Reinhold Alsheimer

Reinhold Alsheimer: Ich hör mir ganz, ganz grobes Zeug an

 

HAMCHA art integration, Heinz Michel Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, Lido Venedig (IT), 2012

HAMCHA: Wie wichtig ist Euch der Erfolg?

Reinhold Alsheimer: – hm … der Erfolg wäre uns schon sehr, sehr wichtig. Ja. – Die Frage ist, was ist Erfolg? – Wenn ich Erfolg definiere, als gepflegtes monetäres Auskommen, ja – dann hat das natürlich durchaus Sinn. Wenn ich Musiker bin und davon leben möchte, dann muss ich auch irgendwann mal genug Kohle verdienen, dass ich davon leben kann – Punkt! Was das dann heißt, davon leben zu können, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Wie weit ich da gehen muss oder wie viel ich dann da tatsächlich an Einnahmen generieren muss und wie ich meine Ausgaben beschränken muss usw., usw. Das ist die eine Geschichte, die andere Geschichte ist, wenn ich Erfolg definiere als: ich hab gehörig Feedback auf das, was ich tue, von einem Publikum, dann ist das eine ganz andere Sichtweise von Erfolg. – Für mich ist es so, Erfolg is’n, is’n, is’n – Gemisch aus dem Finanziellen, aus dem … Publikumsfeedback, aus öffentlicher Meinung, auch Pressefeedback und den ganzen Medien. – Aber in allererster Linie aus meinem eigenen Wohlbefinden, aus dem, was ich da tue.

HAMCHA: Okay … Es gibt ja …, ich meine, wenn man jetzt einmal auf die Kommerzialisierbarkeit von Musik schaut, so einen gewissen Druck gefällige Musik zu produzieren, weil man damit eben einen breiteren Massengeschmack trifft.– Das ist die eine Seite. Wenn man seine Aufmerksamkeit aber auf ein Publikum richtet, das einfach gut findet, was man macht, also der Applaus, wobei ich jetzt nicht meine damit nicht das Publikum, dass den Massengeschmack gut findet, sondern eines, das eben gut findet war ihr da macht, dann, ja, macht man einen Spagat.

Reinhold Alsheimer: Ja – ja. Ich denke mal, das optimale wäre, dass man eben dieses Feeback aus dem Publikum kriegt und genügend Auftritte auch generieren kann, dass man dieses zu seinem Hauptberuf macht oder machen kann, davon leben kann, was auch …, was ein weites Feld ist, was es heißen kann, davon zu leben. – Welche Ansprüche hab ich, usw. Ich zum Beispiel hab jetzt vor einiger Zeit aufgehört mit meiner Arbeit um mich ganz diesem Musikzeug zu widmen, hab aber den Vorteil, dass ich eine Familie hab, die das supported und unterstützt. Da bin ich in einer relativ glücklichen Lage, das ist mir auch bewusst und es macht mich sehr, sehr froh. Ich kann mich da ausprobieren und der monetäre Erfolg ist nicht das Damoklesschwert. – Ist irgendwann wichtig, klar, aber es ist nicht dieses alles überragende Damoklesschwert, das da über mir hängt, an einem seidenen Faden oder Pferdehaar. Das heißt, das gibt mir einfach noch mehr Freiheit zu sagen, nee, in diese massenkompatible Ecke gehe ich noch nicht. Dahin muss ich noch nicht gehen, weil – soweit bin ich noch nicht. Für mich wäre es sogar so, dass wenn ich die Wahl hätte zwischen massenkompatibel, airplaytauglich oder smooth Musik zu machen, würde ich wieder eine ehrliche Arbeitsstelle wählen und versuchen, weiterhin die Musik zu machen, ohne davon finanziell leben zu müssen, die ich mir vorstelle, das ist für mich viel wichtiger.

HAMCHA: Das Problem sind wahrscheinlich die Veranstalter, die natürlich Kosten decken müssen, die Werbung machen, Pressemeldungen bezahlen etc. – die wollen das Publikum sehen!

Reinhold Alsheimer: Das ist schon klar. Das ist das, was ich vorhin mal gesagt habe, es ist nicht immer ganz so einfach mit dem, was wir da tun. Aber wir sind überzeugt, dass wir einen Weg beschreiten, der über kurz oder lang diesen Erfolg, auch monetärer Art, bringt. Weil wir davon überzeugt sind, dass das, was wir tun, vielen Menschen auch aus dem Herzen spricht und vielen Menschen auch gefallen kann.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Reinhold Alsheimer, München, Corso Leopold, 12.09.10

HAMCHA: Das heißt, Ihr seid dabei und habt möglicherweise auch schon die Erfahrung gemacht, dass es Euch gelingt, Euer Publikum aufzubauen.

