Ali Khan: Mei Mama stockkatholisch, mei Vater stockmuslimisch

Ali Khan

Mei Mama stockkatholisch,
mei Vater stockmuslimisch

HAMCHA art integration, Heinz Michael Vilsmeier
Ali Khan und Rochester Davis Rumble in the Kingdom- an Evening with Ali Khan Foto Ali Khan Titelbild Facebook

HAMCHA: Ali Khan, ich würde jetzt gerne ein bisschen in Deine Biographie gehen, wenn Du gestattest. Während meines Studiums hatte ich in München viele persische Freunde, viele auch, die nach dem Sturz des Schahs in den Krieg hineingezogen wurden, viele von ihnen sind gestorben. – Du hattest einen persischen Vater. Gibt es bei Dir noch Verbindungen in den Iran?

Ali Khan: Mein Vater war auf der falschen Seite – also „auf der falschen Seite“ in Anführungsstrichen. Der war halt … Sie wurden ja auf der Straße weggeholt, in den 60er Jahren, auch hier in Deutschland. Mein Vater ist schon gestorben, als ich sieben war. Ich hab mich als Kind davon gelöst, dass man da nicht in Gefahr kommt, weil das auch ein schwieriges Gebiet war, woher er kam. Das war russische Nähe und mein Vater hatte, ja, "blaues Blut". Er wurde zuerst von den Russen gefangen genommen, im Zweiten Weltkrieg, und dann von den Deutschen. Er sollte für beide Seiten kämpfen. Er ist dann hier in Moosburg bei München im Gefangenenlager gewesen. Weil er sehr viele Sprachen sprechen konnte, auch Russisch, hat er sich als Russe in das Gefangenenlager eingeschlichen. Er hat sich als Russe ausgegeben und war dann aber … Er ist abgehauen, hat sich unterm Heu versteckt, ist dann von einem Bauern versteckt worden. Dann war der Krieg aus, er ist hier geblieben und konnte nie mehr zurück. Er ist zeitig an Heimweh gestorben. Ist klar, das ist eine ganz lange Geschichte, die ich gerade in einem Buch beschreibe. Das ist eine Autobiographie, die ich gerade schreibe und ich habe das so a bissl mit anglegt ... Ich hab ja da so einige Bratenduftgeschichten. Wir haben hier mit dem Fürst Kayub Khan und den ganzen Burschen immer was zu tun ghabt. Damals war ich natürlich ein kleines Kind und es geht nur um das, was ich halt so mitbekommen hab. Aber es ist ein ziemlich langes Kapitel. Ich weiß auf jeden Fall, wie viel Leid Krieg im Allgemeinen, und im Besonderen meinem Vater, angetan hat. In einem Kapitel meines Buches ist die Biographie meines Vaters angeredet, der, glaube ich, ein guter Mann war, ein toller Mann!

HAMCHA: Hast Du Farsi gelernt, in der Kindheit …?

Ali Khan: Nein, nein, nein, nein! Früher konnte ich a bissl Farsi, aber jetzt – das schläft auch ein. Ich suche auch ned den Kontakt. Das ist vielleicht auch so eine Lebensentscheidung. Ich suche jetzt nicht den Kontakt zu Persern! Es gibt diesen persische Typus von Mensch, vielleicht ist es auch a Gschicht, ob ma mehr damit zu tun hat. Ich such jetzt nicht den Kontakt zu Persern, i merk, wenn's einer ist! Die sind lustig, die singen gern, da sind tolle Menschen drunter, genau so, wie halt, mei, mir. Ich hab ganz selbst gewählt, nämlich München als meine Heimat, in der ich ja geboren bin. Ich hab mir vorgenommen, des ernst zu nehmen und dafür stehen zu wollen.

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Ali Khan & Abi Ofarim: Der Tag des Kusses 2013 verlangt seine Opfer! Foto Ali Khan Titelbild Facebook

HAMCHA: Was bedeutet es für Dich, wenn Du davon hörst, dass Iran zum Schurkenstaat erklärt wird, dass es mit einem militärischen Angriff bedroht wird?

