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Ali Khan: Ich wollte nie ein Wochenende-Eisessen-Kino-Vater sein

Ali Khan

Ich wollte nie ein
Wochenende-Eisessen-Kino-Vater sein

HAMCHA: … Konntest Du die Beziehungen zu Deinen Kindern aufrecht erhalten?

Schlachthof Nepo Fitz

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Ali Khan mit Nepo Fitz Kommunikation ist ALLES! — Foto: Ali Khan Facebook Titelbild

Ali Khan: Ja, mit meinem Sohn. Der ist 31, der ist auch … Der ist Kabarettist und Musiker. Mit dem hab ich eine – ich glaube, die beste Beziehung zu einem Menschen, die ich in meinem Leben hatte, außer zu meiner Mutter. Das ist a ganz großartige, tätige, auch künstlerische und persönliche Beziehung!

HAMCHA: Und zu Deiner Tochter?

Ali Khan: – Die ist von einer anderen Frau, die hält sich eher fern. Da würd ich jetzt einmal sagen, das ist Einflüsterung der Mutter. So was gibt’s! Die hält mich halt … Ja, das Kind, du merkst genau, die sagt das Wort ihrer Mutter. – Für die Mutter bin ich ein komplettes Arschloch.

HAMCHA: Mhm. – Wie alt ist die Tochter?

Ali Khan: Die ist jetzt 21.

HAMCHA: – Ich habe zwei erwachsene Kinder und jetzt noch ein kleines, ein Jahr alt, eine Tochter. Es ist wundervoll!

Ali Khan: Glückwunsch!

HAMCHA: Meine erste Tochter war fünf, mein Sohn drei, als ihre Mutter sich von mir getrennt hat. Sie hat sich in einen Kollegen verliebt, der sie mit in eine Sekte nahm. - Die Kinder auch!

Ali Khan: Ja ... ?

HAMCHA: Es ist eine schwierige Beziehung zu diesen Kindern entstanden, ähnlich schwierig vielleicht, wie die zwischen Dir und Deiner Tochter. Auch bei meinen Kindern war es so, dass die Mutter jahrelang „einflüsterte“. Sie stellten ihr wohl unangenehme Fragen, die sie zu ihrem Vorteil beantwortete. So entstanden Enttäuschungen bei den Kindern. Sie sind mir mehr und mehr entglitten. Ich war halt irgendwann, zwar nicht weg, aber sie lebten halt mit der Mutter. Sie wussten damals nicht warum ich weg war. Die Antworten bekamen sie von ihrer Mutter ...

Ali Khan: … Richtig! … Ja, ja!

HAMCHA: … und sie … Das meinte ich mit traumatischen Erfahrungen, ...

Ali Khan: … Ja, ja, ja ...

HAMCHA: … dass man ein Kind hat, ganz eng mit dem zusammenlebt und plötzlich, weil sich die Mutter trennt und die Regelungen eben so sind, oder waren, die Beziehung zu dem Kind verliert.

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Ali Khan: Ich bin schuld, und zwar hier, Foto: Ali Khan Titelbild, Facebook

Ali Khan: Ja, und das ist, das hab ich vorhin gemeint mit dem Grant. Der Grant kommt bei mir daher, weil die Ursache, warum das Kind später keinen Draht zu mir aufbauen kann, wurde von der Mutter anders kommuniziert. Sie wurde so kommuniziert, dass ich ja … Es wurde nicht gesagt: „Ich hab dir gesagt, was für ein Depp des ist! Sondern es wurde einfach so kommuniziert: „Ja, der will halt einfach nix mit dir zu tun haben!“ – Das ist ja nicht wahr! Ich liebe meine Tochter genauso, wie jeder andere Vater. Es tut mir oft, oft weh. Aber es nützt nichts, ich will dem Kind nicht zu nahe treten.

HAMCHA: Das ist sicherlich richtig. Man kann so eine Barriere, die das Kind hat, auch wenn es erwachsen ist, nicht einseitig aufbrechen. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht.