Reinhold Alsheimer: Ja, ja, ja! Doch durchaus. Es ist schon so, dass wir in der Vergangenheit Konzerte irgendwo gespielt haben, dort Menschen kennengelernt haben, mit denen dann im Anschluss an die Konzerte geredet haben, die gesagt haben: „Boah, sowas hab ich noch nie gehört, dass ist der Hammer!“ Und diese Menschen treffen wir immer wieder auf irgendwelchen Konzerten von uns. Die fahren zum Teil wirklich weite Wege, um ein Konzert von uns zu sehen. Das ist das, was mich so… Das berührt mich wahnsinnig! Das ist genau die Antwort auf meine Frage: Erreiche ich jemanden, mit dem was ich da bringe? – Ich kann es eindeutig mit Ja beantworten. Das ist genau der Grund, warum wir auch glauben, dass wir es auch schaffen können, diesen, diesen … monetären Erfolg auch dahingehend zu haben, dass wir sagen: Ja, okay, wir können das Arbeiten, das nebenher Arbeiten, zum großen Teil aufhören, wir können uns sehr viel mehr der Musik widmen, weil wir doch auch sehr viel mehr von unseren Grundbedürfnissen davon abdecken können, was wir an Ertrag generieren, durch die Musik. Und es wäre natürlich ein schönes Moment, an den Punkt zu kommen, wo man sagen kann: Hey, super, es klappt zu 100 Prozent!

HAMCHA: Wie viele Konzerte gebt Ihr so, übers Jahr?

Reinhold Alsheimer: Das sind so zwischen 40 und 80.

HAMCHA: Das heißt, es ist schon noch Spielraum da, um das noch einmal zu verdrei- oder vervierfachen…

Reinhold Alsheimer: … ja, schon, klar. Logisch. Es war halt in der Vergangenheit so, du hast Familie, du hast Deinen Job, du hast Verpflichtungen, denen du nachgehen musst, du hast ‘ne andere Band noch, in der du Geld verdienen musst, damit die Miete reinkommt. Es ist schon tough, wenn du auf fünf verschiedenen Hochzeiten tanzt. Da sind 50 Konzerte schon ein ganz schöner Batzen, wo du dich reinfrickeln musst. Und du brauchst auch, klar, ein Umfeld, dass damit umgehen kann und auch umgehen will.

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Reinhold Alsheimer, Henne-Strand (DK), 2011

HAMCHA: Was hast Du vorher beruflich gemacht, nebenbei?

Reinhold Alsheimer: Ich war in der IT-Sicherheitsbranche tätig.

HAMCHA: … dann hast Du nicht aufgepasst, als die NSA unsere Daten abgefangen hat?

Reinhold Alsheimer: Da war ich schon nimmer am Arbeiten, sonst hätt ich’s gemerkt! [lacht]

HAMCHA: IT-Sicherheitsbranche – in welchem Bereich?

Reinhold Alsheimer: Anti-Virus hab ich angefangen und zum Schluss halt Application-Control und … ja … Moment mal, jetzt hab ich grad ein Loch. – Anti-Virus, Good Ware, Bad Ware und Datenbanksysteme, usw.

HAMCHA: Hast Du Informatik studiert?

Reinhold Alsheimer: Nee, ich bin Lehrer…

HAMCHA: … Okay …

Reinhold Alsheimer: … ich war ganz klassischer Quereinsteiger in diesen Job.

HAMCHA: Ich übrigens auch, ich habe ziemlich lange Software für mikrobiologische Laboratorien entwickelt…

Reinhold Alsheimer: … Ja!?

HAMCHA: Gut 16 Jahre lang.

Reinhold Alsheimer: Ich hab gut 13 Jahre gemacht. Ich war bei Trend Mikro – Antivirensoftware.

HAMCHA: Du bist also schon ziemlich tief eingestiegen…?