Ali Khan: Also vor vierzig Jahren hat mein Stiefvater damals schon gesagt: „Wenn die Arroganz des Westens so weiter geht, gegenüber dem Orient, dann wird es ein böses Ende nehmen!“ – Das war vor vierzig Jahren! Man kann ja täglich zuschauen, seit vielen Jahren, wie die Politik der westlichen Mächte, namentlich der USA, mit Stoßrichtung Iran langsam die Schnur enger ziehen. Ich bin so der Mensch, mir tut das schon weh. Wenn ich jetzt sehe, wie Syrien, Euphrat und Tigris, die Wiege der Menschheit, wie die in Schutt und Asche versinken, dann denk i mir: Mein Gott, wo sind denn eigentlich die letzten gebildeten Menschen auf dieser Welt. Wo sind die, die das zulassen, die an maßgebender Stelle wahrscheinlich gar ned wissen, was sie da machen. Des is a Katastrophe! Des is a ganz a furchtbare Katastrophe! Aber als Allererstes sehe ich immer die menschliche Katastrophe, dann den Machtwillen oder den Machthunger oder die ... die geopolitischen Interessen! Ich bin jetzt auch nicht so stark Verschwörungstheoretiker. Ich sag nur: Des is eine interessante aber auch unglaublich Weichen stellende Zeit für die nächsten Jahrhunderte, glaube ich, was jetzt grad passiert!

HAMCHA: Ja, mit Sicherheit! – Okay, mein Versuch ist gescheitert, irgendwelche rudimentär lebendigen Wurzeln des Ali Khan im Iran auszugraben. Deine Wurzeln scheinen wirklich, sowohl kulturell, wie auch biographisch vollständig in Bayern zu liegen. Trifft es das, wenn ich konstatiere: Du bist Bayer?

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Ali Khan: "I bin in Bayern aufgwachs." Foto Ali Khan (Titelbild Facebook)

