Dominik Plangger

Dominik Plangger: Die Gabe Volkslieder zu schreiben

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, 2012

HAMCHA: Bist Du in Österreich als Liedermacher eine musikalische Rarität?


Dominik Plangger: Das würde ich nicht unbedingt sagen. In Deutschland ist der Liedermacher, der Barde, Teil der musikalischen Landschaft.

HAMCHA: Wie ist es in Italien?

Dominik Plangger: In Italien ist es auch sehr gut.

HAMCHA: Ist es dann nicht eine Option für Dich, als Cantatore nach Italien zu gehen?

Dominik Plangger: Die Italiener hören sich halt sehr ungern deutsche Lieder an. Ich bin deutschsprachiger Liedermacher und werde sicherlich nicht nach Italien gehen, um italienisch zu singen. – Ich muss mich ja nicht anpassen, an irgendeine Situation! Ich muss die Situation einfach abwarten und Geduld haben, bis da was geht. In Wien gibt es zum Beispiel einen Singer-Songwriter Circle aber die singen hauptsächlich in Englisch. Die müssen erst draufkommen, dass Deutsch auch schön ist. Ich kriege so einen Kropf, wenn ich x-tausend Singer-Songwriter höre, die englisch singen aber den deutschen Akzent drin haben. Das ist teilweise sehr schrecklich. Die Deutschen haben weniger Probleme mit deutschsprachigen Texten. In Deutschland ist die Liedermacherei einfach stärker verwurzelt als in Österreich.

HAMCHA: Wie läuft das ab, wenn Du versuchst, in Wien einen Gig zu bekommen?

Dominik Plangger: Eine Zeit lang bin ich zu Musikkneipen gegangen und hab gefragt, ob ich auftreten kann. Ich mach es deswegen nicht mehr, weil ich die Arroganz der Veranstalter und Kneipenbesitzer schon lange satt habe. Sobald du da hin kommst, ihm deine CD zeigst und sagst du willst spielen, blasen sie sich so auf und spielen ihre Macht aus. Sie wissen genau, dass sie ja oder nein sagen können und das geben sie dir eiskalt zu spüren, obwohl sie auch nur Besitzer einer Bar oder Kneipe sind. Herumgehen und betteln, das mache ich nicht mehr, weil das einfach nicht sein muss.

HAMCHA: Dann lieber Straßenmusik?

Dominik Plangger: Viel lieber Straßenmusik! Das ist einfach redlicher, da horchen einem die Leute zu, die es wollen, da geben dir die Geld, die dir Geld geben wollen, das ist einfach ganz etwas anderes. Entweder werden sie selbst auf mich aufmerksam – sie werden es auch werden! – aber herumgehen und betteln, das tue ich nicht mehr.

HAMCHA: Dominik, wie gehst Du mit Kritik um?

Dominik Plangger: Ich kann mit Kritik sehr gut umgehen. Ich bin froh, wenn ich auf Sachen angesprochen werde, die in meinen Liedern störend wirken. Da entwickelt sich meistens ein interessanteres Gespräch, als wenn jemand kommt und alles super findet. Ich finde es interessant, wenn jemand sagt „das war schon gut, a b e r …“. Daraus entwickelt sich ein Gespräch. Ich kenne meine Schwachpunkte und es gibt Menschen, denen sie auffallen.

HAMCHA: Worin siehst Du Deine Schwachpunkte?

Dominik Plangger: In meiner Sprache, in meinen Texten, in meinem Wortschatz. Da habe ich einfach eine Schwäche.

HAMCHA: Deine Texte sind doch sehr lyrisch und haben Sprachgewalt. Wenn ich die Reaktionen Deiner Zuhörer beobachte, merke ich, dass deine Texte eine gewisse Wirkungsmacht besitzen. Warum siehst Du gerade darin Deine Schwäche?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Cynthia Nickschas CD “Schicksal” – Bestellbar!

Dominik Plangger: Beim Schreiben merke ich es.

HAMCHA: Weil es ein mühevoller Prozess ist?

Dominik Plangger: Es ist ein mühevoller Prozess, weil ich mich mit der Sprache nicht so leicht tue, wie mancher andere. Wenn ich mir Cynthias Texte anhöre, dann denke ich, sie packt da Worte rein, die sind phantastisch. – Bei mir schwächelt es in der Sprache.


HAMCHA: Bekommst Du Kritik von Kollegen, die Dich weiterbringt?

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Prinz Chaos II. und Dominik Plangger, Paradiesvogelfest, 2012

Dominik Plangger: Ja, sowieso. Der Prinz ist ein Ansprechpartner auf dem Gebiet, auf seine Meinung und seine Einschätzungen lege ich sehr viel Wert, weil er ein sehr guter Beobachter und Zuhörer ist. Er hat zum Beispiel auch mit Konstantin Wecker schon über meine Lieder gesprochen. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als Konstantin Wecker zu mir sagte, „Dominik, Du hast die Gabe Volkslieder zu schreiben, denn deine Texte sind einfach gestrickt, in einer einfachen Sprache.“ Das war mir gar nicht bewusst, auch bei einigen meiner Dialektlieder oder auch bei meinem Hurenlied nicht.

HAMCHA: Konstantin Weckers Statement ist ja nun weniger Kritik als Lob. Ist es eine seiner Stärken, Kritik als Lob zu verpacken?

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Konstantin Wecker und Dominik Plangger, Songs an einem Sommerabend, Kloster Banz, 2012

Dominik Plangger: Wenn er von der Gabe, Volkslieder schreiben zu können spricht, ist alles verpackt, das heißt schon, dass die Lieder einfach sind. Das sind keine komplizierten Harmoniefolgen, textlich keine Zungenbrecher oder Sachen, über die man nachdenken muss. Das Lob liegt darin, das ich einfache Lieder und einfache Texte mache, die trotzdem etwas aussagen. Das ist es, wohin ich eigentlich will, mit meiner Musik.

HAMCHA: Einfach und gehaltvoll?

Dominik Plangger: Wie American Folksongs. Das sind alles einfache Melodien, einfache Lieder. – Konstantin Wecker ist viel mehr von der Klassik geprägt, in seinen Liedern wird es schon komplizierter. So etwas mache ich nicht. – Mit Kritik von Freunden kann ich schon sehr gut umgehen, sie sind auch über einen längeren Zeitraum die besten Beobachter. Mit einigen musiziere ich schon über zehn Jahre zusammen und ihre Meinungen sind sehr wichtig für mich, weil Sie meine Entwicklung mitbekommen.

HAMCHA: Welche Freunde sind das?

Dominik Plangger: Zwei sehr gute Freunde aus Italien, mit denen ich mit 16, 17 Jahren angefangen habe herumzulungern.

HAMCHA: Sind sie ähnlich erfolgreich wie Du?

Dominik Plangger: Mauro Ferrarese ist der Blueser, der in der italienischen Bluesszene seinen Platz hat und dessen Name auch bekannt ist. Und Aronne Dell’Oro spielt italienische, insbesondere süditalienische Volksmusik und hat in dem Genre auch einen Namen.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, Songs an einem Sommerabend, Kloster Banz, 2012

HAMCHA: Worüber sprichst Du gerne?

Das Gespräch führte

Heinz Michael Vilsmeier

 


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