Reinhold Alsheimer: Ja – ich war relativ gut am Start, sagen wir es mal so. Ich hab da angefangen, aus einer Notlösung heraus. Ich hab gesagt: Ich brauch jetzt irgendeinen Job und hab mich dann halt festgebissen. Am Schluss war ich dann Global Director Of Core Technology Gedöns. Das ist aber etwas, was von vornherein für mich als temporäre Geschichte angesehen war. Ich habe angefangen zu arbeiten, als meine Frau schwanger war, mit meinem Sohn …

HAMCHA: … wie alt ist Dein Sohn jetzt?

Reinhold Alsheimer: 13 Jahre hab ich da rumgetan, also 13 Jahre hab ich gearbeitet. Das war einfach der Deal: Ich unterstütze die Familie dann monetär und … ja, jetzt, vor eineinhalb Jahren, hab ich endlich die Reißleine gezogen, hin zu dem, was ich wirklich machen will, das ist Musik!

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Reinhold Alsheimer, Bootstour auf der Altmühl, 2010-2012

HAMCHA: Und Du bist glücklicher?

Reinhold Alsheimer: Ja nat… – 100 Prozent! Logisch! – Ärmer und glücklicher! [lacht]

HAMCHA: [lacht] – Also ich glaub es Dir sofort!

Reinhold Alsheimer: Es gibt so ein paar Fotos von Dir, die dauernd an mir vorbeiflimmern – Mann, da siehst Du gut aus!

HAMCHA: Danke …

[Lachen]

Reinhold Alsheimer: Das klingt jetzt blöd aber es ist wirklich das Einzige, was ich wirklich machen will und machen kann! Das ist eben die Musik, das ist eben einfach mein Ding, Punkt.

HAMCHA: Du hast mit 15 angefangen, autodidaktisch Gitarre zu lernen – wann hast Du angefangen, in einer Band zu spielen?

Reinhold Alsheimer: Mit 15. [lacht]

HAMCHA: In dem Moment, in dem Du angefangen hast, Gitarre zu lernen, hast Du auch in einer Band gespielt…?

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Reinhold Alsheimer, Punker-Lewis, Schweinfurt, “Stattbahnhof”, 2000

Reinhold Alsheimer: Ja, so ein paar Wochen später, klar. Das war mit 15. Aber das ist relativ wurscht, da hat man noch … – da scheißt man sich noch nix, ja? Dann war ‘ne Zeit lang ein bisschen Ruhe und ich hab wieder angefangen, wie ich studiert habe, in München, wieder Musik zu machen, also wieder aktiv Musik zu machen. Nicht nur für mich oder so ein bisschen alleine, sondern mit Band. Das habe ich in München wieder angefangen.

HAMCHA: Was hast Du studiert?

Reinhold Alsheimer: Gehörlosenpädagogik.

HAMCHA: Ah ja …

Reinhold Alsheimer: … böse Zungen behaupten, deswegen mache ich Musik.

HAMCHA: Warum?

Reinhold Alsheimer: Ja, weil wer nix hört, der kann auch schlecht komponieren.

[Lachen]

HAMCHA: Das sind wirklich böse Zungen, muss man einfach so sagen.

Reinhold Alsheimer: Sag ich ja! – Nein, aber das habe ich tatsächlich… das hab ich durchgezogen, hab mein erstes Staatsexamen gemacht und hab dann aber beschlossen – mein Berufsziel als Musiker zu sehen.

HAMCHA: Hast Du während des Studiums immer Musik gemacht?

Reinhold Alsheimer: Ich hab während des Studium wieder angefangen Musik zu machen.

HAMCHA: Das war hauptsächlich Punk?

Reinhold Alsheimer: Ja, das war Deutschrock, grober Deutschrock und Punk ein bisschen. Wie ich dann von München nach Pfaffenhofen raus gezogen bin, hab ich Leute kennengelernt, die eine Punkband hatten und einen Gitarristen gesucht haben, weil sie gerade im Studio waren und ihr Gitarrist die Band verlassen hatte. Da bin ich dann eingestiegen und hab da gleich ‘ne Platte eingespielt. Ab da war ich dabei und das war sehr lustig! [lacht]

 http://youtu.be/kkjXj-32Uqo 

HAMCHA: Sagt Dir Heinz Rudolf Kunze etwas?

Reinhold Alsheimer: Ja, der sagt mir was.

HAMCHA: Nicht so ganz Deine Richtung?

Reinhold Alsheimer: Ein alter Deutschrocker! Ich hatte Zeiten… – in den 80ern mochte ich ihn sehr gerne, dann habe ich eine ganz lange Zeit von ihm gar nichts gehört. In jüngster Zeit ist er mir wieder ab und zu über den Weg gelaufen. Ein paar Sachen hab ich mir jetzt angehört, auf gut Fränkisch: ist gar ned so schlecht.