Ali Khan: Ja, aber ich bin jetzt keiner mit Lederhosen und ich bin … Ich kann Dir schon sagen, was ich bin: Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes zwischen allen Stühlen! Das ist bei mir auch geistig schon immer so gewesen und ich hab es genossen! Mei Mama kommt aus Südtirol und ist dann in München gwesen, stockkatholisch, stockkatholisches Umfeld, mein Vater stockmuslimisch, ich bin bei den Ministranten gwesen und hab den Koranunterricht mitmachen sollen ... Ja, also, ich hab ihn mitgemacht! Das heißt ... Und ich hab dann einen Stiefvater, zum Beispiel, der bekennend schwul war. Der hat auch begonnen, seine Finger an mir abzuschnullen, das heißt, ich kann … [lacht] Wie soi i denn sagn? Sie wurde mir so nahe gebracht, an mein Leben, die Problematik so vieler menschlicher „Geburtsfehler“, in Anführungsstrichen, dass ich ... Ich musste damit umgehen … und dabei lernt man auch, inwendig seine Identität manchmal zu wechseln. Das kommt mir manchmal zu Hilfe, ich hab, ein Beispiel, jetzt im Radio: Ich bin in der Fußgängerzone gegangen, da standen 80 Polizisten um zwei Menschen herum, die einen Tapeziertisch aufgestellt und irgendwelche Pamphlete ausgegeben haben, um … Einer hat a bissl ausgschaut wie da Hitler und der Ander hat a a bissl ausgschaut wie da Hitler. Es waren halt Nazis oder Neonazis. Da bin ich hin und hab sie gefragt: Wollts zu mir ins Radio kommen? Die sind dann gekommen. Wir haben dann zwei Stunden a Gespräch ghabt, des war wieder a medienpolitische Gschicht! Des war damals zur Bürgermeisterwahl in München, in der Zeit der Wahl. Am nächsten Tag um 12 Uhr krieg ich einen Anruf von meinem Geschäftsführer, der sagt da: „Ja sag einmal, was machst Du da, wen lädst Du da ein?“ – Hab ich gsagt: Des warn halt die Zwei. – „Ja das geht nicht, mich hat das Rathaus angerufen, sie würden keinen ihrer Bürgermeisterkandidaten mehr zu Charivari schicken, weil bei Charivari ja Nazis auftreten!“ Dann hab ich als Antwort gsagt: Okay, bevor ihr mich hängt oder rausschmeißt, schicke ich gerne ans Rathaus einen Mitschnitt. Und dieser Mitschnitt … Ich hab nie mehr was ghört drüber! Ich weiß bloß, die beiden haben sich natürlich verbal schwerstens selbst desavouiert. Das war eine wunderbare Lachnummer! Wir haben gesprochen … Ich hab gfragt, zum Beispiel: Bist du Christ? und: Inwiefern... Oder ich hab gefragt, wie lang die Halbwertzeit der Kreuzigung Christi ist. – In jede Falle sind sie rein getreten. So etwas wurden sie noch nie gefragt. Ich meine, das ist doch meine Aufgabe, zu öffnen und solche Leute sprechen zu lassen! Dass da nix war oder nur hohles Zeug, Schmarrn, der nach zehn Minuten zu Ende ist. Dann kommt das Eingemachte, dann lernst Du einen Neonazi nah kennen, das trat dann zutage. Aber ich hab dann schon in den nächsten Sendungen öffentlich gefragt: Wer macht eigentlich das Radioprogramm? S'Rathaus in München – oder was? Das die anrufen, wer eingeladen werden darf, auf welchem Sender – wo sind wir denn!? Aber das ist die Vorgehensweise. Irgendjemand ruft da an und sagt: Das geht so nicht! – Das geht eben so nicht, wie es sie machen! Aber die Meisten würden sich ja diesem Druck beugen und, mit schon vorauseilendem Gehorsam, sagen: Nee, Nazis geht gar nicht, Hitler geht gar nicht und es geht auch gar nichts ... Das ist halt so ein erstunkener und erlogener Common Sense, den es überhaupt ned gibt! Die Leute interessieren sich sehr wohl für sehr vieles! Und wie man weiß, sind die Leute am gescheitesten, die noch nie im Ausland waren, die wissen am meisten über Afrika Bescheid. Die Kinderlosen wissen am meisten über Kindererziehung! Aber würde man auf jedem Sender zu A-Zeiten Menschen hören, die dich umgeben, die sich da offen äußern können, dann wüsste ich auch mehr Bescheid. Aber die wissen's ja nicht mehr! Schau Dir mal die Talkrunden im Fernsehen an – mir kommt das üble Kotzen! Wenn Krieg ist, dann kommen selbsternannte Experten, Kriegsexperten, Syrienexperten, die hundert mal von NTV interviewt werden, immer die Gleichen, die ihren stundenlangen Scheißdreck daher reden. Oder wenn'st Talkrunden anschaust, mit Anne Will, die können ja schon in eine WG ziehen, zusammen, die kennen sich ja besser, als ihre eigenen Lebensgefährten, weil da treffen sich immer die Gleichen! Wahnsinn! – Das ist der Niedergang einer ganzen Branche, und die ist meinungsbildend! Und davon leben wir, wir leben jetzt in der Zeit der technisch möglichen Kommunikation und aber gleichzeitig in einer extremen Unterdrückung derselben, weil an den Schlüsselstellen eben die Moderatoren, die Redakteure usw., Leute sitzen, die nur Angst um ihren Job haben und nicht Angst darum, nicht die Wahrheit zu vermitteln! Aber das hat mich schon lang genervt!

HAMCHA: Ich sehe die Problematik, die Du beschreibst, ich sehe aber auch, dass wir gerade mit den neuen Medien, mit dem Internet, Chancen haben, eine Öffentlichkeit wieder herzustellen. Das verlangt nur einen unglaublichen Mut. ...

Ali Khan: … Ja ...

HAMCHA: … Es verlangt die Bereitschaft, dass man was riskiert ...

Ali Khan: … Richtig!

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Ali Khan: "Wenn ein Mensch, der den Mut hat, der ganzen Welt die Augen zu öffnen, nirgendwo auf der ganzen Welt Asyl erhält, dann ist das Schloss schon in die Türe gefallen." Foto: Ali Khan Facebook Titelbild

HAMCHA: Ich glaube die Menschen, die Journalisten, die Redakteure die Stellen besetzen, die wagen nichts mehr, die sind froh, dass sie im Sattel sitzen und wollen da auch gar nicht mehr raus. Außerdem, diese Art von Journalismus verkauft sich gut, man macht damit richtig Geld.

Ali Khan: Richtig.

HAMCHA: Das ist der Mainstream. – Alles, was davon abweicht, bringt keine finanzielle Sicherheit, das erfordert Idealismus und Berufsethos.

Ali Khan: Ich sage da mal: Die Ersten werden die Letzten sein. Es gibt da strahlende Beispiele, also den KenFM, kennst Du den? …

KenFM zeigt: “Wir weigern uns Feinde zu sein” & Gespräch mit den Autoren

 

HAMCHA: … Ja.

Ali Khan: Also ich finde den ganz gut. Der tut sich was an! Oder der Frank Herschtl, der ehemalige ARD- oder ZDF- … ah … war der Chefredakteur – i weiß ned … Der wurde total ins Aus geboxt, aber der sagt die Wahrheit! Der sagt mir viel mehr in einem Gespräch, als 50 andere in 100 Gesprächen. – Also, es gibt sie schon! Leute, die in sich des noch spüren und nicht unterdrücken, dass sie die Wahrheit sagen müssen! Sonst sind sie falsch in dem Beruf. Aus!

HAMCHA: Richtig. Zustimmung. – Ali Khan, in Deinem Leben gab's einige Brüche. Du hast schon etwas aus Deiner Kindheit erwähnt, Du sagtst Du arbeitest an Deiner Biographie, Du warst verheiratet mit Lisa Fitz, hast mit ihr zwei Kinder ...

 

Ali Khan: … Nein, ein Kind. Ich hab eine Tochter mit einer anderen Frau. Ach, das ist ...

HAMCHA: Okay. – Du bist ein sehr verletzlicher Mensch.

Ali Khan: Was bin ich? Ein ...

HAMCHA: … ein verletzlicher Mensch.

Ali Khan: Ja, a bissl scho, wahrscheinlich. [lacht]

HAMCHA: Hat diese Verletzlichkeit etwas mit den Brüchen in Deinem Leben zu tun – auch mit den Frauen?

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Ali Khan: "Für mich soll`s rote Rosen regnen!" Foto / Plakat Richard Föhr

Ali Khan: – Ah, ja – des weiß i ned. Des kann i ned sagen, weil da wär i ja … Hm! – Weißt Du, i hab wahrscheinlich a persische Seele … [lacht]

HAMCHA: … Was meinst Du damit? ...

Ali Khan: … und bin in Bayern aufgwachsn. [lacht] Bayern schenkt mir viel und i versuch ihm auch etwas zu geben, was vielleicht manchmal a bissl weg ist, hier … Wie soll ich sagen? Also ich bin halt so a Mensch. Ich sag dann: Meinem Sohn musst i mal, als er 16 war, sagen: Du, der Mann, der Helmut Kohl, der Mann ist fei abwählbar! Der ist nicht für immer hier. Oiso, ich red halt so, ich eröffne ein Gespräch so. Ich bin so a Mensch, der sich so halb noch auf einem Pferd befindet, aber denken kann in Web 3.0! Oiso, i sprich die Sprache eines … naja, eines Münchners. Des is a komisches Gefährt, des is a komisches Konstrukt, was ständig durchflossen wird von ganz, ganz vielen Strömungen, die ich aber ned … Ich mach's mir ned so leicht und sog: Naja, des is halt so … Sondern i frag halt: Warum is des so und wohin führt des? Wie kann man Leid verhindern? Ich weiß selber schon a bissl was über Leid. Des weiß, glaub ich, jeder. – Soviel zur Verletzlichkeit. Aber i bin ned selbstmitleidig, des bin i ned! I versuchs. … – Bist no da?

HAMCHA: Ich bin noch da. – Ich denke gerade über das nach, was Du gesagt hast. Hm. – Du bist sehr oft mit schönen Frauen zu sehen.

