Konrad Müller

Konrad Müller: Immer wieder tote Fische

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Konrad Müller gibt Einblick in die Böbrach Mühle. Im Hintergrund das alte Sägewerk.

HAMCHA: Die Genehmigungsbehörde, bei der Sie den Antrag gestellt haben, das Landratsamt, stützt ihre Entscheidung auf die Stellungnahme der Fachbehörden, also das Wasserwirtschaftsamt, die Fischerei-Fachberatung und die untere Naturschutzbehörde und bei Nachfrage stellt sich heraus, dass deren Stellungnahmen nicht auf nachweisbaren Daten basieren?

KONRAD MÜLLER: Und sie sind sogar im Inneren der Fachstelle selbst widersprüchlich! (lacht) Und wenn eine Fachstelle jetzt daherkommt, wie am Verwaltungsgericht nun erlebt, und meint, „aktuelle Ergebnisse und Aussagen sind nicht aussagekräftig“, ich hab´ das mehrmals schon angesprochen, da lacht ein jeder drüber und sagt … „was denn dann?“!

HAMCHA: Welche aktuellen Ergebnisse und Aussagen meinen Sie denn?

KONRAD MÜLLER: Ja z.B. die aktuelle Fangquote. Wir haben ein Fangergebnis für 2011 übers ganze Jahr, wonach kein einziger Fisch gefangen wurde, also, der halt „massig“ ist. Fangliste Fangergebnis 2011: „Null Fische“!

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Der Rothbach, von Bodenmais kommend, einst eine Industriekloake, jetzt ein ökologisches Kleinod?

HAMCHA: Könnte es sein, dass es ein Interesse gibt, die Vergiftung des Rothbaches durch Schwermetalle in der Öffentlichkeit zu verheimlichen?

KONRAD MÜLLER: Sehr.

HAMCHA: …und welches Interesse wäre das?

KONRAD MÜLLER:  Interesse von vielen Seiten her. Auch Interesse von der Öko-Lobby und von der Naturschutz-Fachstellen-Lobby.

HAMCHA: Wieso, die Ökologie-Lobby müsste doch interessiert sein, den Zustand des Gewässers richtig zu beurteilen?

KONRAD MÜLLER: Ja …

HAMCHA: … in der Regel decken sie doch auf, wenn irgendwo etwas verunreinigt ist…

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Auch Jahrzehnte nach Einstellung der Vitriol- und Poteegewinnung zeigt der Rothbach die Spuren des Bergbaus.

KONRAD MÜLLER: Herr Vilsmeier, „verunreinigt“, nicht nur verunreinigt! Wir haben noch ein viel größeres Problem jetzt. Die Fachstellen in sich, die „beißen“ sich ja jetzt seit Jahren. Betrachtet man nur die Fachstellen im Einzelnen und in derer Ausrichtung, – man hat ja jetzt auch den Indikator „sind da Fische drin?“, – dann muss man wieder hinterfragen, „wieso sind keine Fische?“… Aber auf alle Fälle, aktuelles Ergebnis ist, „wir haben keine Fische“! Die Fachstelle Naturschutz, die sagt: “Wir wollen den Fischotter haben, höchst geschützt“. Jetzt einmal genau zu diesem Vieh. Der Bayerische Wald, alle Gewässer im Bayerischen Wald sind fischereilich kaputt dadurch!

HAMCHA: Alle Gewässer?

KONRAD MÜLLER: Es steht auch schwarz auf weiß geschrieben, dass „der Fischotter mittlerweile das Kerngebiet des Bayerischen Waldes verlassen hat, weil hier nicht mehr genügend Nahrung ist“, weil die Population die letzten Jahre aufgrund dieses Schutzes extrem zugenommen hat. Und jetzt stellen Sie sich vor, wenn man jetzt Prüfungen macht und wie es bei mir der Fall ist, dass hier geschrieben steht, der Rothbach ist noch dazu „im Bereich der Böbrach Mühle fischereilich ökologisch besonders wertvoll“, dann müsste man sagen, die Fische kommen vielleicht einmal in 15 Jahren, auch wenn jetzt keine da sind. Aber zum Zeitpunkt, zum aktuellen Zeitpunkt sind keine Fische da. Also ist er fischereilich nicht interessant und somit ist für diese Lobby die Gefahr gegeben, dass man sagt, da können wir ja den Wasserkraftwerksausbau oder das Thema Restwasser usw. viel besser auf die Wege bekommen! Also von allen Seiten her lauern hier Gefahren.


HAMCHA: Was würde es für die Tourismus Branche bedeuten, wenn bekannt würde, dass hier Altlasten in Bodenmais durch den Bergbau vorhanden sind, die so weitgehend sind, dass sogar der Rothbach schwermetallvergiftet ist?

KONRAD MÜLLER: Uninteressant. Spielt überhaupt keine Rolle!

HAMCHA: Für den Tourismus?

KONRAD MÜLLER: Es spielt überhaupt keine Rolle! Nein, das wäre also höchstens… und das sind ja Vereins-Fischer, die hier fischen und …

HAMCHA: Ich frage mich, wer ein wirtschaftliches Interesse haben könnte …

KONRAD MÜLLER: …ach so… (lacht)

HAMCHA: …daran, zu verhindern, dass bekannt wird, dass es hier möglicherweise ökologische Probleme gibt?

KONRAD MÜLLER: Tja?