Ali Khan: Ja, ja, da schwankt das Kind. Des is a psychologische Gschicht, glaub i. – Da schwankt das Kind so stark, man derf's dann auch nicht raus reißen, mit Gewalt, aus der gewachsenen Meinung. – Wichtig ist, glaub ich, viel wichtiger, bei meinem Sohn, wie bei meiner Tochter, dass man etwas vorlebt … Ich wollte nie so ein Wochenende-Eisessen-Kino-Vater sein, der sich sein Kind erkauft, sich die Zuneigen seines Kindes so langsam erkauft, in ein paar Stunden. – Nein! Das wollte ich nicht! Das Kind sieht von der Ferne schon genau zu und hat über die Jahre die Möglichkeit, zu sehen: Ja, des is a Mann und kein Schleicher, der mir nach dem Mund redet, bloß das ich mich mit ihm abgebe. – Nein, das mach ich nicht! - Vielleicht falsch, aber ich tu es nicht.

HAMCHA: Mhm. – Hast Du die Hoffnung, dass Deine Tochter irgendwann ihre Barriere überwindet?

Ali Khan: Freilich. Freilich. Freilich!

HAMCHA: Also, Du bist da zuversichtlich?

Ali Khan: Ich hoff da immer. Ich glaub des auch! Weil, ich bin da … Ich bin ja bereit über alles zu sprechen, über jeden Fehler, den ich begangen hab. Aber Liebe ist halt doch viel mehr als der Kopf. Das ist halt ein, ein, ein ... Ich würd mir schon sehr wünschen, dass sich das wenigstens mal a bissl ändert!

HAMCHA: Ich hoffe, dass sich Dein Wunsch erfüllen wird.

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Ali Khan mit Nepo Fitz, Foto: Ali Khan Titelbilder, Facebook

Ali Khan: Hat sich auch schon a bissl erfüllt. Sie hat sich ja aus eigenen Stücken mal mit mir getroffen und so weiter – des war schon ... Des war schon nett! Des war schon schön. Ich hätte des natürlich gerne viel mehr! Ich weiß, aber ich, ich ... Mei, es dauert! Aber – klar hat man die Hoffnung. Das gilt für jeden, der Kinder hat – und auch für die Kinder, vor allem!

HAMCHA: Ali Khan, Du hast heute einen Modeljob. Moderierst Du die Veranstaltung oder modelst Du selbst?

Ali Khan: Na na, Michael, des kam aus dem Facebook. Da hat jemand gschriebn: „Hilfe, ich brauche Models, ich brauche noch ein männliches Model!“ Da hab ich aus Spaß zurückgeschrieben: Das mach ich doch! – Ich hab den gar nicht gekannt.

HAMCHA: Okay.

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Ali Khan: We are nice to you, so you better be nice to us. Glück gehabt , weil ich hetero bin and not "disgusting" Foto Ali Khan, Titelbilder, Facebook

Ali Khan: Dann hat mir der da gschriebn und gefragt: „Willst Du das wirklich machen!?“ Sag ich: Ja, warum nicht? Des war dann lustig, gestern, bei der Probe gestern, des ist so ne Art Fest. Da geh ich halt auf d'Bühne. – Ich mach alles! Ich mach alles, übrigens! Also des ist eines meiner Leistungsmerkmale. Ich war in Big Brother, ich hab mehrere Fernseh- und Radiosendungen life gmacht. 98 Prozent aller Radiomoderatoren in Deutschland haben stunden- und sendemäßig nicht so viel gemacht. Ich spiele jede Art von Musik, wenn ich Schlagzeug spiele. Ich mach alles! Ich arbeite aber auch am Bau oder reparier a Auto oder was … Ich mach alles! Ich bin … Ich hab da überhaupt keine Barrieren. Ich freu mich, wenn ich Liegewagenschaffner sein darf! Des is so! Ich find, des Leben ist halt viel zu kurz, um des alles ausgiebig zu machen. [lacht]

HAMCHA: Also hast Du auch keine Berührungsängste ...

Ali Khan: … Nein! ...

HAMCHA: … oder die Befürchtung, Du könntest irgendetwas tun, wo Du sagen würdest, es könnte Deinem Image schaden?