Ali Khan: Was bin ich?

HAMCHA: Du bist mit sehr vielen schönen Frauen zu sehen.

Ali Khan: [lacht] Ja, das stimmt. Des hob i wahrscheinlich meinem Vater oder meinem persischen Blut zu verdanken. Ja, i mag – i mag des scho! Ich mag Frauen natürlich gern, ich mag … Ich bin auch recht gut eitel, ist auch klar! Aber ... Des ist mir noch gar ned so aufgfallen! Ja, i geh jetzt gleich zu einer … Mein erster Modeljob im Leben. [lacht] Ich mach hier in München bei einer [lacht] Modelshow mit, da sind auch ganz viele schöne Frauen. Oiso, es ist … Des wär ja dann doch recht unmännlich, glaub ich, wenn man das nicht – manchmal schön fände. Aber das ist nicht mein Lebensmittelpunkt.

HAMCHA: Welche Bedeutung haben Frauen für Dich?

Ali Khan: Hm. – Naja! Nicht der Typ „Alles Schlampen – Außer Mutti! Aber ich hab meine Mutter s e h r geliebt! Sie ist schon verstorben. Das war ein wunderbarer Mensch, und ich hab gedacht, alle Frauen sind so. Dem ist natürlich nicht so! Das lernt ja jeder Mann, dass die Mama a Sonderfunktion hat, im männlichen Leben. – Welche Funktion haben die? Als Mütter meiner Kinder sind sie die Partner wundervoller Zeiten, und das sind auch die Arme, in die ich mich gerne begebe, wenn's … wenn mich jemand mag. Also das … Es gibt auch männliche Arme, die einen mal in den Arm nehmen – aber a Frau ist halt, find i, was … Ah – Anima! Da ist alles des, wo wir herkommen, als Menschen. Des is so a Urbedürfnis, eben nahe zu sein. Ich hab das sehr gerne, was Frauen können – wenn sie's können! Aber da gibt’s ja auch … ah ja, nicht so gut funktionierende.

HAMCHA: Bist Du ein treuer Mann?

Ali Khan: Ja! Zu mir hat vor kurzem eine junge Frau gsagt: „Ja, du bist so ein bisschen a Schlawiner, gell? Und a bissl a Hallodri! – Hab ich gsagt: Junge Dame, ich war in meinem Leben länger treu, als Du alt bist!

HAMCHA: Konnte sie es Dir glauben?

Ali Khan: Ja, des kann ma mir glauben! Weil ich hab ned des Bedürfnis … Da kann ich nur sagen, was soll's? Ob ich jetzt meine Körpersäfte mit ganz vielen Menschen austausche oder mit einem, des is … Na, des is nix, da kommt nix, was einen so umhauen könnte. Ich hab einmal … Ich war einmal vier Jahre ganz allein. Da, mei, da war a bissl mehr, aber des hab i in dem Moment aufgehört, als ich mal beim Autofahren gedacht hab: Du kannst ja nicht alle haben. Und dann war's auf einmal uninteressant für mich. Ich hab mich damals auch a bissl geekelt vor mir. Also des war … Natürlich geht viel, wenn man's drauf anlegen würde, aber des is ja Blödsinn. Das sind doch alles Privatpersonen, die haben a Recht auf Unbescholtenheit und auf Unberührtheit. Die wollen ihr eigenes Glück finden und ned einen, der da wie ein Wolf durch die Schafherde saust und sich mal kurz was greift. Des will i ned haben.

HAMCHA: Lebst Du momentan in einer festen Beziehung?

Ali Khan: Ja.

HAMCHA: Schon seit einem längeren Zeitraum?

Ali Khan: Seit zwei Jahren.

HAMCHA: Bei mir war es so … Wir sind ungefähr gleich alt, ich glaube, Du bist ein Jahr älter als ich. Wir haben kulturell, was sich in dem Land in unserer Lebenszeit abgespielt hat, wahrscheinlich ungefähr Ähnliches erlebt und mitverfolgt. Wir haben die 70er Jahre, die Befreiung, die sexuelle Revolution mitbekommen, da sind wir ja hineingewachsen. Die Beziehungen zu den Frauen, mit denen ich zusammen war, sind in den Trennungen manchmal sehr schmerzhaft verlaufen. Auch heute habe ich noch das Gefühl, dass nicht alles vorbei ist.

