Dank, oan, der des für 10 % von dem normalen Preis macht, den sonst oana verlanga dad, der sehr professionell is, der beim Straubinger Tagblatt arbat, bzw. bei Idowa. Der is Videojournalist und der ko des hoid recht guad, macht des praktisch beruflich, und dadurch dass se der a amoi selbstständig macha und in der Szene an Namen macha wui, macht der iatz über mi so a Promotionvideo,  praktisch zum Freundschaftspreis. Weil sonst wär des gar ned zu bezoin, des is irre. Und da is ma hoid a glei mit a paar tausend Euro dabei, wenn ma des in dem Stil wie ma’s mir machan macht. Full HD – Aufnahme mit fünf verschiedene Kameras und fünf verschiedenen Einstellungen, mit Statisten und an Haufen Leid, die ma do brauchan. Des is a großer Aufwand…

HAMCHA: … der Teil Deiner PR-Strategie ist.

http://youtu.be/XeWhifWcEoM

Vogelmayer: Ganz genau, a so is. Und i versuach hoid iatz für nächsts Jahr die 50-Auftritte-Marke aufwärts zu durchbrecha, de hoast praktisch jede Woch oa Auftritt, wobei i natürlich de scho imma a bissl bündeln mecht. Amoi 10 Tage 4 Auftritte und dann wieder zwoa Wochan amoi koan, um a einfach amoi dem Rest des Lebens gerecht werden zu können.

HAMCHA: Wobei der Rest des Lebens aus Arbeit besteht und dann hast Du ja eine Freundin, die auch ein bisschen Zeit beanspruchen wird.

Vogelmayer: Ja, ja klar, natürlich, natürlich…

HAMCHA: Begleitet Sie Dich zu Deinen Auftritten?

Vogelmayer: De unterstützt mi ganz vui, oiso de is wirklich immer dabei, de helft ma aufbaun, de schminkt me, de richt ma d’Hoar, damit i einigermaßen ausschau.

HAMCHA: Super!

Vogelmayer: De is imma dabei und des is a guad, wenn ma weid fahrn muas, dass ma se immer abwechsln kann oder wenn ma irgendwo übernachtet, is einfach schena, wenn ebba dabei is.

HAMCHA: Ist klar.


Vogelmayer: Na, oiso des is scho guad. Wia gsogt, des is hoid da Plan für de kommende Zeit, vui spuin, überoi spuin. I mach a manchmoi so Guerillaaktionen, mit am Kasten Bier, wo i mei Vogelmayer-Bild auffekleb, mit am vogelwuidn Buidl von mir, auf da Walhalla oben oder am Weiher draußen, wo einfach a paar Leid umanander sitzen. Und i kimm dann und spui a bissl und dann keman de Leid her und sogn: „Ja wos isn überhaupt los?“ Sowas muas ma a macha, um einfach an Bekanntheitsgrad zu erreichen, einfach immer neie Ideen habn, immer wos Neis macha. – Genau. Richtige Events spuin, des is ja klar, Open airs, Bühnen, Stadtfeste, Bars, Cafés, Demonstrationen, sechane Sachan. Man muas dabei sei, sonst hod ma eigentlich koa Chance in der Szene. Und wos des Ollerschlimmste ist, wenn ma amoi drei Wochan nixt duad, dann is glei, wia wenn ma a Jahr lang nix duad. Man derf des nia einschlaffa lassen, sonst is ma glei wieder …

HAMCHA: …was passiert dann?

HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier
Vogelmayer – Foto Rasch

Vogelmayer: I hob hoid de Erfahrung gmacht, man muas hoid auf der Homepage immer 10 Events steh habn, wann ma des nächste moi irgendwo spuid. Oiso soboid ma oans abgspuid hod, muas glei wieda des nächste an der Hand habn, wo ma sogt: „Da spui i!“ Weil wenn oana eineschaut und sogt was spuidn der überhaupt, dann soi er ja segn, dass se do wos rührt. Es is ja ganz komisch, es gibt Veranstalter de sogn „ja, passt scho, kimmst in drei Wochan und spuist“ und da anda sogt „2013 samma scho ausgeplant, mia machan an Termin für 2014“. Des san die zwei Welten, de’s do gibt, echt verrückt. Bei dem Oana do kimmst in drei Wochan und spuist, passt scho, wost dann echt in oana Nacht de Flyer zamrichten muast, damits das verschicker konnst, am nächsten Tag, da Anda sogt, 2013 san ma scho komplett zua, mias ma 2014 macha.

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Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

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