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Ali Khan: Ich hab dieses Bad Tast Image, Foto Ali Khan Titelbilder, Facebook

Ali Khan: Ich hab keins! Ich hab dieses Bad-Taste-Image freiwillig angezogen, für die Medien, weil die Schublade leer war. Das will ja keiner sein! Die ganzen Moderatoren, was weiß ich, der Jauch, den kenn i ja, oder der Gottschalk. I kenn ja de olle scho als Kinder, praktisch. I woaß ja, i woaß doch des alles, wie die mit Geld zugeschissen wurden und wie sie heute … Das ist einer meiner Wahlsätze: Die sind auf ihr eigenes Image reingefallen! Das ist natürlich a Katastrophe! Wenn ich jetzt, in diesem Interview zum Beispiel, genau der wäre, den man als mich glaubt zu kennen [lacht] – Klar kann ich blöd daherreden – das ist quasi meine Hauptkompetenz! Aber i muaß a ned immer Super-Bayrisch reden [parodiert mit grunzenden Lauten] und bläd daherreden: Was seids Ihr für Arschlöcher!? – Na, na! Ich kann mit Messer und Gabel essen und ich weiß durch meinen Vater, ich bin relativ streng erzogen worden, wie es geht. Aber das sind schon … Ich weiß auch, wie es nicht geht!

HAMCHA: Schön. – Du bist der Meinung, dass sich viele Deiner Kollegen durch den Anpassungsdruck, oder weil sie, wie Du sagtest, „mit Geld zugeschissen wurden“, selbst verloren haben. Würdest Du sagen, sie haben sich auf eine sehr erfolgreiche Art und Weise verloren?

Ali Khan: Ja, ja! - Na des is ja der Preis im Kapitalismus. – Es gibt keinen schlimmeren! Wenn Du mir drohen würdest damit, das gibt es halt in unserer Gesellschaft so: Ich scheiß Dich zu mit Geld! – Das ist in unserer Gesellschaft offensichtlich das Ventil, da kann sich keiner dagegen verwehren!

Ich hab auch ganz viele Dinge nicht gemacht, die man mir angetragen hatte. Ich hab zum Beispiel nie Werbesachen oder so gemacht, wenn's nicht gepasst hat! Des geht ned! Ich kan mi ned hinstellen für an OBI oder so! Das geht ned!

HAMCHA: Mhm, okay. – Weil es nicht authentisch wäre, weil es einfach nicht zu Dir passen würde?

Ali Khan: Nee, es ist … Was heißt „passt ned“? Wie soi i des sogn – des kennan doch andere vui bessa: „Ich mags doch, ich mag doch, wenn der moderiert! Oder: „Also ich mag des, der macht des doch wunderbar!“ Aber des … Eigentlich langweilt's mich! Aber ich mein, ich muss ja ned dort sitzen! Das ist ja sein Job! Das ist doch sein Ding! Wenn ein Krämer versucht ein Freigeist zu sein … Ja leck mich doch am Arsch! Das ist armselig! Das ist so unglaublich armselig, oft! – Aber i bin ja a ned der Beurteiler! Ich bin zufällig reingerutscht, in diese Mediengschicht und da geh i a genau so wieder raus, wenns sei muaß. I bin a a bissl a öffentliche Person, aber ich liebe meine Art. Ich liebe meine Art der Prominenz, die Qualität meiner Prominenz! Mir erzählen Hinz und Kunz auf der Straße, nebenbei, dass die Oma jetzt ihre Rente in Kroatien verjubelt. – Und zwar erzählen sie das ohne Ansatz! „Nicht wahr, Du bist Ali Khan? Ich erzähl Dir jetzt mal was …!“ – Ohne Ansatz! Ich hab mir das selbst erarbeitet. Ich liebe diese Stadt deswegen, weil ich fast an jedn kenn, bzw. die mich! Wir sind sofort im Gespräch! Wer kann denn das von sich sagen? Die scheiß Politiker etwa, die ihren Saukopf an jeder Ecke aufhängen, jetzt? Die jetzt mal kurz unter ihr kleines Schirmchen gehen und über ihre Partei reden? Die Nähe zum Bürger suchen die bestimmt ned! Die verschwinden in ihren, in ihren … Verfassungsvorschlägen und in ihrer Parlamentsarbeit! – „Bis in vier Jahren wieder!“ ... Das ist lächerlich!