Ali Khan: Was ist nicht vorbei?

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Ali Khan bei Abi Ofarim Ofarims "Kinder von gestern"- Charity in der Emauuskirche: Sabrina Gander und Bettina Veicht Foto Ali Khan Titelbilder Facebook

HAMCHA: Die Verletzungen, die aus den Trennungen zurückblieben, sind nicht verheilt. Eigentlich war es vor allem die Trennung von einer Frau, mit der ich meine inzwischen erwachsenen Kinder habe und mit der ich einige Jahre meines Lebens verbracht habe, ...

Ali Khan: … Ja ...

HAMCHA: … es war ja nicht einfach so, dass wir sagten: Tschüs, wir haben eine schöne Zeit gehabt, ...

Ali Khan: … Nee! Nee! ...

HAMCHA: … sondern es gab eben auch traumatische Erfahrungen dabei.

Ali Khan: Des kann ich … Da hab ich … Des kann ich nachfühlen!

HAMCHA: Wie gehst Du damit um?

Ali Khan: Ja ich hab viele … Mei, wenn ma sagt: Wie gehst Du damit um? ... Ich glaub, es geht jedem Menschen so, der etwas lieb gewinnt und es verliert, dass er dann … Ich kann's Dir gar ned beantworten! Ich geh damit so um, dass ich – abrechne!

[längeres Schweigen]

HAMCHA: Ali Khan, hörst Du mich?

Ali Khan: Ja, ich hör Dich. Also, ich hab über diese – bist no da?

HAMCHA: Ja.

Ali Khan: Okay. Ich hab in meinen autobiographischen Gschichtn a bissl abgerechnet, mit Sachen, die, was das angeht, was Beziehungen angeht, die von der anderen Seite ganz anders kommuniziert wurden. Und ich hab in dem ... Da is so a Tsunami in mir hochgekommen, und den hab ich halt niedergeschrieben. Und das ist dann oft nicht sehr gerecht, vielleicht, aber es war mir ein Bedürfnis, des zu sagen. Oiso es ist so, ich hab schon, wie man auf Bayerisch sagt, einen Grant! Manchmal. Auf – Weiber!

HAMCHA: Mhm –

Ali Khan: Oiso, des kann i ned verhehlen. I bin jetzt a ned – na – bin nachträglich ned … Man is ja selbst der, der's lenkt, auch da … I kann aber ned anders! Ich kann nur so sein, wie ich halt bin. Es tut mir Leid.

HAMCHA: Was macht Deinen Grant aus?

Ali Khan: [lacht] Da san ma wieda am Anfang. Des is aber wahrscheinlich mit, mit … I bin a sehr geduldiger Mensch, obwohl i ned so wirk! Ich bin auch ein Mensch, der sich ganz einlässt, und ich ... Des hat zur Folge, dass ich erst nach langer Zeit mitkriege, was mit mir da gespielt wurde.

HAMCHA: Dann fühlst Du Dich verraten?

Ali Khan: – Na, so weit würd i ned gehn.

HAMCHA: Oder getäuscht?

Ali Khan: Jaaa ... Betrogen bin ich oft worden. I bin – im Gegenteil, das gehört zum treu sein, übrigens – ich bin von Frauen meistens mehr betrogen worden, als ich sie betrogen habe … Ich hab in meinem Leben einmal a Frau betrogen, aber sonst waren sie es.

HAMCHA: – Mhm –

Ali Khan: Dann hab ich mich aber auch sofort getrennt von dieser Frau, die ich sehr gemocht hab. Die Frau, die ich betrogen hab. Ich hab gsagt: Ich denk an eine andere Frau, ich tu Dir des ned an ... 

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Das Gespräch führte Heinz Michael Vilsmeier

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Ali Khan von seinen FB-Seiten und seiner Website entnommen. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung von Richard Föhr.

©HAMCHA art integration Heinz Michael Vilsmeier, 

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