Dr. Thomas Goppel

Es ist Zeit für viel mehr offene Politik

Dr. Thomas Goppel: “Es ist Zeit für viel mehr offene Politik.”

© HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier, 2012
Dr. Thomas Goppel (MdL)

GOPPEL: Ich drücke den Deutschen ganz fest die Daumen. Mit Begeisterung bin ich dabei, wenn ich mitkriege, dass die Bayern an dieser Stelle ihre Qualität einmal mehr beweisen und natürlich, wenn sie reüssieren. Und ich kriege mit, dass wir im Prinzip fast auf einer Außenseiterrolle unterwegs sind, nicht deswegen, weil wir so schlecht Fußball spielen, sondern weil uns die Europäer insgesamt mit Argwohn betrachten, weil wir in diesen Zeiten so erfolgreich sind, während alle anderen eher eine Schleifspur ziehen.

HAMCHA: Da sind wir schon bei einem Thema, auf das ich gern später zurückkommen würde. Vorher noch einige persönliche Fragen. – Ich habe gelesen, dass Sie in ihrer Kindheit sagten, ihr Vater solle doch möglichst an jedem Wochenende einmal im Bayerischen Rundfunk …

GOPPEL: … in der Kindheit nicht. Das habe ich als Abgeordneter geschrieben.

HAMCHA: … der Bevölkerung die Politik der Staatsregierung erklären.

GOPPEL: Ja.

HAMCHA: Ist ihr Vater darauf eingegangen?

GOPPEL: Nein. Mein Vater gehörte zu denen, die grundsätzlich nicht selber in die Nachrichtenlage eingegriffen haben. Das war ihm zuwider. Er hat gesagt: „Ich mache meine Arbeit sehr zuverlässig und wer sich informieren will, der kann sich informieren. Ich gebe auch in allem offen Auskunft, aber dass ich mich von mir aus dauernd in der Form präsentiere, von der ich glaube, dass sie publikumsträchtig, publikumswirksam ist, das mache ich nicht. Das mache ich in meinen Versammlungen, da soll jeder erfahren können, was wissenswert ist. Aber im Fernsehen und Funk mag ich nicht als eigener Interpretator auftreten.“

Ich bin da völlig anderer Meinung. Ich bin da eher bei den Amerikanern, die mit entsprechenden Erklärungen ständigen Kontakt halten mit ihren Bürger/innen und von sich aus erklären, was wichtige Gesichtspunkte der Politik heute sind. Nun hat sich die Zeit inzwischen gewandelt. Angela Merkel macht längst über Internet genau das, was ich vorschlage und geht mitten unter Menschen. Ich finde es falsch, wenn unser öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht seine eigentliche Aufgabe, zu informieren, umsetzt und jede Woche der Regierung Zeit gibt sich darzustellen. Von mir aus auch der Opposition, dagegen habe ich gar nichts einzuwenden. Was ich allerdings korrigieren würde, ist das Vorrecht der Opposition, sich auf das, was die Regierung sagt, vorher vorzubereiten. Es muss einen echten Schlagabtausch geben. Es braucht das Spiel Rede/Gegenrede. Der Eine stellt fest, der Andere redet dagegen. Kein Problem. Aber ich finde, es ist Zeit für viel mehr offene Politik, weil das das Fernsehen, das Internet und der Funk erlauben, ja fast zwingend vorgeben.

HAMCHA: In den 50iger und vor allem in den 60iger Jahren gab es wöchentliche Diskussionsrunden im Fernsehen, in denen Vertreter der verschiedenen Parteien und Journalisten anwesend waren. Da wurden diese Themen diskutiert.

GOPPEL: Der Unterschied, den ich hier sehe, ist, dass nicht mehr die Politik bestimmt, was diskutiert wird. Jetzt tun es die Löwenthals von heute! Jauch und Co. Es muss doch die Kanzlerin in der Lage sein oder in Bayern der Ministerpräsident, eine Themenfestsetzung zu beeinflussen. Als Beispiel mag das Betreuungsgeld angehen. Darüber redet man immer nur so, wie es der Journalist aus der SZ initiiert. Und damit kriegen es die Leute einseitig in den Hals, meist den falschen, zumindest einen vorgeschwellten. Dann reden alle über was ganz anderes als das Thema. Es wird überhaupt nichts mehr klargestellt. Es werden Meinungen aneinander gereiht, anstatt aufeinander antworten zu lassen. Spätestens nach dem dritten Wortbeitrag hört keiner mehr zu. Das weiß ich aus langjähriger Erfahrung. Im ersten Moment Neugier: Da hat einer was Interessantes? – Nein, das kann weg! Im zweiten Augenblick heißt es dann: Das war eben ganz interessant, stimmt das? – Nein, wieder weg! Und wenn sich das im dritten Anlauf wiederholt, braucht niemand mehr für ein solches Thema interessiert werden. (Weiterlesen)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier am 13.06.2012 im Bayerischen Landtag

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