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Ali Khan: Welcome! Markierungen: Khans HummerTalk on SKY und Kingdom of Khan-Munich/Bavaria/Germany Foto Ali Khan, Titelbilder, Facebook

Ich nehm Dich jetzt dann mit auf die Reise, weil ich langsam Richtung Modelding fahre. Ich hab gesagt, ich bin um halb zwölf dort, ich bin aber eine dreiviertel Stunde davon entfernt. – Aber ich nehm Dich mit und wir reden halt so weiter...

HAMCHA: … Okay ...

Ali Khan: … Wenn 's dir Recht ist!

HAMCHA: Ja, natürlich. – Meine kleine Tochter ist gerade nach Hause gekommen, die war mit ihrer Mama in der Hundeschule. Ich glaube, sie wollen so allmählich frühstücken. – Will sagen, wir könnten allmählich zum Ende kommen ...

Ali Khan: ... Na klar!

HAMCHA: Ich muss das Ganze ja irgendwann auch noch tippen ...

Ali Khan: … ja, Du armer Mensch!

HAMCHA: Ja, genau! – Wobei ich schwer am Überlegen bin, ob ich es nicht als Tonmedium mit einbaue.

Ali Khan: Das kannst Du machen, wie Du lustig bist. Ich war ja bereit dazu, und ... – Halt, es gibt schon noch was, Heinz, zur Art des Interviews, nur um das noch zu sagen: Zuerst einmal möchte ich sagen: Respekt davor, zu der Arbeit, die Du da machst und zweitens: Jetzt hat man natürlich irgend ein Bauchgefühl, aber ich bin nicht der Typ, der mir oft begegnet ist, in meinen Interviews. Nachdem die drei Stunden lang geschwiegen haben und dabei nix Gscheits rauskommen ist und dann zu mir gesagt haben: „Ich hätte ja noch so viel zu sagen, aber Du hast mir ja keine Möglichkeit gegeben!“ – Oder so irgendeinen Schmarrn. Das was ich gsagt hab, ist, da sollen sie mich hängen dafür. Da war jetzt allein so viel anders, als jeder 08/15-Revoluzzer da von sich gibt. Ich halt auch meine Stellung nicht für etwas Besonderes. Die Gesellschaft, in der wir jetzt langsam leben, macht mich langsam zu was Besonderem! Nicht ich bin so toll! Sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse sorgen dafür, dass so was wie ich zwar als Unkraut gesehen wird, aber im Endeffekt gibt’s nimmer viele, weil es unglaublich schwer ist, zu überleben, wenn man sein Mund aufmacht. Ned bloß ...

HAMCHA: … Da hast Du völlig Recht! ...

Ali Khan: … also deswegen – fütterst Du jetzt Deine Tochter, was viel wichtiger ist, und ich geh auf meine Modenschau, was ned so wichtig ist …

[Lachen]

Ali Khan: … aber ich dank Dir für des Interview!

HAMCHA: Ali Khan, ich danke Dir für das Interview. Ich bin wahnsinnig gespannt gewesen, was Du für ein Mensch bist und ich muss sagen: Ich bin total überrascht! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Ali Khan: So soll's sein. Und wenn Du etwas brauchst oder wenn ich Dir helfen kann, sag's! Wir sind jetzt über Facebook verbandelt, oder per Telefon, es gibt mannigfaltige Querverbindungen, da denkt man manchmal ned dran, aber auf meine Weise bin ich auch ein mächtiger Mann. – Deswegen, hüte es, so lang ich leb!

HAMCHA: Okay – ich danke Dir. Ich wünsche Dir einen schönen Tag und ein tolles Wochenende!

Ali Khan: Ich Dir auch – gell! Pfüati Gott.

HAMCHA: Servus.

Ali Khan: Servus, Ciao!

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Ali Khan: Ich und ein Mensch ... Foto: Ali Khan, Titelbilder, Facebook

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Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Ali Khan von seinen FB-Seiten und seiner Website entnommen. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung von Richard Föhr.

©HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier,