Dominik Plangger

Dominik Plangger: …aber die Gitarre behandle ich schlecht

HAMCHA: Worüber sprichst Du gerne?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Wenn ich über etwas gerne spreche, schreibe ich es meistens auf und vertone es. Ich spreche gerne über Liebe, weil sie genau das ist, was die Welt verbessern kann, könnte, wenn alle sich lieben würden. Dann gäbe es einfach keine Probleme mehr, dann hätten wir keinen Krieg mehr.

 

HAMCHA: Welche Rolle spielt die Partnerschaft zu Deiner Geliebten?

Dominik PlanggerIch bin eigentlich kein Beziehungsmensch aber meine Freundin spielt schon eine absolut wichtige Rolle. Ich liebe meine Frau und die Musik. Das eine muss halt dem anderen ab und zu Platz lassen, weil mir beides sehr wichtig ist. Meine Freundin behandle ich, ich hoffe, sie sieht es genauso, so gut es geht, die Gitarre nicht.

HAMCHA: Habt Ihr eine glückliche Beziehung?

Dominik Plangger: Ja, es ist eine schöne und glückliche Beziehung, obwohl mir Beziehungen, wie schon gesagt, sehr schnell über den Kopf wachsen.

HAMCHA: Fühlst Du Dich leicht eingeschränkt?

HAMCHA Menschen im Gespräch,Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Ja, daher genieße ich es auch, wenn ich wieder einmal unterwegs bin um Musik zu machen, beispielsweise jetzt, als ich beim Paradiesvogelfest war. Das ist auch gut so. Wenn ich in Wien bei meiner Freundin bin, spielt die Musik eine recht untergeordnete Rolle. Sie ist sehr interessiert an meinen Sachen. Ich wäre nicht so gerne mit einer Musikerin zusammen. Wenn ich unterwegs war, um Musik zu machen oder Musik zu hören, rühre ich die Gitarre danach zwei oder drei Tage nicht an. Ich höre auch keine Musik, weil ich dann einfach gesättigt bin. Es gibt Menschen, die jeden Tag 3, 4 Stunden Gitarre spielen. Ich habe mit einem Freund zusammen gelebt, bei dem das so war, da wäre ich fast verrückt geworden, weil ich nicht ständig, ständig, ständig Musik hören kann. Das geht sich bei mir einfach nicht aus.

HAMCHA: Jetzt sprechen wir über Deine andere Geliebte, die Gitarre. Behandelst Du sie gut?

Dominik Plangger: Nein … Ja … ich glaube auch nicht, dass ich meine Frau schlecht behandle!


HAMCHA: Das habe ich auch nicht gesagt.

Dominik Plangger: Ja, aber die Gitarre behandle ich schlecht.

HAMCHA: Wenn Du Deine Gitarre drei Tage nicht siehst, vermisst Du sie nicht. – Beziehst Du einen Teil Deiner Kreativität aus Deiner Liebesbeziehungen?

Dominik Plangger: Schon, ja. Viel, vor allem, wenn ich die Sehnsucht spüre. Aus solchen Situationen sind schon viele Liebeslieder entstanden.

HAMCHA: Da fällt mir die Minne ein, Ritter, die ihre Leidenschaft und unerfüllte Liebe in Liebeslyrik zum Ausdruck brachten.

Dominik Plangger: Meine Kreativität bekommt immer einen unerhörten Schub, wenn die Frau die ich liebe, in der Ferne zurück bleibt. Sie sitzt da, du sitzt hier und dazwischen ist der räumliche Abstand. Das passiert mir schon öfters und immer in solchen Situationen entstehen bei mir die Liebeslieder, immer aus einer Sehnsucht und aus einem Kummer heraus.

HAMCHA: … Sehnsucht und Kummer, die zeitgleich mit der erfüllten Liebesbeziehung da sind?

Dominik Plangger: Genau. Bestimmt geht es nicht nur mir so. Der Konstantin Wecker hat ja auch viele Liebeslieder geschrieben.

HAMCHA: Willst Du eine Familie gründen.

Dominik Plangger: Ich glaube, ich muss mich erst einmal selbst erziehen, bevor ich ein Kind erziehen kann.

HAMCHA: Was ist auf der Tagesordnung?

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Zurzeit ist auf der Tagesordnung, dass ich mich ein bisschen weiter schupf, dass ich mir jeden Tag ein bisschen Ansporn gebe, etwas zu tun, die Musik weiter zu treiben.

HAMCHA: Du hast seit einiger Zeit einen Plattenvertrag, ist der tragfähig für die Zukunft, bringt er Dir was?

Dominik Plangger: Nein. Der Plattenvertrag hat mir noch nichts gebracht, außer einen Haufen Schulden. Das nächste Album werde ich nächstes Jahr aufnehmen und entweder bezahle ich es ausschließlich selbst oder jemand produziert es für mich.
Ich werde mich sicher auf keinen fifty fifty deal mehr einlassen.

HAMCHA: Erzielst Du Einkünfte über die GEMA?

Dominik Plangger: Meine Lieder sind in Deutschland bei der GEMA gemeldet. Sie zahlt an meinen Plattenverlag und der müsste es an mich weiter geben aber da ist auch noch nichts gekommen.

HAMCHA: Wie wichtig ist das Internet bei der Verbreitung Deiner Musik?

Dominik Plangger: Eine sehr große. Eine Promotion, wie man sie über Facebook oder YouTube machen kann, wäre vor 15 Jahren nicht bezahlbar gewesen.

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Dominik Plangger, 2012

HAMCHA: Diesen Weg nutzen sehr viele, empfindest Du es trotzdem als Vorteil?

Dominik Plangger: Ich empfinde es als Vorteil, weil ich einen kleinen Fanclub habe und den kann ich über die Internetkanäle und sozialen Netzwerke sehr gut versorgen.

HAMCHA: Betreibst Du ein eigenes Internetportal?

Dominik Plangger: Bisher läuft die Kommunikation sehr gut über Facebook aber ich werde mir jetzt eine eigene Website einrichten.

HAMCHA: Die YouTube-Präsenz bringt kein Geld.

Dominik Plangger: Es muss nicht immer das Geld sein. YouTube hat den großen Vorteil, dass man seine Musik selbst verbreiten kann. Man braucht die alten Strukturen der Musikverlage nicht mehr. YouTube bringt zwar kein Geld, dafür aber Fans.

HAMCHA: Das ist die Hoffnung.

Dominik Plangger: Wir müssen als Liedermacher auch ehrlich sein. Wir können gar nicht so viele Lieder verkaufen, egal über welchen Vertriebsweg, dass wir davon leben könnten. Das funktioniert bei einem Konstantin Wecker noch, weil er eine Institution ist. Aber wir anderen können als Liedermacher nur durch Lifeauftritte überleben. Für CD-Verkäufe ist die Nische zu klein. Über Amazon habe ich 30 Downloads, d. h. 30 mal 6 Euro bekommen, pro Lied 2,5 Cent. Da müssten die Lieder tausendfach heruntergeladen werden, damit es sich überhaupt rentieren könnte. Das ist in dem Genre sehr schwierig. Selbst Konstantin Wecker könnte ohne Lifeauftritte, also nur durch CD-Verkäufe, nicht leben. Es müssen sogar die großen Dealer machen, ständig life unterwegs zu sein und dort CDs zu verkaufen, weil es einfach eine zu kleine Nische ist.

HAMCHA: Was hältst Du von der Aufweichung des Rechts am geistigen Eigentum?

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Dominik Plangger, 2012

Dominik Plangger: Ich bin der Meinung, dass das Urheberrecht, gerade für uns Künstler sehr wichtig ist, weil es uns davor schützt, dass unsere Produkte geraubt werden. Als frei schaffender Künstler hat man schon so wenig an Rückhalt, dass es gut ist, dass die GEMA drauf schaut, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Der Diskurs über die Abschaffung oder Aufweichung des Urheberrechts ist mir ein bisschen zu banal und zu blöd. Die Piraten haben ihren Namen „Piratenpartei“ auch schützen lassen. Ich weiß nicht, wer bei den Piraten diesen Diskurs führt, das können eigentlich keine Künstler sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Künstler sagt „Okay, ich schenke euch – alles!“. Was ist das für ein Blödsinn!? Für alles muss man bezahlen, wieso soll man dann, weil man geistiges Eigentum hat, kein Geld dafür bekommen? Das verstehe ich nicht. Dann müsste man alles abschaffen, auch die ganzen Patente. Ich bin da nicht mit der Piratenpartei einverstanden.

HAMCHA: Ich habe die Diskussion bei den Piraten so verstanden, dass das Recht am eigenen geistigen Produkt nicht über einen so langen Zeitraum wie bisher geschützt werden soll. Der Zeitraum soll wohl auf 10 Jahre verkürzt werden. Ein Mitglied der Piraten, der an dieser Programmatik arbeitet, behauptet von sich, er selbst sei Musiker und man müsse das Urheberrecht „zeitgemäß“ gestalten, weil es nicht mehr der Realität in Zeiten des Internets entspreche. Man dürfe das freie Herunterladen von Titeln nicht negativ bewerten, weil es der Popularität diene. – So ähnlich hast Du es ja selbst gerade beschrieben. Ich bin da skeptisch, möchte mich aber jetzt nicht mit einer eigenen Meinung positionieren, weil ich wissen wollte, was Du dazu denkst.

Dominik Plangger: Ich glaube, dass die Piratenpartei noch viel zu wenig erfahren ist. Ich jedenfalls, würde gerne von meinen Liedern leben.

HAMCHA: Dominik, ich danke Dir für das Gespräch.

Dominik Plangger: Ich danke auch und für die angenehme Autofahrt. (zur Übersicht)

Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

 

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