HAMCHA: Ich vor etwa einem Jahr ein Interview mit ihm gemacht, das auch auf HAMCHA veröffentlicht ist …

Reinhold Alsheimer: … ich weiß, ich hab es mir durchgelesen.

HAMCHA: … dazu habe ich kürzlich ein Statement von Franz Schöler bekommen, der als Musikkritiker in Die Zeit und bei Rolling Stone schreibt, in dem er eine Aussage Heinz Rudolf Kunzes in dem Interview als falsch bezeichnet. Der ist ja nicht sehr gut auf den Kunze zu sprechen, wohl weil er ihm musikalischen Verrat vorwirft.

Reinhold Alsheimer: … warum auch immer.

HAMCHA: Du hättest da weniger Probleme mit Kunzes Deutschrock?

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Reinhold Alsheimer, Krailling, Schabernack, 16.04.11

Reinhold Alsheimer: Ganz ehrlich? – Was er macht, ist nicht unbedingt die Musik, die ich mir anhöre – also tagtäglich. Ich höre mir nach wie vor ganz, ganz grobes Zeug an, vor allem, wenn ich zum Konzert fahre oder vom Konzert zurückfahre. Doomcore, Darkcore und Death Metal-Zeug an, oder Napalm Death, also Hardcore, Punkcore – das ist so das, was mich noch am Leben hält, was ich mir wahnsinnig gern anhöre, auch so experimentelle Sachen mit jedwedem Elektrozeug, weil ich das einfach krass, in dieser ganzen krassen und schroffen Art sehr gut finde. Ich höre grundsätzlich kein Radio, weil mir da zu viel Material unterwegs ist, womit ich gar nichts anfangen kann und weil mich das dann eher ärgert und dann baue ich mir lieber auf einem Stick 10 Gigabyte Zeug zusammen, womit ich was anfangen kann, je nach Stimmungslage, und hör mir das dann an. Aber es ist so, dass ich jetzt grundsätzlich überhaupt … Es gibt sehr, sehr schöne und sehr gute Musik aus Deutschland, oder auch aus Bayern, sehr spannende Musik aus Deutschland, oder auch aus Bayern, die jetzt, sagen wir einmal nicht kantig, nicht krass, nicht roh ist, die aber sehr, sehr gut ist. Das heißt, es muss nicht rumpeln, es muss nicht scheppern, es muss nicht Brüche haben, damit es mir gefällt – nein, es gibt durchaus schon anderes Zeug auch. Was ich halt überhaupt nicht abhaben kann, das ist dieses Angebiedere an den Zeitgeschmack. Da krieg ich ‘nen Würgekrampf, das kann ich überhaupt nicht haben.

HAMCHA: Ja – also ich vermute, dass der Heinz Rudolf Kunze den Konflikt zwischen Kommerz und dem, wozu er stehen kann, auf seine recht pragmatische Art und Weise gelöst hat. Er macht eben auch Musik, um dem Publikum zu gefallen, er weiß, die erwarten „Dein ist mein ganzes Herz“ usw.

http://youtu.be/GjJz1_chHfk </span>

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: Naja, das ist jetzt Zeug, das muss ich nicht unbedingt haben, das stimmt schon.

<strong>HAMCHA</strong>: Ich denke, er will einfach den kommerziellen Erfolg und weiß, was er da tut.

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: Das ist eben genau der Punkt, über den wir vorher schon einmal geredet haben. Es ist die Frage: wie weit gehe' ich diesen Weg? Wir hatten dieses Thema bei uns jetzt auch schon ein paar mal. Wenn wir dieses Stück jetzt weiter, noch ein bisschen beischleifen, dann hätten wir die Möglichkeit, einfach mehr airplays zu kriegen. Das ist schon fast so weit, wir könnten es noch ein bisschen… Bis jetzt haben wir uns – – – – immer zurückgelehnt und haben gesagt: Nä! – Wart mal, wir haben noch Luft, wir müssen jetzt noch nicht loslegen. Ich meine, wir machen jetzt zusammen, mit <a title="IRXN" href="http://irxn.net" target="_blank">IRXN</a>, sechs Jahre sind wir jetzt zusammen…

<strong>HAMCHA</strong>: … seit 2006 …?

