Steffen Harzer

Steffen Harzer – was rechtsradikal ist, muss rechtsradikal bezeichnet werden

Interview mit Steffen Harzer, Bürgermeister der Stadt Hildburghausen, zum Thema rechtsradikaler Übergriffe im Dorf Weitersroda gegen Florian E. Kirner und die Bewohner des Schlosses

Steffen Harzer: “Was überhaupt nicht geht und deswegen hab ich mich da sofort zu Wort gemeldet, dass die dörfliche Gemeinschaft diesen rechtsradikalen Hintergrund einfach ausblendet.”

HAMCHA: Herr Harzer, Sie sind Bürgermeister der Stadt Hildburghausen. Wie beurteilen Sie die Vorgänge in Weitersroda?

Steffen Harzer: Das ist eine schwierige Geschichte in Weitersroda. Es gibt Verstimmungen im Dorf zwischen Florian Kirner und zahlreichen Dorfbewohnern, die unterschiedliche Ursachen haben, sowohl in der Person von Florian begründet, als auch im Dorf begründet, diese ganzen Geschichten. Aber das, was zuletzt zutage getreten ist, das war doch ziemlich eindeutig eine Geschichte, die am rechten Rand der Gesellschaft zu finden war, durch Einzelne, nicht durch das ganze Dorf. Das haben wir so benannt, wie es ist, als rechtsradikal begründete Angriffe auf den Florian Kirner.

HAMCHA: Während des Paradiesvogelfestes habe ich einen Bewohner aus dem Dorf, der anonym bleiben möchte, zu seiner Meinung bezüglich der, auch von Ihnen gerade erwähnten Vorgänge, befragt. Er sprach davon, dass es Jugendliche gäbe, von denen die Übergriffe möglicherweise ausgehen. Im Hintergrund vermutet er aber Personen, die teilweise aus der Region kommen und die Situation von außen anschüren.

Steffen Harzer: Das ist durchaus möglich. Ich meine, der ist ja auch ein bunter Vogel, der Florian Kirner, was natürlich für so eine öffentliche Gemeinschaft auch schwierig ist. Aber es ist so, dass da auch ein paar Nazis leben, in dem Dorf. Es sind nicht viele aber die versuchen die allgemeine Grundstimmung, die sich da aufgebaut hat, gegen Florian Kirner, für ihre Zwecke auszunutzen. Dass natürlich dann so was auch in gewissen Kreisen regional Beachtung findet oder angesprochen wird, das ist einfach so, das muss man in Kauf nehmen.

Was überhaupt nicht geht und deswegen hab ich mich da sofort zu Wort gemeldet, dass die dörfliche Gemeinschaft diesen rechtsradikalen Hintergrund einfach ausblendet. – Das kann nicht sein und das werde ich auch nicht dulden.

HAMCHA: Sind Sie mit Bewohnern im Dorf im Gespräch?

Steffen Harzer: Wir hätten heute einen Termin gehabt, mit dem Ortsbeirat, mit dem Ortsteilbürgermeister. Aber da hatten sie die Türen zugemacht. Sie hatten da ein Konzert. Von daher hatten sie diesen Termin heute abgesagt. Von der Warte aus hat das nicht stattgefunden und wir werden jetzt einen neuen für diese Geschichte suchen.

HAMCHA: Glauben Sie, dass die Gründe für die Terminabsage sachlicher Natur sind oder sind die nur vorgeschoben?

Steffen Harzer: Das war, denke ich, schon sachlich begründet, weil, wie gesagt, die hatten gestern Abend Public View und dann das Rock-Konzert, das ging bestimmt bis zum frühen Morgen. Da hatten sie einfach zu tun und haben gesagt: “Okay, lass uns den Termin verschieben”. Schon bevor diese rechtsradikalen Aufrufe gewesen sind, hatten wir den Termin schon geplant. Das geht ja schon länger, dass wir dort einen Termin zur Vermittlung, zur Entspannung der Situation, dort vereinbaren wollten, mit Florian Kirner, dem Ortsbeirat und meiner Wenigkeit. Das ist jetzt hoch gekocht, durch diese Geschichte in Facebook und was ich auch sehr deutlich dem Ortsteilbeirat und dem Ortsteilbürgermeister mitgeteilt habe ist, dass ich diese Relativierung, die sie da auf http://www.weitersroda.de machen, nicht akzeptiere. –

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Weitersroda Website 24.05.2012

Also alles was rechtsradikal ist, muss auch als rechtsradikal bezeichnet werden. Da kann ich nicht relativieren. Es hat nicht einer, es hat nicht Florian Kirner, es hab nicht ich die ganzen Bewohner von Weitersroda als rechtsradikal bezeichnet. Einzelne! Sind dort rechtsradikal und versuchen das zu nutzen, diese allgemeine Grundstimmung auszunutzen, gegen Florian Kirner, und das muss man auch so benennen und da lasse ich auch keine Luft ran.

HAMCHA: Noch eine Frage zu Ihnen persönlich. Das ist ja relativ ungewöhnlich, dass ein Ortsteil einer Stadt den Bürgermeister dieser Stadt angreift und Sie der Verleumdung beschuldigt – kann man das so sagen? Was sind das für Leute, was ist das für eine Bevölkerung im Dorf? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Bevölkerung das geschlossen so mit trägt. Da muss doch quer durch das Dorf eine Konfliktlinie verlaufen…?