HAMCHA: Herr Adam ist immerhin…

KONRAD MÜLLER: …Bodenmaiser….

HAMCHA: …und Landrat in einer Urlaubsregion.

KONRAD MÜLLER: Das musste sich auch Landrat Heinz Wölfl anhören, dass er gebürtiger Bodenmaiser ist. „Herr Landrat, sie müssten ja als gebürtiger Bodenmaiser den Rothbach gut kennen!“ – das hat Bürgermeister Blüml Werner an den Landrat herangetragen, ja, Konferenz 2010, ja! Ich denke, da wird es halt schwierig. Man weiß das, aber man kann es nicht gelten lassen, aus den einen und anderen Gründen!

Lore auf einem Bremsberg auf dem Silberberg, Bodenmais.JPG By Claus Ableiter (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
HAMCHA: Weil das wirtschaftliche Auswirkungen hätte? Also ich stelle mir vor, eine Region und ein Ort Bodenmais, der bundesweit dafür wirbt, das Touristen hierher kommen…

KONRAD MÜLLER: Ach so, ach… Mhm, nein…

HAMCHA: .. in eine ökologisch intakte Region….

KONRAD MÜLLER: … nein, nein, nein. Das Gewässer ist diesbezüglich nicht so berührt. Der Bach fließt da durch und das ist sogar… Pah, wir haben in Goslar z.B. so ein Bergwerk, die haben mal früher Bleivergiftung gehabt. Hier haben wir den Silberberg, ein Erzbergwerk. Das ist dann Nebensache, da….

HAMCHA:  Quecksilber…?

KONRAD MÜLLER: Aber da steht eher wieder im Vordergrund, dass man hier ein Erzbergwerk hat und das verursacht, so gesehen, keinen Schaden.

HAMCHA: Aha.

KONRAD MÜLLER: Nein, überhaupt nicht. Also, da sehe ich die „Vitriolhütte“ oder…, da kann man eher archäologisch nachschauen, was sich hier abgespielt hat. Aber am Bach z.B., – wir haben ja auch in der Gerichtsverhandlung gehört, der Rißbach ist verbaut in Bodenmais, da kann man gar keine Durchgängigkeit herstellen. Der Bach der läuft da durch und die Wasserkraftwerke sind in Bodenmais eines nach dem anderen vorhanden. Da wird Wasser abgezweigt und wenn man ins Wasserbuch reinschaut, dann hat es ja noch viel mehr Mühlen gegeben auf dieser Strecke! Ist ja jetzt eh nicht mehr der Fall. Und trotzdem spricht man davon, dass die Wasserkraft komplett ausgebaut ist, da wäre nichts mehr auszubauen.

HAMCHA: Also in der Vergangenheit gab es hier am Rothbach noch mehr Mühlen…?

KONRAD MÜLLER: Ja, noch viel mehr, ja ja. Das ist interessant, das zu betrachten. Und ganz interessant: mit so manchem, mit dem’sd jetzt sprichst, der sagt „mei, wir haben die Fische früher mit der Hand gefangen, da und dort“. Obwohl diese vielen Kraftwerke gewesen sind, größtenteils ohne Durchgängigkeit mit festen Wehren… sind die Fische damals und heute…

HAMCHA: …von welchem Zeitraum sprechen wir da? – Wann war dieser Fischbestand, so stark, dass man die Fische mit der Hand fangen konnte?

KONRAD MÜLLER: Na gut, natürlich schon unterm Jahr… im Winter wieder nicht so, ja ja, Sommer…

HAMCHA: …also aktuell jetzt auch…?

KONRAD MÜLLER: .. Nein, nein, (lacht) jetzt sind keine Fische mehr da!

HAMCHA: Wann dann?

KONRAD MÜLLER: …ja vor 40 oder 50 Jahren, sagen wir jetzt einfach mal.


HAMCHA:  Damals war der Bergbau noch voll in gang!

KONRAD MÜLLER: …nicht [am, die Red.] Rothbach…

HAMCHA: Ach, nicht am Rothbach…?

KONRAD MÜLLER: Nein, nein. Vom Rothbach sind auch immer wieder tote Fische am Wehr der Böbrach Mühle angeschwemmt worden.

HAMCHA: … sondern in anderen Gewässern …

KONRAD MÜLLER: … ja, ja ja. Nur zur allgemeinen Betrachtung.

 

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Duell am Red River – der Rothbach an der Böbrach Mühle.

HAMCHA: Und am Rothbach sind die Fische tot daher geschwommen? (lacht)

KONRAD MÜLLER: Ja ja, immer wieder tote Fische! Vor allem nicht Saiblinge, weil die noch widerstandsfähiger sind, aber Bachforellen und Seifenwasser! Und wie gesagt, der Rißbach geht ja direkt durch Bodenmais durch, das ist ja teilweise auch bekannt.

HAMCHA: Der Rißbach und dann der Schwemmbach…

KONRAD MÜLLER: Der Schwemmbach ist laut Gewässergütekarte „verödet“, der ist also „tot“! Der transportiert auch vor allem diese Altlasten vom Silberberg runter, hauptsächlich.

HAMCHA: Okay… – Danke für das Gespräch.

KONRAD MÜLLER: Gern geschehen.

(zur Übersicht / Lesen Sie in den nächsten Tagen unser Interview mit Landrat Michael Adam)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

©HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, Impressum