<a href="http://hamcha.de/wp-content/uploads/2013/11/Reinhold-AlsheimerBrickhouse-Studio-2010.jpg"><img class="size-full wp-image-4146 " style="border: 2px solid black; margin: 0px;" title="Reinhold Alsheimer, Brickhouse-Studio, 2010" alt="HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier" src="http://hamcha.de/wp-content/uploads/2013/11/Reinhold-AlsheimerBrickhouse-Studio-2010.jpg" width="750" height="500" /></a> Reinhold Alsheimer, Brickhouse-Studio, 2010

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: … das ist eine lange Zeit und wir haben schon viel bewegt. Aber ich denke, wir hätten, gerade auch monetär, noch sehr viel mehr bewegen können. – Aber wir wollten, wir wollten … Irgendwann hat einer gesagt, wir, IRXN, sind auf einem Missionszug – und das hat schon so etwas. Also wir wollen für uns einfach nachweisen: Hey, mit dieser nichtverbogenen Art von Musik, die wir favorisieren, schaffen wir es, uns ein Publikum zu erspielen, was uns auch finanziell tragen kann.

<strong>HAMCHA</strong>: Okay –

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: Da sind wir jetzt noch nicht so weit, aber da sind wir ein ganz großes Stück weitergekommen, in dieser Richtung, und da arbeiten wir dran – nach wie vor! Ich glaube auch, gerade weil wir diese unterschiedliche Musik machen, dass wir diese Weigerung gegenüber der Massenmustermusik nach wie vor hoch halten, erarbeiten wir uns, das dauert natürlich auch seine Zeit, das Publikum, das genau diese Musik gut findet, unterstützenswert findet – und schön findet, und spannend genug findet, uns mal wieder zu besuchen im Konzert, zum nächsten Konzert zu kommen oder mal wieder zu kommen und die Platten zu kaufen, weil sie das Gefühl haben, 'Hey, was sie machen, stimmt!'

<strong>HAMCHA</strong>: Du hast vorhin gesagt, es wäre ein Alleinstellungsmerkmal, aber seid Ihr nicht in gewisser Weise Exoten?

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: Ja, das ist aber sehr alleinstellend, wenn du Exot bist.

<strong>HAMCHA:</strong> Ja, gut, aber Exot bedeutet ja auch, dass man außerhalb steht, was es sicherlich schwieriger macht, ein breiteres Publikum anzusprechen. Das hängt sicherlich auch mit der Einzigartigkeit der eigenen Positionierung zusammen, wenn es eben nicht zwei, drei andere Gruppen im Umfeld gibt, zu denen es zwar kleine Unterschiede gibt, die aber doch in eine gemeinsame Richtung arbeiten.

<strong>Reinhold Alsheimer</strong>: Ja, wir haben uns ja gerade schon über diese Mittelalterszene unterhalten, das ist ja eine Szene, die sehr dynamisch und sehr, sehr, sehr, sehr … auf Englisch heißt es mature scene, die funktioniert eigentlich ganz gut, da passen wir nicht, das haben ich vorhin schon gesagt, nicht zu 100 Prozent rein, weil wir eben anders sind. Aber das ist genau der Punkt, der viele Leute dann doch wieder begeistert. Was auch in Waging zum Beispiel als Feedback oft kam, war, nicht einer, sonder viele haben gesagt: Was an Euch wohltuend ist, ist, ihr habt keine Dudelsäcke, wie alle anderen Mittelalterbands, Punkt! Das heißt für mich, dass ich zumindest die Hoffnung noch haben kann, nach wie vor haben kann, dass mit dem Anderssein, mit diesem Exotendasein du Leute erreichst, die schon satt sind an bestimmten Strömungen – und vielleicht dadurch eine neu Strömung generierst. Ich meine, wenn man sich zurückerinnert, in den 80ern, in den späten 70ern, wie dieser ganze Technokrempel aufkam, waren es am Anfang ein paar Verrückte in irgendwelchen Kellern. Und dann ist es eine, eine, eine … Massenszene geworden, mit Veranstaltungen wie den Raves in Berlin, mit hunderttausenden von Menschen! Das hätte am Anfang auch keiner geglaubt. Da hieß es, das ist ein totaler Krampf, den ihr hier macht, was soll das? – Aber es funktioniert eben dann doch! Irgendwo, irgendwie. Das ist eben die Hoffnung, die wir alle haben.

 http://youtu.be/4C2UMhVdjAk

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Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

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