Steffen Harzer: Das… ja, das weiß ich jetzt nicht so genau, wie dort die Konfliktlinien verlaufen. Wie gesagt, ich bin Kummer gewöhnt und ich denke das klärt sich alles wieder. Ich werde da auch deutliche Worte finden, wenn wir da zu einem Gespräch zusammenkommen. Die Gegend hat immer wieder solche Geschichten, das ist jetzt nichts ungewöhnliches. Das ist jetzt nichts Ungewöhnliches.

HAMCHA: Kann ich Sie mit diesen Worten zitieren?

Steffen Harzer: Na klar.

HAMCHA: Würden Sie gerne noch etwas mit auf den Weg geben, explizit …?

Steffen Harzer: Explizit, dass ich nicht gesagt habe, dass das ganze Dorf in diesen rechtsradikalen Hintergrund involviert ist. Das sind einzelne! Die Dorfgemeinschaft versucht jetzt, aus welchem Grund auch immer, diesen rechtsradikalen Hintergrund wegzudrücken und das geht nicht, das werde ich auch nicht akzeptieren. Das ist einfach der Fakt. Wenn sich einer auf der Facebook-Seite an Hitlers Geburtstag fotografieren lässt, mit einem Hackenkreuz auf dem Rücken, wenn der nicht einen rechtsradikalen Hintergrund hat, dann weiß ich nicht, wer sonst.

HAMCHA art integration, Heinz Michael vilsmeier
Weitersrodaer mit Hackenkreuz auf dem Rücken

HAMCHA: Das ist sicherlich wahr.

Steffen Harzer: Das muss man dann auch so benennen, da kann ich nicht so relativieren, wie der Ortsbeirat es tut und sagt, „Das sind ja alles ganz gute Jungs, die sind ja hier bei uns aus dem Dorf, da passiert so was nicht.“ Das geht nicht, das muss man auch so benennen und das werde ich auch dem Ortsbeirat so freundlich mitteilen.

HAMCHA: Gibt es schon Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, von denen Sie Kenntnis bekommen haben?

Steffen Harzer: Nein, da habe ich keine Kenntnis.

HAMCHA: Der Florian Kirner ist 2008 nach Weitersroda gezogen. Haben Sie das damals unterstützt?

Steffen Harzer: Er hat das Schloss erworben und uns zeitig von seinen Plänen unterrichtet. Wir haben ihn bei der Sanierung unterstützt, da ist ja eine Notsicherungsmaßnahme gelaufen, die wir zum großen Teil mit Fördermitteln bezahlt haben. Er hat sich dem verschrieben, dieses Schloss wieder einer Nutzung zuzuführen. Wir haben ihn dabei unterstützt. So ein Schloss, das kostet alles richtig Geld, das dauert auch lange.

HAMCHA: Das geht ja auch in die Millionen, das ist nicht etwas was, man mal eben über die Sparkasse finanzieren kann.

Steffen Harzer: Richtig. Und das ist ja auch das, was die Dorfbewohner immer kritisieren, dass es so langsam geht. Die müssten mal sehen, in was für einem Zustand das Schloss war und dass man natürlich eine gewisse Zeit braucht. Man muss ja auch Geld haben, um …

HAMCHA: … genau. – Sicherlich ist es auch so, dass der Denkmalschutz da ein Wörtchen mitreden will.

Steffen Harzer: Ja, auf alle Fälle! Der ist dort kräftig involviert.

HAMCHA: Ich kenne das in Bayern so, dass ohne grünes Licht des Denkmalschutzes in jedem Detail überhaupt nichts geht.

Steffen Harzer: Deswegen waren wir auch bei der Notsicherungsmaßnahme, die wir durchgeführt haben, involviert. Da war auch der Denkmalschutz kräftig mit dabei, bei der Planung und bei der Bauausführung. Ich muss auch sagen, wenn die Notsicherung nicht gewesen wäre, wäre wahrscheinlich inzwischen schon der Giebel abgefallen.

HAMCHA: Auf dieser Website des Ortsteils Weitersroda steht ja, dass Bürger aus dem Ortsteil dem Herrn Kirner geholfen hätten, den Simplicissimus, also die Schlosskneipe zu restaurieren und er sie undankbar wieder weggeschickt habe. Wissen Sie etwas zu diesem Vorwurf?

Steffen Harzer: Ja, also es gab jemand aus dem Ortsteil, der dann kurzzeitig die Gaststätte betrieben hat, der die Gaststätte mit umgebaut hat. Was da vorgefallen ist, warum der Florian den rausgeschmissen hat, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es so ist, also, dass einer da fleißig mitgeholfen hat und das ganze Ding mit restauriert hat, in seiner Freizeit und er hat dann die Kneipe betrieben. – Warum die sich getrennt haben, keine Ahnung! Aber das kommt vor. Zwischenmenschliche Beziehungen sind mal so, mal so.

HAMCHA: Herr Harzer, ich danke Ihnen für das Gespräch, das hilft ein bisschen weiter. Vor allem weil da im Internet, auf der Website des Ortsteils, auch über Sie geschrieben wird.

Steffen Harzer: Ihnen auch einen schönen Sonntag!


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